Das LOT-Theater – Plattform für neue Entwicklungen

Wer neu in unserer Stadt ist, und das erste Mal das LOT-Theater in der Kaffeetwete besucht, wird sich fragen, was in drei Teufelsnamen die drei großen Buchstaben im Namen zu bedeuten haben. Deshalb sei gleich zu Beginn dieses Artikels die Auflösung spendiert: LOT steht als Kurzform von „La Otra Orilla“, was aus dem Spanischen übersetzt „Das andere Ufer“ heißt, und rückblickend womöglich als „Auf zu neuen Ufern“ interpretiert werden darf.

Die Ursprünge des Theaters

Eine freie Gruppe im Braunschweig der 80er Jahre hat sich diesen exotischen Namen gegeben, um modernes Theater zu machen: zeitgenössisch, körperorientiert, anders. „Damals waren noch Punkte zwischen den Buchstaben. Eine Mode der Zeit. Die sind dann irgendwann weggefallen“, erinnert sich Martin von Hoyningen Huene, der das Theaterhaus seit 2009 gemeinsam mit seiner Partnerin Stefani Theis als geschäftsführender Vorstand leitet, schmunzelnd. Unterstützt worden seien die Ambitionen des Ensembles von Thomas Lang, dem damaligen Leiter des Theaterspielplatzes, der heute das Haus Drei des Jungen Staatstheaters ist. Geprobt und zeitweilig auch gespielt wurde in der Petersilienstraße – bis 1996 das Haus in der Kaffeetwete eröffnete. Da aber habe es die Gruppe, zu der unter anderem auch Braunschweiger Theatergrößen wie Elke Utermöhlen und Dieter Krockauer gehörten, in der ursprünglichen Form schon nicht mehr gegeben, so Hoyningen Huene.

Das LOT Theater befindet sich in einem Hinterhof in der Kaffeetwete. Foto: André Pause

Das LOT Theater befindet sich in einem Hinterhof in der Kaffeetwete. Foto: André Pause

Ort für zeitgenössische Theaterformen

Heute ist das LOT-Theater ein Gastspielhaus, sowohl für freies Theater aus Niedersachsen und darüber hinaus als auch Veranstaltungsort für die regionale Kulturszene. Als Ort für zeitgenössische Theaterformen bietet es freien Gruppen und Künstlern und talentiertem Nachwuchs vielfältige Produktions- und Präsentationsmöglichkeiten. Das LOT versteht sich als Plattform für neue Entwicklungen in den Bereichen Theater, Tanz, Musik und Performance. Diese klare Trennung zwischen Gastspielhaus und Produktionsstätte habe es nicht immer gegeben, so Stefani Theis: „Es war mal eine sehr überschaubare Anzahl an Gruppen, die hier geprobt und ihre Vorstellungen gespielt haben. Mittlerweile gibt es aber einen kontinuierlichen Spielbetrieb.“ Fanden vor dem Leitungswechsel in der Regel jährlich etwa 70 bis 80 Vorstellungen statt, in guten Jahren vielleicht mal 100, so seien jetzt 150 bis 170 der Normalfall.

Neue freie Gruppen, neue Zuschauer

Wie wurde das geschafft? „Wir haben versucht das LOT seit unserem Antritt immer weiter zu professionalisieren, Strukturen und damit eine Klarheit geschaffen, was das Haus an Diensten leistet, für die Leute, die sich hier einmieten und hier spielen. Wir haben versucht, den freien Gruppen den Zugang zu erleichtern und attraktiv zu machen. Das betrifft grundsätzliche Dinge wie Sauberkeit, aber auch die Gastronomie und vor allem die Öffentlichkeitsarbeit. Da haben wir die Verteilung übernommen. Das war vorher nicht so. In diesem Zuge haben wir auch versucht neue Zuschauerschichten zu erwischen, denn das Publikum war mit den Gruppen älter geworden“, skizziert Martin von Hoyningen Huene, dessen persönlicher Kontakt zum LOT über das regelmäßig im

Haus gastierende, inklusive Theater Endlich der Evangelischen Stiftung Neuerkerode zustande kam, bei dem der heutige Vorstand seit 2001 mitwirkt.

Nicht alles habe man geändert oder neu erfunden. Beliebte Formate wie der Poetry Slam oder der Spielklub waren schon vorher da und wurden beibehalten. Das Konzept mit Spielreihen wie dem regelmäßig ausverkauften „Drecksklub“ wurde unterdessen weiter ausgebaut. Die positive Atmosphäre, die Offenheit des Theaters für Neues sprach sich nach und nach herum.

Großer Andrang: Das LOT hat sich neben dem Staatstheater einen Namen gemacht. Foto: André Pause

Großer Andrang: Das LOT hat sich neben dem Staatstheater einen Namen gemacht. Foto: André Pause

Verbesserte Wirkung in die freie Szene

Viel bewegt wurde bis dato auch in der Nachwuchsförderung. Jungen Theatergruppen – die nicht selten aus dem Umfeld der Universität Hildesheim oder dem Studiengang Darstellendes Spiel an der HBK entstammen – wurde es ermöglicht, im LOT ihre ersten Produktionen zu machen. „Aus der niedersächsischen Szene sind verstärkt Gruppen an uns herangetreten. Diese Kontakte (unter anderem: Fräulein Wunder AG, Turbo Pascal oder Markus & Markus) haben wir versucht zu halten, und dann auch gezielt gefragt: Was gibt es noch Spannendes, wen würdet Ihr empfehlen?“, erklärt Stefani Theis den Rekrutierungsprozess. Nun funktioniere das Haus in der Wahrnehmung der Szene, sei etabliert. Geschärft wurde das Profil durch die Nachwuchsreihe frühSTÜCK, die Interkulturelle Theaterwerkstatt, die Kinder- und Jugendtheatertage, die Förderung des Tanztheaters, das in diesem Jahr erstmals veranstaltete Festival Durchstarter Niedersachsen und nicht zuletzt durch das 2013 ausgegründete Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) in der Petersilienstraße.

Engere Bindungen und mehr Personal

Diese programmatischen Neuerungen schlagen sich im Personalbedarf des Hauses nieder. Bis 2009 habe es anderthalb Stellen im LOT gegeben. „Jetzt sind es zehn. Allein daran kann man festmachen, dass es einen Bedarf gab, die Gruppen zu betreuen. Dazu kommt ein Team von Studenten, die sich mit dem Haus immerhin so eng verbunden fühlen, dass sie hier Abenddienste übernehmen, die Veranstaltungen oder die Gruppen betreuen. Letztlich sind hier um die 20 Leute aktiv“, erzählt Martin von Hoyningen Huene nicht ohne Stolz.

Zur Festigung des Status Quo in Zukunft möchten er und Stefani Theis, die sich einst an der Schauspielschule Köln kennengelernt haben und derzeit freiberuflich auf Projektbasis arbeiten, die Geschäftsführung des Theaters auf neue Beine stellen. Im Sinne der Zukunftssicherheit soll dafür gesorgt werden, dass ein Geschäftsführer angestellt und bezahlt werden kann. „Es ist ja auch aus Gründen der Transparenz keine schlaue Idee, einen geschäftsführenden Vorstand zu haben. Wer soll uns den hier kontrollieren? Es braucht einfach eine Kontrollinstanz“, betont Theis, die im kommenden Jahr einen Nachfolgeprozess starten möchte, „weil ich in drei Jahren hier raus bin“. Und als lustiges Ehrenamt ließe sich die Stelle eben nicht ausschreiben.

Stefanie Theis und Martin von Hoyningen Huene beim Interview. Foto: André Pause

Stefanie Theis und Martin von Hoyningen Huene beim Interview. Foto: André Pause

Einfach wird diese Aufgabe nicht zu lösen sein. Die strukturellen Fördermittel von Stadt und Land decken schließlich nicht einmal 50 Prozent der anfallenden Fixkosten. Und so geht die Reise zu neuen Ufern in der Kaffeetwete auf eine bestimmte Art und Weise weiter. Umso bemerkenswerter, was hier bislang erreicht wurde. Dass das LOT kein Elfenbeinturm der Hochkultur ist, sondern ein Ort zum Hingehen, hat sich längst herumgesprochen. Für spannende Produktionen ist derweil gesorgt.

Informationen unter www.lot-theater.de.

Text und Fotos: André Pause

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