600 Jahre Martino-Katharineum

„Stadtgeschichte ist immer auch Schulgeschichte“, sagt Manfred Wildhage. Wildhage weiß, wovon er spricht, denn er unterrichtet nicht nur das Fach Geschichte, sondern leitet mit dem Martino-Katharineum – kurz MK – auch das traditionsreichste Gymnasium Braunschweigs. Am 24. Februar 2015 ist diese Tradition genau 600 Jahre alt geworden. Unter dem Motto „mk600!“ wird das außergewöhnliche Jubiläum noch bis zum Ende des Jahres mit einem ebenso außergewöhnlichen Veranstaltungsprogramm gewürdigt. Wie sieht das Jubiläumsprogramm aus? Warum ist die Geschichte des MK untrennbar mit der Geschichte der Stadt Braunschweig verbunden? Und wie vereint das Martino-Katharineum Tradition, Gegenwart und Zukunft? Ich habe mit Manfred Wildhage gesprochen.

4)Seit zwölf Jahren Schulleiter am MK: Manfred Wildhage. Foto: Martino-Katharineum

Seit zwölf Jahren Schulleiter am MK: Manfred Wildhage. Foto: Martino-Katharineum

Guten Tag Herr Wildhage, was ist das Besondere am Martino-Katharineum?

Das Alleinstellungsmerkmal des MK ist seine Geschichte. Die Schule wurde 1415 im Rahmen des Konzils von Konstanz  von Papst Johannes XXIII. gegründet, das ist einmalig in Braunschweigs Schulgeschichte. Heute zeichnet die Schule das Miteinander von Tradition, lebendigem Schulleben und modernen Angeboten aus: das MK ist „Partnerschule des Leistungssports“ und „Umweltschule in Europa“, in den Jahrgangsstufen 5 und 6 haben wir eine Bläserklasse und eine Sportklasse und auch in der Mittelstufe gibt es spezielle Profilangebote.

Welche Rolle spielt die Tradition im Leitbild der Schule?

Wir versuchen, das lateinische Motto unserer Schule „virtuti – humanitati – pietati  („Tugend, Menschlichkeit, Pflichtgefühl“) in die Gegenwart zu überführen. In zeitgemäßer Form bleiben diese Werte die Basis unserer pädagogischen Arbeit: die Übernahme von Verantwortung für sich selbst, für andere und die Umwelt, Leistungsbereitschaft sowie Menschlichkeit und Respekt im Umgang miteinander. Neben einer fundierten Allgemeinbildung und der Freude am Lernen steht für uns die Entfaltung der Persönlichkeit im Mittelpunkt.

Gründungsurkunde von Papst Johannes XXIII. Foto: Stadtarchiv/Stadt Braunschweig

Gründungsurkunde von Papst Johannes XXIII. Foto: Stadtarchiv/Stadt Braunschweig

Die Geschichte des MK ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt Braunschweig verknüpft, warum?

Stadtgeschichte ist immer auch Schulgeschichte – und umgekehrt. Die Anfänge unserer Schule sind ohne die Geschichte der Stadt Braunschweig gar nicht zu denken. Die Gründung unserer Schule geht zurück auf einen Konflikt zwischen dem Rat der Stadt Braunschweig und der Kirche. Daraufhin schickte der Rat eine Delegation nach Konstanz, um bei Johannes XXIII. ein Privileg für die Gründung zweier Lateinschulen zu erwirken. Aus diesen beiden Schulen ging das heutige Martino-Katharineum hervor. Mit der Gründung wurde ein Fundament gelegt, das die Entwicklung von Bildung und Erziehung auch unabhängig von der Kirche ermöglicht hat: ein großer Schritt für Braunschweig.

Wie wurde das Jubiläum in diesem Jahr gefeiert?

Begonnen haben wir mit einem zentralen Festakt am 24. Februar in Anwesenheit des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und des Braunschweiger Oberbürgermeisters Ulrich Markurth, im Übrigen auch ein ehemaliger MK-Schüler. Am 10. Oktober gab es eine große Jubiläumsparty in der Stadthalle mit über 2000 jetzigen und ehemaligen MK-Schülern, -Eltern und -Lehrern. Darüber hinaus gab es zahlreiche Veranstaltungen und Projekte, die von den Fachbereichen unserer Schule konzipiert wurden. Wir wollten der ganzen Schulgemeinschaft die Möglichkeit geben, das Jubiläumsprogramm mitzugestalten. Aus diesem Grund haben wir uns auch dafür entschieden, das Jubiläum kontinuierlich über das gesamte Jahr zu begehen. Eine einzige Festwoche hätte für das umfangreiche Programm nicht ausgereicht.

Noch ist das Jubiläumsjahr nicht zu Ende. Ein Highlight steht noch auf dem Programm?

Richtig, am kommenden Mittwoch wird die Ausstellung „600 Jahre alte Kunstwerke neu gesehen“ im Rittersaal der Burg Dankwarderode eröffnet. In Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum haben sich Schülerinnen und Schüler des 12. Jahrgangs mit mittelalterlichen Kunstwerken auseinandergesetzt.

Auch hier trifft Tradition auf Moderne: MK- Erweiterungsbau. Foto: Manfred Wildhage

Auch hier trifft Tradition auf Moderne: MK- Erweiterungsbau. Foto: Manfred Wildhage

Sie leiten das Martino-Katharineum seit zwölf Jahren. Was gefällt Ihnen hier ganz besonders?

Da gibt es eine ganze Menge, aber in erster Linie schätze ich die Menschen an dieser Schule: Wir haben tolle Schülerinnen und Schüler und wir haben ein sehr engagiertes Kollegium, das hat sich auch im Jubiläumsjahr wieder gezeigt. Und natürlich ist es für mich von besonderem Reiz, die Kombination aus Tradition und moderner Bildungseinrichtung an diesem Ort nicht nur am Leben, sondern auch lebendig zu halten.

Herr Wildhage, vielen Dank für das Gespräch.

Text: Jan Engelken
Artikelfoto: Im Rahmen der traditionellen „Schülertaufe“ am Martino-Katharineum steigen Ballons auf. Urheber: Martino-Katharineum

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder *