Das KULT bietet intime Theatererlebnisse und Künstler zum Anfassen

Kennen Sie Das KULT? Um begrifflichen Missverständnissen vorzubeugen: Die Kurzform von Kultstatus soll ebenso wenig Thema dieser Zeilen sein, wie eine sonst wie geartete Götterverehrung. Hier geht es um das laut Selbstauskunft noch immer kleinste Theater Braunschweigs, das seinen Namen aus programmatischer Entsprechung trägt. KULT steht in diesem Fall für Kunst, Unterhaltung, Literatur und Theater. Und seien wir doch mal ehrlich: Das KULT geht doch wesentlich flüssiger über die Lippen als Das LUKT, Das ULKT oder Das TULK. Nachhaltig im Oberstübchen haften bleibt es sowieso, und last but not least wird eine durchaus sachdienliche etymologische Nähe zum Begriff Kultur suggeriert.

Vom Hagenmarkt zum Schimmelhof

Seit rund zwei Jahren ist Thomas Hirche mit dem KULT im Schimmelhof in der Hamburger Straße 273 zu Hause. Die Wurzeln des Theaters liegen freilich am Hagenmarkt, Hier hatte der Enthusiast in Sachen Kleinkunst ab 2012 seine erste stationäre Spielstätte. Als das Gebäude im Mai 2014 für weitere Büros gebraucht wurde, musste die kleine Bühne mit ihren 40 Plätzen weichen. Ein knappes halbes Jahr spielte Hirche im Anschluss unter dem Namen Das KULT im Exil ein reduziertes Programm in der Gärtnerei Volk. Der Tagesbetrieb der Gärtnerei und des angeschlossenen Café Flora waren dabei eine Herausforderung für den Theatermacher, mussten Aufbau, Spiel und Abbau doch jeweils am Stück erfolgen. „Zum Glück konnte ich die Bühnenelemente immer dort lassen“, schmunzelt der Theatermann, „aber insgesamt war das damals schon sehr aufwendig.“ Aufwendig auch deshalb, weil er von ein paar Handgriffen links und rechts des Kerngeschäftes einmal abgesehen, wirklich alles in Eigenregie erledigt. Hirche ist Künstler, Putzmann, künstlerischer Leiter, Künstlerbetreuer, Kartenabreißer, Thekenkraft und Akquisiteur in Personalunion.

Ein Schmuckkästchen ist entstanden

Geändert hat sich daran bis heute streng genommen: nichts. Seit November 2014 betreibt der 49-Jährige das Theater an neuer Stelle. Der vormalige Mieter der Räumlichkeiten – die Niederdeutsche Bühne – gestattete Hirche schon in der Übergangszeit, seine Requisiten im Schimmelhof C2 unterzustellen. Auch Proben durfte er hinter den dicken Fabrikmauern. Als das auf Plattdeutsch spezialisierte Ensemble andeutete, die Räume abgeben zu wollen, war dies für den Einzelkämpfer in Sachen Kleinkunst eine glückliche Fügung zum passenden Zeitpunkt. „Ich habe dann gesagt: Gut, zieht ihr mal aus, ich bleibe“, lacht Hirche. Passiert ist seither eine ganze Menge: Auf dem Betongrund im Theatersaal wurde ein Holzfußboden verlegt, eine Fluchttür eingebaut und eine Rampe für Rollstuhlfahrer errichtet. Dazu gibt es nun Toiletten für Männer und Frauen. Dass der KULT-Direktor, der als Theaterspieler selbst seit 30 Jahren auf der Bühne steht, unter anderem mit Improvisationstheater und Figurentheaterproduktionen bundesweit unterwegs ist, sein Konzept am aktuellen Standort umsetzen konnte, verdankt er auch der Unterstützung aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Diese reicht von Vermieterin Christine Schubert bis hin zu jenen Geldgebern, die via Crowdfunding die notwendigen Um- und Ausbaumaßnahmen des Theaters mitfinanziert haben. Jetzt ist das KULT ein wahres Schmuckkästchen, und Thomas Hirche hat im Grunde nur noch einen Ausbauwunsch: „Eine kleine Loge mit vielleicht 20 Sitzplätzen. Das wäre toll.“

Theatersaal_Kult_Andre_Pause

Die Richtung stimmt

In der gemütlichen Variante mit kleinen Tischchen finden derzeit 70 Gäste einen Platz. Bei Reihenbestuhlung liegt die Kapazität bei immerhin 100 Besuchern. Was die Auslastung anbelangt, gehe es derzeit in die richtige Richtung, meint der KULT-Macher. 80 Aufführungen hat es im Jahr 2015 gegeben, Ende dieses Jahres werde die 120er-Marke geknackt sein. „Angestrebt hatte ich eigentlich 160, aber mein neuester Spruch heißt: Ich habe einen Kopf und zwei Hände“, grient Hirche. „Wichtig ist: Ich kann alles bezahlen und mir immer noch Brötchen kaufen.“ In Programmfragen lässt sich der gelernte Stahlbauschlosser und studierte Sozialarbeiter ohnehin nicht verbiegen. Bei ihm gibt es Bekanntes, aber auch viel Neues aus dem gesamten Kleinkunstbereich, gerne abseits des Mainstreams. Das ist immer etwas Besonderes, Intimes, beinahe Familiäres mit Künstlern zum Anfassen. Neben verschiedensten Gastspielen, aktuell unter anderem von Ulla Meinecke (22. September) und Lilo Wanders (4. und 5. November), stehen zahlreiche bewährte und regelmäßige Reihen wie „Tasten in der Finsternis“ oder die „Swing Flüsterparty“ im Terminkalender, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

KULTig feiern

In der aufführungsfreien Zeit so Hirche dürfe das KULT übrigens gerne gebucht werden, stundenweise oder für den kompletten Abend, zum Beispiel für Feiern und Feste aller mit bis zu 80 Personen. Auf Wunsch mit individuellem Theater- und Musikprogramm.

Infos und Kontakt

Karten für die Vorstellungen im KULT-Theater sind bei Musikalien Bartels erhältlich. Seit dieser Spielzeit erscheinen quartalsweise liebevoll gestaltete Programmhefte. Weitere Informationen gibt es unter www.daskult-theater.de oder auch telefonisch unter den Rufnummern 0531/ 7 07 65 47 und 0176/ 23 99 38 25.

Text und Bilder: André Pause

Programm_KULT_Andre_Pause

Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder *