Der KufA-Verein möchte Kultur für alle

Wer sich in Braunschweig das Kulturangebot abseits des Mainstreams zu Gemüte führt, erkennt eines schnell: Ohne den KufA e.V. wäre entschieden weniger los. Kufa ist die Kurzform von „Kultur für alle“, und genau das hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben – mit allem Drum und Dran.

Die Ziele des Vereins

In seiner Satzung haben die Mitglieder genau definiert, zu welchen Zwecken die Gründung am 20. Mai 2013 erfolgte, welche Ziele verfolgt werden sollen. Der Verein möchte die Kulturlandschaft in unserer Stadt bereichern, ausbauen und die lokale, unabhängige Kultur in seiner Vielfalt „jenseits des kommerziellen Mainstreams“ an der Basis fördern. Dabei liegt den Beteiligten am Herzen, Künstler aus den Bereichen Literatur, bildende Kunst, Musik, Theater und Fotografie zu unterstützen und den Bürgerinnen und Bürgern mit kleinem Geldbeutel den Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Kultur für alle Bürger soll generationsübergreifend, unabhängig von finanzieller, sozialer Situation oder ethnischer Herkunft erfahrbar werden.

Ein Spiegel der Gesellschaft

Der erste Vorsitzende Markus Wiener bringt das auf eine schlüssige Kurzformel: „Wir möchten Braunschweig im Sinne eines weiter gefassten Kulturbegriffs lebenswert machen, die Vernetzung innerhalb der Kulturszene vorantreiben und dabei bis in die Stadtteile hineinwirken.“ Dabei habe der Kufa-Verein ausdrücklich nicht den reinen Kulturkonsum im Visier, sondern die vermehrte Teilhabe. „Der Verein lebt vom Mitmachen“, so Wiener. Was sich zunächst anhört wie eine schwammige Floskel, wird sofort klarer, wenn man sich die Mitgliederstruktur des Vereins anschaut. Die jüngste Aktive unter den derzeit 80 Mitgliedern ist 18 Jahre alt, die Ältesten sind über 70. Auch beruflich sei fast alles vertreten, betont der erst Vorsitzende: „Wir haben Bauarbeiter, Ärzte, Krankenpfleger, Pädagogen, Erzieher, Kultur- und Kunstschaffende, Lebenskünstler und auch Hartz-IV-Empfänger dabei. Der Anteil von Frauen und Männern ist etwa gleich. Es ist, und das zeigt sich auch bei unseren Veranstaltungen immer wieder, ein Spiegel der Gesellschaft.“

 WESTand – das neue soziokulturelle Zentrum

Ein ganz wesentlicher Punkt für den Kufa-Verein ist die Errichtung des langersehnten soziokulturellen Zentrums. „Wir wollten allerdings nie, das wird uns ja manchmal in den Mund gelegt, das Freizeit- und Bildungszentrum (FBZ) wieder aufbauen. Und wir trauern da auch nicht hinterher. Es ging uns einfach um einen Raum, wo unabhängige Kultur stattfinden kann. Das FBZ war damals, wir leben heute. Es wird einfach ein Ort benötigt“, betont Markus Wiener. „Wir haben dann Aktionen gemacht. Es bringt ja nichts, Flugblätter zu schreiben, die klug geschrieben sind. Es muss schon im Kontext mit Aktion und Handlung laufen.”

Der Verein lebt das Motto "Kultur für alle". Foto: André Pause

Der Verein lebt das Motto „Kultur für alle“.
Foto: André Pause

Lange wurde gesucht, und mit dem K67 in der Kreuzstraße schien ein geeignetes Objekt gefunden. Bis ein Lärmschutzgutachten den Kufa-Leuten einen Strich durch die Rechnung machte. Schließlich wurde man doch noch fündig: ein paar Meter weiter südlich entlang des Ringgleises. Die ehemalige Fireabendhalle soll jetzt zum Kulturzentrum WESTand werden. Alles sei auf einem guten Weg, wie der zweite Vorsitzende Bernd Müller erklärt: „Kulturdezernentin Anja Hesse hat, da muss man ihr wirklich Lob zusprechen, den Kontakt zu den Investoren Manfred Neumann und Rainer Nötzel hergestellt. Jetzt kommt ein dritter Investor dazu, und das Konzept ist noch mal vom Kopf auf die Füße gestellt worden. Vorher hatten wir mit einer Bestandssanierung geplant. Jetzt sieht es so aus, dass wir den Giebel stehenlassen, und alles andere wird abgerissen. Der Bauvorbescheid ist da, der Verwaltungsausschuss hat zugestimmt und auch das Konzeptgeld sowie die Kalt- und Warmmiete für Kufa sind bewilligt. Eigentlich fehlen nur noch zwei Verträge. Die Stadt macht mit uns quasi einen Untermietvertrag, welcher gerade juristisch erarbeitet wird. Das Zweite ist die Kontinuitätsförderung. Da sind 150 000 Euro pro Jahr angedacht, und darüber wird auch noch verhandelt.“

Synergieeffekte erwünscht

Einen Veranstaltungssaal für Konzerte mit bis zu 400 Personen, Seminar- und Workshop-Räume, einen Multiplexraum, der vielfältig genutzt werden kann, einen Filmraum, ein Tonstudio, eine Küche und ein Bistro soll es, so Markus Wiener, im Kulturzentrum WESTand geben. Die dreigeschossige 3000-Quadratmeter-Halle teilt sich der Kufa-Verein, was die Fläche anbelangt, etwa zur Hälfte mit den Investoren. Dabei setzen die Vorsitzenden auch auf Synergieeffekte: „Es wird es sicherlich gemeinsame Veranstaltungen geben. Die Chemie zwischen uns stimmt. Wir können auch alles öffnen, dann haben wir eine größere Fläche. Und wir werden natürlich auch outsourcen. Wenn ein anderer Veranstalter ein Format hat, sehe ich da kein Problem. Das Ganze soll ja effizient laufen.“ Ein Weilchen wird es freilich noch dauern, bis die Felle verteilt werden können. Geht es nach Markus Wiener und Bernd Müller, ist Mitte des Jahres Baubeginn. Dann wären es allerdings noch mal mindestens anderthalb Jahre bis zum Bezug.

Einfach mitmachen

Wer sich bis dahin und darüber hinaus beim Kufa-Verein einbringen möchte, ist herzlich eingeladen. Auf der Homepage www.kufa.ev-bs.de gibt es weitere Informationen und Kontaktdaten. Das nächste Aktiven-Treffen findet bereits am 6. April im Mehrgenerationenhaus in der Hugo-Lutherstraße 60a statt. Weiterhin terminiert sind bereits das KufA Libre Fest auf dem Naturfreundegelände am Südsee (21. Mai), das internationale Sommer- und Kulturfest auf dem Tostmannplatz (11. Juni), das Kulturschaufenster am Westbahnhof (20. August) sowie am 29. August die Diskussionsrunde „Kultur im Fegefeuer“ zur Kommunalwahl.

Text und Bild: André Pause

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