Ein großes Erlebnis für kleine Forscher

Das Haus der Wissenschaft in Braunschweig ist bekannt für seine innovativen Veranstaltungsformate: der „Science Slam“, das „Braunschweiger Energiecafé“ oder „Logo – Wissenschaft aus Braunschweig“ füllen regelmäßig die Aula im dritten Stock des imposanten Backsteingebäudes mitten im Univiertel. Aber das Programm richtet sich nicht nur an Erwachsene: speziell für Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 14 Jahren gibt es in den Oster- und den Herbstferien die Veranstaltungsreihe Kiwi – Forschertage für Neugierige. An zwei Tagen können Kinder in die Welt der Wissenschaft schnuppern. Auf dem Stundenplan stehen Experimente, Seminare und Erkundungstouren – ganz nach Wunsch und Interesse, denn die Teilnehmer können sich ihre Lieblingsveranstaltungen selbst aussuchen.

Jan (12) mit Pinzette und pH-Papier. Foto: Jan Engelken

Jan (12) mit Pinzette und pH-Papier. Foto: Jan Engelken

Am 22. und 23. Oktober fand die diesjährige Herbstausgabe der Kiwi-Forschertage statt. 90 junge Kiwi-Forscher haben sich am Donnerstagmorgen in der Aula eingefunden, Tatendrang und Vorfreude liegen in der Luft. Begrüßt werden die Schüler von Rebecca Jeske, die beim Haus der Wissenschaft für die Forschertage zuständig ist. Das Betreuerteam stellt sich vor, es gibt letzte Infos zum Ablauf der Veranstaltung, ein Kennenlernspiel macht gute Laune und hilft, Kontakte zu knüpfen. Dann geht es los, die verschiedenen Gruppen machen sich auf den Weg. Gleich nebenan wartet beispielsweise das Naturhistorische Museum mit „Dinos und Fossilien“, am Institut für Werkstoffe der Technischen Universität Braunschweig wird die Frage beantwortet, „Warum (fast) alles kaputt geht“ und bei der ALBA Braunschweig GmbH wird „Recycling selbst gemacht“.

Ich habe mich für die Rubrik „Bauen und Experimentieren“ entschieden. Auf meinem Stundenplan stehen die Veranstaltungen „Von der Rübe zum Zucker“ im Agnes-Pockels-SchülerInnen-Labor und „Gewürze – so schmeckt die Welt“ in der Grünen Schule Braunschweig im Botanischen Garten.

Mareike (11) und Marie (10) führen ihrer Zuckerlösung Kalkmilch zu. Foto: Jan Engelken

Mareike (11) und Marie (10) führen ihrer Zuckerlösung Kalkmilch zu. Foto: Jan Engelken

Im Agnes-Pockels-SchülerInnen-Labor auf dem Hauptcampus der TU empfängt uns Olga Weigum-Merkel. Das Forschungsobjekt, die Zuckerrübe, liegt bereits auf dem Tisch des kleinen Seminarraums. Was ist eigentlich eine Zuckerrübe, welche Arten von Zucker gibt es und wodurch unterscheiden sie sich? Olga Weigum-Merkel fragt nach und die Finger flitzen nach oben, die Schüler sind gut vorbereitet. Wichtig für das folgende Laborexperiment: Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker und ihre grobe Molekülstruktur. Bevor es ins Labor geht, gibt es noch ein Stückchen Rübe zum Probieren. Das geht später im Labor natürlich nicht, hier sind Schutzbrille und Kittel vorgeschrieben, höchstens Riechen ist erlaubt. In Zweierteams wird dann aus der Rübe Zucker hergestellt. Auf einer Liste sind alle Werkzeuge und Arbeitsschritte vermerkt, Olga Weigum-Merkel und zwei Kolleginnen stehen den jungen Laboranten mit Rat und Tat zur Seite. Ich frage Mareike (11 Jahre) und Marie (10 Jahre), warum sie sich heute für das Labor entschieden haben. Warum nicht Recycling oder Gewürze? Ganz einfach: Mareike kennt die Zuckerrübe von ihren Großeltern auf dem Land und Marie interessiert sich jetzt schon besonders für Naturwissenschaften.

Grüne Schule, Station 1 (Spiel)_Die Reise entlang der Seidenstraße-Aufbruch ins Unbekannte. Foto: Jan Engelken

„Die Reise entlang der Seidenstraße“ Ein Spiel in der Grünen Schule. Foto: Jan Engelken

Währenddessen wird im Botanischen Garten die Welt der Gewürze erkundet. Eine Weltreise im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Spuren der verschiedenen Gewürze lassen sich über den ganzen Globus verfolgen. Für die Biologen, Geographen oder Gourmets der Zukunft gibt es eine Rallye auf der Seidenstraße, der historischen Handelsroute für Gewürze und andere Kostbarkeiten. Außerdem werden das Tropenhaus und der Bauerngarten erkundet. Nebenan gibt es Kakao nach Art der Azteken zu probieren, die südamerikanischen Indios kannten die Pflanze bereits seit dem 14. Jahrhundert. Darüber hinaus auf dem heutigen Speiseplan: eine Prise Curry und eine Prise Zimt, einmal mit geschlossener Nase probiert und dann ganz normal. Der Unterschied? Bemerkenswert, probieren Sie es aus!

Ausprobieren, mitmachen, gemeinsam lernen und Spaß haben: das ist das Erfolgsrezept der Kiwi-Forschertage in Braunschweig – und es funktioniert nicht nur bei Kindern!

Text und Fotos: Jan Engelken

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