Als Neubürgerin in Braunschweig

Simone Blaschke kommt aus Bonn und berichtet über ihre ersten Eindrücke in der Löwenstadt.

Wer, so wie ich, aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands kommt, und mit Braunschweig bisher keinerlei Berührungspunkte hatte, muss sich erst mal schlau machen. Mit einer Viertelmillion Einwohner ist die Stadt im Südosten Niedersachsens nicht gerade klein. Sie liegt am Rande des Harzes, grob zwischen Hannover und Berlin an der A2. Doch wie tickt die Stadt? Wie sind die Menschen und was gibt es zu entdecken?

Das herauszufinden funktioniert mit Öffentlichen Verkehrsmitteln am besten. Ob Straßenbahn oder Bus, mit den „Öffis“ kommt man gut klar und schnell vom Fleck. Auch die zahlreichen, breiten und gut vernetzten Radwege fallen mir sofort ins Auge. Auf das Auto kann ich innerstädtisch also getrost verzichten.

Leichter Start: Von A wie Anmelden bis Z wie Zulassung

Zuallererst müssen die Behördengänge erledigt werden. Alle nötigen Infos findet man online. Mit Personalausweis und Mietvertrag in der Tasche geht die kostenlose Anmeldung im Einwohnermeldeamt einfach über die Bühne. Kleiner Tipp: Montags ist die Meldebehörde stark frequentiert und früh morgens können schon alle Nummern, die man am Eingang ziehen muss, vergeben sein. Also besser an einem anderen Wochentag hingehen.

Das kleine Willkommenspaket („Erstbürgermappe“) für Zugezogene enthält ein paar nette Überraschungen, darunter ein ÖV-Tagesticket, jeweils ein Gutschein für eine Historische Stadtführung, den Besuch des Naturhistorischen Museums und den Zoo „Arche Noah“. Außerdem einen Jahresgutschein für die Stadtbücherei und ein Freiticket für den Besuch eines Städtischen Freibads meiner Wahl.

Shoppen, Feiern, Geschichte erleben – alles möglich

Marttreiben auf dem Altstadtmarkt.

Markttreiben auf dem Altstadtmarkt. Foto: Simone Blaschke

Was mir bei meiner Entdeckungstour direkt auffällt, sind die vielen schönen Plätze: Altstadtmarkt, Bankplatz oder Kohlmarkt, mit Cafés, Restaurants, Wochenmärkten und jede Menge Grün. Auch an Events spart die Stadt nicht. Eines der Highlights ist der jährliche Weinsommer (aktuell vom 25. bis 28.08.) auf dem Kohlmarkt. Auf der anderen Seite der Fußgängerzone zwischen Altstadtmarkt und Bohlweg befindet sich in den Schloss-Arkaden ein weiteres Shoppingparadies mit allem, was das Herz begehrt. In dem weitgehend originalgetreu wiederaufgebauten Braunschweiger Residenzschloss sind außerdem die Stadtbibliothek und das Schlossmuseum untergebracht. Überhaupt ist Braunschweig, zweitgrößte Stadt Niedersachsens, vollgepackt mit geschichtsträchtigen Gebäuden und Orten, darunter der Dom, das Altstadtrathaus und die Burg Dankwarderode mit dem dazugehörigen Burgplatz. Alles gebaut in der Zeit des Welfenherzogs Heinrich des Löwen, auf den auch der Begriff „Löwenstadt“ zurückgeht. Unter seiner Herrschaft entwickelte sich die Stadt im Mittelalter zu einer mächtigen Handelsmetropole. Wer also Spaß an deutscher Kulturgeschichte hat, ist hier bestens aufgehoben. Die Zahl der Museen ist entsprechend groß.

Das Happy Rizzi-Haus leuchtet bunt am Eingang des Magniviertels.

Ein Blickfang: Das Happy Rizzi-Haus am Eingang des Magniviertels. Foto: Simone Blaschke

Übrigens veranstaltet das Staatstheater Braunschweig jeden Sommer auf dem Burgplatz ein Musiktheater auf einer riesigen Freilichtbühne. In diesem Jahr wird „Hair“ aufgeführt.

Überraschend grün und abwechslungsreich

Als Zugezogener sollte man generell keine Scheu haben, auf Menschen zuzugehen. Zwar sind die Braunschweiger zurückhaltender als ich es vom Rheinland kenne, aber wenn man sie freundlich anspricht, geben sie gerne Auskunft. Auch auf eigene Faust oder mit Hilfe des Internets gibt es allerhand zu entdecken. Vor allem die großartigen Outdoor-Möglichkeiten haben mich überrascht. Neben dem Bürger- und dem Prinzenpark, in denen man wunderbar spazieren, joggen oder picknicken kann, hat es mir das Naturschutzgebiet Riddagshausen mit seiner naturnahe Teich-, Wiesen- und Waldlandschaft angetan. Nur eine Viertelstunde mit dem Rad von der Innenstadt entfernt, kann man hier ausgiebig wandern und Rad fahren. Selbst am Wochenende ist es ruhig und erholsam.

Bootsfahrt auf der Oker mit Stadtführung.

Mit einer Bootsfahrt auf der Oker die Stadt entdecken. Foto: Simone Blaschke

Fazit eines Neulings in Braunschweig

Was ich anfangs nicht vermutet hätte: Braunschweig hat erstaunlich viel zu bieten und braucht sich hinter anderen Großstädten nicht zu verstecken. Im Sommer gefallen mir die zahlreichen Biergärten, Strandbars und Straßencafés besonders gut.

Meine Tipps für den Spätsommer in und um Braunschweig:

  • Weinsommer auf dem Kohlmarkt (26.-28.08.2016)
  • Strandfeeling in der Okercabana oder Baden im Heidbergsee
  • Wandern im Naturschutzgebiet Riddagshausen
  • Botanischer Garten im Univiertel
  • Bummel durch das Magni-Viertel
  • Heimspiel im Stadion von Eintracht Braunschweig erleben

Zum Einstieg für Neubürger empfehle ich eine Bootsfahrt mit Stadtführung auf der Oker oder eine Tour mit dem Segway durch die Löwenstadt.

Text und Fotos: Simone Blaschke

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