Ein Blick hinter die Kulissen des Braunschweiger Weihnachtsmarkts

Seit elf Jahren ist Heike Prieß für die Organisation des Braunschweiger Weihnachtsmarkts verantwortlich – einem der stimmungsvollsten und ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands, der inzwischen jedes Jahr mehrere hunderttausend Besucher in die Löwenstadt zieht. Im Interview verrät die Projektleiterin der Braunschweig Stadtmarketing GmbH, worin bei ihrer Arbeit die größte Herausforderung besteht, warum es ein bisschen wie Tetris spielen ist und was sie in den Jahren schon so alles erlebt hat.

Frau Prieß, was macht den Braunschweiger Weihnachtsmarkt so besonders?

Heike Prieß, die Weihnachtsfrau beim Stadtmarketing. Foto: Stephen Dietl

Heike Prieß, die Weihnachtsfrau beim Stadtmarketing. Foto: Stephen Dietl

Das Ambiente rund um den Burgplatz ist einzigartig. Vor allem aber zeichnen uns die vielen individuellen Stände aus. Auf manchen Weihnachtsmärkten reiht sich Glühweinstand an Glühweinstand. Bei uns ist hingegen nur ein Viertel Imbiss und Ausschank, der Großteil ist Kunsthandwerk und Markt. Zudem bieten wir ein umfangreiches kulturelles Rahmenprogramm. Daher reisen die Menschen auch von überall an. Wir haben Besuchergruppen aus Hamburg, Berlin oder Nürnberg und sogar aus dem nahen Ausland wie den Niederlanden oder Dänemark.

Wie viele Stände gibt es in diesem Jahr?

Das werden wieder 150 sein. Damit ist die Fläche inzwischen einfach ausgereizt. Beworben haben sich über 300 Schausteller und Kunsthandwerker aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland.

Wie hat man sich so eine Bewerbung vorzustellen?

Man kann sich ab dem 1. Dezember bis zum 31. März des Folgejahres für den nächsten Weihnachtsmarkt bewerben. Das geschieht über ein Formular, dem man auch Fotos des geschmückten Standes beifügt. Muss der erst noch gebaut werden, reicht vorläufig auch ein überzeugendes Konzept und eine Zeichnung. Dabei muss sich jeder, der schon mal hier war, erneut bewerben, wie alle anderen auch.

Und wie wählen Sie dann aus all den Bewerbungen die finalen Teilnehmer aus?

Das macht eine Jury, bestehend aus Braunschweig Stadtmarketing und dem Schausteller-Verband. Wobei der Schaustellerverband beratend tätig ist. Dabei kommt jede einzelne Bewerbung auf den Prüfstand. Wir gehen also tatsächlich alle 300 Bewerbungen gemeinsam durch.

Worauf achten Sie dabei?

Wir prüfen zuerst, wie der Stand aussieht und wie sein Angebot ist. Ist es hausgemacht, individuell, umweltverträglich? Gerne sehen wir auch regionale Produkte oder welche, die direkt vor Ort produziert werden. In diesem Jahr sind zum Beispiel zwei Glasbläser dabei, denen man bei ihrer Arbeit zusehen kann. Oder vor Ort gebackenes Brot und Kekse. Es ist einfach schön, wenn auch andere Sinne angesprochen werden. Und natürlich gibt es ganz formale Kriterien: So darf ein Stand nicht länger als acht Meter und nicht tiefer als drei Meter sein. Auch möchten wir keine großen Konzerne oder auffallend Schrilles, sondern mögen es lieber individuell und traditionell.

Traditionelle Stände und ein ausgewogenes Warensortiment prägen den Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: BSM/Daniel Möller

Traditionelle Stände und ein ausgewogenes Warensortiment prägen den Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Foto: BSM/Daniel Möller

Sorgen manche Bewerbungen auch für Kopfschütteln?

Einmal hat sich jemand mit einem so riesigen doppelstöckigen Stand beworben, so dass der halbe Platz der deutschen Einheit belegt gewesen wäre. Da merkt man dann, dass der Schausteller sich vorher nicht mit unserem Weihnachtsmarkt beschäftigt hat.

Was ist die Herausforderung bei der Organisation eines so großen Weihnachtsmarktes?

Man muss jeden Stand so setzen, dass nicht ähnliche Produkte nebeneinander stehen und alles vom Ambiente her passt. Das ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten oft nicht einfach. Häufig gibt es auch Befindlichkeiten seitens der Anlieger. Da muss man sich zu aller Zufriedenheit einigen, denn wir sind schließlich fünf Wochen lang Nachbarn.

Und wie gestaltet sich der Aufbau?

Der Montag vor der Eröffnung ist meist der Stresstag schlechthin. Da bin ich von morgens um 6 Uhr bis abends um 18 Uhr vor Ort, koordiniere und organisiere. Die Schausteller kommen im Ein- bis Zweistunden-Rhythmus mit ihren Ständen. Ich habe vorab die Anlieferung der Stände so eingeteilt, dass sie wie Puzzleteile aneinander passen und spiele dann quasi Tetris. So stehen 80% des Marktes am Ende des Tages.

Was sind denn die kulinarischen Highlights in diesem Jahr?

Da sind natürlich wieder die Braunschweiger Mumme-Spezialitäten, regionaler Braunkohl, frisch gebackenes Brot mit Schmalz oder selbst gemachter Marmelade sowie frisch gebackene Kekse. Und natürlich die beliebten Klassiker aus den vergangenen Jahren wie die Senf-Manufaktur aus Mecklenburg-Vorpommern, der finnische Honig ,der Schinken aus Tirol, Flammlachs und die gebratene Entenbrust.

Angesichts der Entwicklung in den vergangenen elf Jahren: Wie könnte der Weihnachtsmarkt in Zukunft aussehen?

Ich denke nicht, dass wir ihn groß verändern müssen. Auch die Jugend mag Weihnachten gern traditionell. Man sieht sehr viele Gruppen junger Leute. Sie verabreden sich am Nussknacker oder an der Christensäule und ziehen gemeinsam los. Und im Anschluss an den Weihnachtsmarkt wird in den Clubs gefeiert. Das ist inzwischen einfach schon Kult.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Wir haben 2009 damit begonnen, die Bäume an der Münzstraße und am Platz der deutschen Einheit mit leuchtenden Sternen und Kugeln zu schmücken. Das begann mit 36 Lichtelementen und ist dieses Jahr nun mit insgesamt 130 vollständig. Diese Lichtinstallation ist quasi mein Baby, darauf freue ich mich riesig. Und ich fiebere natürlich immer der Eröffnung entgegen. Wenn der Oberbürgermeister seine Begrüßungsworte gesprochen hat und auf den roten Knopf drückt, die Lichter angehen und der Dom läutet … das ist für mich Gänsehaut pur.

Perfekt wird das Weihnachtsmarktwonderland, wenn Schnee liegt. Foto: BSM/b2

Perfekt wird das Weihnachtsmarktwonderland, wenn Schnee liegt. Foto: BSM/b2

Aber dann ist die Arbeit wahrscheinlich noch nicht getan …

Es geht natürlich weiter. Die schönsten drei Stände wollen gekürt werden; es heißt also mit der Jury über den Markt gehen. Dann überprüfen wir kontinuierlich die Stände, ob die Angaben aus der Bewerbung auch wirklich stimmen und alle Vereinbarungen eingehalten werden. Ich bin jeden Tag auf dem Markt, rede mit Schaustellern, Gästen und Anwohnern. Und nach dem Weihnachtsmarkt ist vor dem Weihnachtsmarkt: Rechnungen müssen bezahlt werden, es trudeln bereits die neuen Bewerbungen ein, man redet mit Sponsoren, schließt Verträge und vieles mehr.

Können Sie angesichts von so viel Arbeit den Weihnachtsmarkt überhaupt noch genießen?

Und wie, ich freue mich jedes Jahr aufs Neue! Ich liebe diese Zeit einfach, und sogar meine Weihnachtsdekoration zuhause steht bereits. (lacht)

Frau Prieß, vielen Dank für das Gespräch!

Text: Stephen Dietl
Artikelbild: BSM/Daniel Möller

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