Das Festival der Utopie 2016: Wochenendreise in die Zukunft

Das dritte Festival der Utopie steht in den Startlöchern. Wieder wird ein vergessener Ort in unserer Region für ein Wochenende zur visionären Ideenschmiede für die Zukunft. In diesem Jahr fand das dreitägige Festival auf dem Gelände der alten Zeilfelder Pumpenfabrik in Helmstedt statt. Die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartete eine Mischung aus Think Tank, Kreativcamp und Netzwerktreffen mit Workshops, Impulsvorträgen und jeder Menge Freiraum, um gemeinsam Ideen für die Zukunft der Region zu entwickeln.

Die Schöpfer des Festivals, das von der Allianz für die Region veranstaltet wird, kommen aus Braunschweig. Die beiden Designer Sarah Zerwas (32) und Kristof von Anshelm-Möller (35) haben das Konzept des Festivals entworfen, die Ideen ausgearbeitet, das Programm gestaltet und die Festivallocation ausgesucht. Gemeinsam betreiben von Anshelm-Möller und Zerwas die Agentur „von A und Z“. Ihr Arbeitsfeld ist das Inspirationsmanagement: Mit Designtechniken und Kreativmethoden unterstützen sie Menschen dabei, über die Zukunft nachzudenken und Ideen zu entwickeln. Genau darum geht es auch beim Festival der Utopie. Was die beiden genau vorhaben, verraten sie im Interview mit Braunschweig best choice.

Hallo Sarah, hallo Kristof, ihr habt das Festival der Utopie konzipiert. Worum geht es?

  1. Zerwas: Auf dem Festival der Utopie kommen 100 Menschen zusammen, um gemeinsam Ideen für die Zukunft unserer Region zu entwerfen. Der Themenschwerpunkt in diesem Jahr lautet „Gesellschaft. Wie wollen wir (zusammen) leben?“. Input zu unterschiedlichen Themenaspekten und Arbeitsmethoden liefern kurze Expertenvorträge und Workshops, regionale Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden ebenfalls vor Ort sein.
  2. v. Anshelm-Möller: Das Festival der Utopie ist als Gedankenfreiraum gedacht. Dieser Freiraum wird auch dadurch erreicht, dass wir uns ganz bewusst vom Umsetzungsdruck lösen, die Utopien müssen nicht realisiert werden. Unsere Erfahrungen aus den ersten beiden Festivals haben gezeigt, dass die Ideen und die Kontakte, die während des Festivals entstehen, viel wichtiger sind. Auf diese Weise sind zahlreiche neue Projekte und Kooperationen in der Region entstanden.

Was erwartete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

  1. v. Anshelm-Möller: Der Freitagnachmittag dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen und eine Festivalcommunity entstehen zu lassen. Dann gibt es unsere „Wissensduschen“: Wir haben Akteure eingeladen, die ihre eigenen kleinen Gesellschaftsutopien bereits verwirklicht haben oder aktiv daran arbeiten.
  2. Zerwas: Am Samstag lernen die Teilnehmer in den Workshops verschiedene methodische Zugänge zum Festivalthema kennen. Dann können Kommunikationsmethoden wie Improvisationstheater und Kreatives Schreiben oder LEGO® SERIOUS PLAY® und „Dragon Dreaming“ ausprobiert werden. Am Sonntag gibt es dann einen großen Ideen-Slam und ein Feuerwerk der utopischen Möglichkeiten.

Welchen Ansatz verfolgt ihr mit dem Festival der Utopie?

  1. v. Anshelm-Möller: Es geht uns um Ideen für eine bessere Gesellschaft, darauf bezieht sich ja der Begriff Utopie. Wir möchten nicht ein weiteres Mal die bekannten Probleme diskutieren, sondern wir stellen uns die Frage „Wie wollen wir leben?“. Das herauszufinden, ist zwar viel schwieriger, aber auch konstruktiver, denn wir entwickeln konkrete Handlungsziele.
  2. Zerwas: Teilnehmer von hier und aus ganz Deutschland bringen sich in das Festival der Utopie ein. Auf diese Weise sorgt das Festival auf der einen Seite für neue Impulse in der Region. Auf der anderen Seite sorgen wir mit dem Festival dafür, dass man auch in anderen Teilen Deutschlands auf das kreative Potenzial in unserer Region aufmerksam wird. Und das funktioniert: Immer mehr Menschen melden sich bei uns und möchten teilnehmen, das Festival der Utopie hat sich herumgesprochen.

Für das Festival nutzt ihr Leerstände, auch das aktuelle Festival findet wieder an einem verlassenen Ort statt. Warum?

  1. Zerwas: Ursprünglich bedeutet der Begriff Utopie „Nicht-Ort“. Das erste Festival hat in einer verlassenen Einkaufsstraße stattgefunden, das zweite auf einem ehemaligen Stahlhüttengelände. In diesem Jahr ist das Festival auf dem Gelände der alten Zeilfelder Pumpenfabrik in Helmstedt zu Gast. Das sind Nicht-Orte in dem Sinne, als dass sie im Bewusstsein vieler Menschen einfach nicht mehr vorhanden sind. Solche Situationen laden dazu ein, zu gestalten und Ideen zu entwickeln.

Wie seid ihr zum diesjährigen Themenschwerpunkt gekommen?

  1. v. Anshelm-Möller: Die Themen der beiden vergangenen Festivals, „Mobilität“ und „Zukunft der Arbeit“ waren sehr konkret. Diesmal trauen wir uns, die Utopien noch größer zu denken und gesamtgesellschaftliche Fragen zu stellen. Aber es gibt natürlich einen Fokus, eine Frage steht im Mittelpunkt: „Wie wollen wir (zusammen) leben?“.

Utopien werden schnell im Weltmaßstab gedacht. Warum sind Utopien auch und gerade im Kleinen sinnvoll?

  1. v. Anshelm-Möller: Das Thema Gesellschaft bezeichnet zwischenmenschliche Beziehungen und die finden eben direkt vor unserer Haustür statt. Unsere Region und ihre Menschen sind unser unmittelbarer sozialer Bezugspunkt. Deshalb macht es auch Sinn, genau hier anzusetzen, denn hier können wir schon mit kleinen Schritten sehr viel erreichen.
  2. Zerwas: Utopie ist für mich wie Träumen hoch zehn. Unsere Region hat einfach einen riesigen kreativen Entfaltungsspielraum und diese Spielräume erschließen wir mit dem Festival der Utopie.

Welche Rolle spielt Braunschweig für das Festival der Utopie?

  1. v. Anshelm-Möller: Braunschweig hat eine besondere Bedeutung für die Region und es ist sicherlich kein Zufall, dass das Festival von hier aus konzipiert und gestaltet wird. Aber Braunschweig bezieht auch einen Teil seiner wirtschaftlichen und kulturellen Stärke aus der Region und das ist umgekehrt genauso. Wir sind mit dem Festival in der Region aktiv, weil eine starke Region der Stadt einfach gut tut.

Sarah, Kristof, vielen Dank für das Gespräch!

 

Interview: Jan Engelken

 

 

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