„Eigentlich wollen die Leute bei uns lachen“

Heute wirkt es fast so, als wäre die Komödie am Altstadtmarkt schon immer da gewesen, dabei ist Braunschweigs einziges vollkommen nichtsubventioniertes Privattheater vergleichsweise jung. Am 2. Oktober 2003 wurde das Haus in den ehemaligen Räumen des Lupe-Kinos in der Gördelinger Straße eröffnet.

Braunschweig statt Nürnberg

Dass es zu diesem Lückenschluss im Boulevard-Fach gekommen ist und  Fans der eher leichteren Theater-Muse nun eine Anlaufstelle haben, war schon ein bisschen glückliche Fügung. „Der Beweggrund war in erster Linie vollkommen egoistisch: Ich wollte einfach ein eigenes Theater haben“, erzählt Theaterleiter Florian Battermann schmunzelnd. „Dass es Braunschweig wurde, hat sich erst mit der Zeit herauskristallisiert. Ich war vorher drei Jahre an einem Privattheater in Bonn als stellvertretender Theaterleiter tätig. Irgendwann haben meine damalige Frau und ich ernsthafter geguckt: Wo gibt es denn eine Stadt mit mindestens 250 000 Einwohnern, in der es noch kein privates Unterhaltungstheater gibt? Diese Größe – so hatten wir kalkuliert – musste die Stadt haben, wenn man keinerlei öffentliche finanzielle Unterstützung bekommt.  Zwei Städte blieben übrig, das waren Nürnberg und Braunschweig, und da war uns als gebürtige Niedersachsen Braunschweig näher als Oberfranken.“

Die kurze Suche

Gesehen und für gut befunden: Aus dem ehemaligen Kino wir die Komödie am Altstadtmarkt. Foto: André Pause

Gesehen und für gut befunden: Aus dem ehemaligen Kino wird die Komödie am Altstadtmarkt. Foto: André Pause

Ganz unbekannt war Braunschweig dem Hannoveraner Florian Battermann ohnehin nicht. Um besser herauszufinden, wie die Stadt tickt, aber auch um zu gucken, wo es unter Umständen leerstehende theaterkompatible Ladenlokale gab, hat sich der Theaterleiter eines Sonntagmorgens Anfang der Nullerjahre gemeinsam mit einem Freund ins Auto gesetzt, und ist nach Braunschweig gefahren. Wie es der Zufall wollte, wurde in der Gördelinger Straße geparkt. „Wir sind einfach der Beschilderung ‚Zentrum’ gefolgt und gleich hier gelandet. Mein Freund sah dann dieses Kino und sagte gleich, dass das doch toll wäre, mit diesen Arkadenbögen. Da meinte ich nur: ‚Gerd, spinn nicht rum, da ist ein Kino drin. Warum sollen die das denn räumen für ein Theater.‘ Aber genau das wurde es dann drei Jahre später. Insofern glaube ich heute nicht mehr an Zufälle“, lacht Battermann.

In drei Monaten von der Lupe zur Komödie

In nur drei Monaten wurde aus einem Kino ein Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

In nur drei Monaten wurde aus einem Kino ein Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Als der frühere Kinobetreiber Flebbe das Lupe-Kino einstellte, konnte der zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 29-jährige Theaterenthusiast Vermieter und Bank von seinem Konzept des Boulevardtheaters überzeugen „So haben wir 250 000 Euro Existenzgründungsdarlehn bekommen, was viel ist, wenn man es nicht hat, aber natürlich nicht viel ist, wenn man ein Theater aufmachen will. Nach drei Monaten Umbauzeit haben wir dann eröffnet“, erinnert sich Battermann, der es bis heute als geschäftlichen Vorteil betrachtet, kein Ur-Braunschweiger zu sein. „Hier habe ich mittlerweile zwar immer den Blick des Dazugehörigen – und ich käme auch überhaupt nicht auf die Idee, wieder nach Hannover zu ziehen, weil ich mich hier sauwohl fühle – aber natürlich bin ich hier nicht geboren und aufgewachsen, nicht sozialisiert worden. Ich kenne eine Menge Leute, aber erst jetzt, und nicht seit dem Kindergarten. Das ist gut, weil man das Ganze nicht ganz so emotional belastet sehen kann.“

Solide Entwicklung und stetige Investitionen

In den dreizehn Jahren ihres Bestehens hat sich die Komödie am Altstadtmarkt bestens entwickelt. Dabei brachte das Publikum dem jungen Theaterleiter und seinem Team von Beginn an großes Vertrauen entgegen. Noch in der Umbauphase – drei Monate bevor überhaupt sichtbar war, dass ein Theater entsteht – wurden die ersten Abos verkauft. Zur Eröffnung hatten bereits 80 Komödienfans ein Spielzeitticket. Im Schnitt vergrößerte sich das Stammpublikum mit jeder Saison um 100 Besucher, so dass jetzt rund 1.400 Abonnenten regelmäßig in das Haus in der Gördelinger Straße kommen. Dafür sind inzwischen acht feste Vollzeitmitarbeiter in den Bereichen Büro, Kasse und Organisation für das Theater tätig sind. „Zumindest das erste Jahr haben ich ja wirklich alles alleine gemacht. Ich frage mich heute manchmal, wie ich das geschafft habe. Zumal ich damals auch schon nebenbei gespielt und inszeniert habe. Wahrscheinlich geht das auch nur mit 30, und dann maximal für ein Jahr oder so“, erinnert sich der Theaterleiter.

Der Publikumsgeschmack ist Verpflichtung

307 Plätze fasst das Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

307 Plätze fasst das Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Da die Komödie am Altstadtmarkt vollkommen ohne öffentliche Subventionen existiert, finanziert sich das Theater ausschließlich über den Verkauf von Eintrittskarten sowie durch die pro Saison etwa 100 bis 150 deutschlandweiten Gastspiele der Braunschweiger Eigenproduktionen, die von Westerland auf Sylt bis Singen am Bodensee erfolgreich unterwegs sind. Hinzu kommen Koproduktionen mit anderen namhaften deutschen Tourneetheatern. Die vielfältige und geschickte Auswertung der Eigenproduktionen ist ein Baustein zur langfristigen Sicherung der Existenz des Theaterhauses. Ein zweiter ist die Treffsicherheit in Sachen Publikumsgeschmack. „Natürlich ist die Ausrichtung nicht mehr wie vor dreizehn Jahren, aber sie wir auch in dreizehn Jahren nicht mehr so sein wie heute. Der generelle Anspruch, dass wir die Leute unterhalten wollen, ist allerdings gleich geblieben. Eigentlich wollen die Leute bei uns lachen“, betont Battermann.

Das Programm

Bis zum 9. Juni ist in der Komödie am Altstadtmarkt noch die Produktion „Ziemlich beste Freunde“ zu sehen. Nach der Fußball-EM-Sommerpause wird vom 12. Juli bis zum 27. August das Stück „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ gezeigt. Die kommende Spielzeit, für die der Aufführungsbeginn auf vielfachen Publikumswunsch von 20 Uhr auf 19.30 Uhr vorverlegt wurde, startet am 1. September traditionell mit der Familie Malente aus Hamburg, die dieses Mal eine 60er-Jahre-Schlagershow präsentiert. Und im Comedy-Thriller „Gänsehaut“ präsentiert sich zum ersten Mal überhaupt Klimbim-Star Ingrid Steeger dem Braunschweiger Publikum. Alle weiteren Infos zum Programm gibt es im Internet unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.

Text: André Pause

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