Brücken schlagen, den Horizont erweitern

Expatriates oder auch Expats werden in der Wirtschaft im engeren Sinne Fach- und Führungskräfte genannt, die von international tätigen Unternehmen für einen befristeten Zeitraum in eine ausländische Zweigstelle entsandt werden. Eine Sonderform bilden Arbeitnehmer, die in Unternehmen im Gastland auf eigene Faust anheuern. Was beide Personengruppen eint: sie müssen in der Fremde zurechtkommen.

Seit 2013 gibt es in Braunschweig die Gelegenheit, bei Expat-Treffen Kontakte mit Gleichgesinnten zu knüpfen, die das Einleben fern der Heimat erleichtern.

Mit Gleichgesinnten verbinden

Doris Skala-Gast, Timo Antons und Philipp Kuhn organisieren die Expat-Lounge in Braunschweig.

Doris Skala-Gast, Timo Antons und Philipp Kuhn organisieren die Expat-Lounge in Braunschweig.

Initiiert hat die „Expat-Lounge“, so der offizielle Name der „Plattform für internationale und lokale Menschen aus der Wirtschaft“, der Arbeitskreis Internationales und Politik von den Wirtschaftsjunioren Braunschweig. „Die Idee ist entstanden aufgrund eines Hinweises unseres Mitglieds Max Teitel, ein gebürtiger Holländer. Er war innerhalb der Wirtschaftsjunioren sehr umtriebig, weit über die Grenzen Braunschweigs hinaus. In Hamburg, Frankfurt und auch Leipzig wurden damals bereits ähnliche Projekte betrieben, bei denen sich internationale Menschen mit wirtschaftlichem Hintergrund bei den Wirtschaftsjunioren einfinden konnten. Wir dachten uns: Mancher möchte ja womöglich nicht nur den Arbeitgeber kennenlernen, sondern sich auch mit Gleichgesinnten verbinden, nach weiteren Kontakten suchen und sich mit der Familie einleben“, blicken Timo Antons, Doris Skala-Gast und Philipp Kuhn, zurück auf die Anfänge der Fachkräfte-Netzwerkentwicklung in unserer Stadt.

Treffen an jedem dritten Donnerstag im Monat

Seither haben sich Menschen aller Herren Länder an der Expat-Lounge beteiligt. „Es war schon sehr bunt. Wir hatten Leute aus Polen dabei, US-Amerikaner aber auch Teilnehmer aus verschiedenen afrikanischen Ländern“, skizziert Antons. Sprachliche Barrieren habe es dabei bislang nie gegeben. Die Mitglieder der Wirtschaftsjunioren sprechen allesamt Englisch, einige auch Spanisch. Als regelmäßiger Treffpunkt – an jedem dritten Donnerstag eines Monats um 19:00 Uhr – wurde aufgrund der zentralen Lage der Genusstresor am Bankplatz ausgewählt. „Das Restaurant ist für alle gut erreichbar, außerdem kann man von dort im Anschluss noch gut weiterziehen“, sagt Doris Skala-Gast.

Gespräche über Gott und die Welt

Ziel sei allerdings nicht, Werbung für die Wirtschaftsjunioren zu machen, sondern ein konkretes Angebot für den interkulturellen Brückenschlag, die Erweiterung des Horizonts im Dialog zu stellen, so Antons: „Wir möchten eine Plattform haben, wo sich Menschen begegnen können. Wir haben es Expat-Lounge genannt, weil Lounge so etwas Gemütliches und Ungezwungenes hat. Ein Signal, dass es uns hier um ein lockeres Kennenlernen geht.“ Um Teilnehmern die Scheu zu nehmen, gebe es ganz bewusst kein Anmelde- oder Aufnahmeprozedere. Manch einer schreibe im Vorfeld sicherheitshalber mal eine E-Mail, grundsätzlich aber gelte die Regel „kommen und mitmachen“. Schließlich geht es um ganz normale Gespräche über Gott und die Welt, um Fragen und Probleme des täglichen Lebens: Kann ich mit meinen Kindern in diesen Kindergarten? Kennt ihr die internationale Schule? Wie und wo finde ich eine Wohnung? Und so weiter.

Offen für viele

Das Fehlen eines explizit wirtschaftlichen Backrounds ist übrigens kein Ausschlusskriterium. „Es ist die Frage, ob man als Branchenfremder beim Stammtisch immer findet, was man sucht. Jemand der aus der Wirtschaft kommt, hat beim Kennenlernen und beim Smalltalk vielleicht schneller einen Anknüpfungspunkt“, gibt Antons zu bedenken. Doch auch wenn mit dem Format in erster Line Menschen aus der Wirtschaft angesprochen würden – grundsätzlich stehe die Expat-Lounge ebenso Menschen aus anderen beruflichen Bereichen sowie Inländern die nicht aus Braunschweig kommen offen. Schließlich seien alle auf der Suche nach zwischenmenschlichem Anschluss, Erfahrungsaustausch und Unterstützung in der ersten Zeit.

Neue Teilnehmer herzlich willkommen

Nachdem der Stammtisch vom Start weg sehr gut angenommen wurde, sich schnell ein Kreis von regelmäßig etwa 15 Leuten aus verschiedensten Unternehmen gefunden hatte, gibt es jetzt die ersten Umbrüche. Einige Expats sind nicht mehr in der Stadt. „Zuletzt hat das Interesse leider ein bisschen abgenommen“, schildert Timo Antons, weshalb neue Gesichter in der Runde nun umso herzlicher willkommen seien. Nachdem im vergangenen Jahr einige gemeinsame Besuche kultureller Events wie dem Sommerkino im Kunstverein am Lessingplatz im Terminkalender standen, wird nun eruiert, was programmatisch als Nächstes ins Auge gefasst wird. Denkbar – die kritische Masse an Teilnehmern vorausgesetzt – ist vieles: Stadtführungen und Ausflüge, Vorträge und Diskussionen zu aktuellen Themen, Besuche von Museen und Sportveranstaltungen, Betriebsbesichtigungen oder Picknick. Unterdessen ist Philipp Kuhn dabei, Kontakte zu Relocation-Firmen, die sich um Umzüge von Mitarbeitern von Firmen kümmern, aufzubauen und zu intensivieren. „Der Gedanke war, dass wir diesen Firmen vorstellen, was wir machen, so dass die aus dem In- oder Ausland nach Braunschweig kommenden Fachkräfte sofort auf uns aufmerksam werden. Das erste Feedback aus den Telefonaten war durchaus positiv.“

Wer sich für die Teilnahme an der Expat-Lounge interessiert, kann sich telefonisch unter 0531/47 15 248 oder via E-Mail an wj@braunschweig,ihk.de mit den Wirtschaftsjunioren in Verbindung setzen.

Text: André Pause

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