Nicht für alle das Gleiche, sondern für jeden das Beste

Von der Grundschule bis zum Gymnasium, von der International School bis zur musischen Akademie: Das CJD Braunschweig ist ein staatlich anerkannter Bildungsträger in freier Trägerschaft und international renommierter Vorreiter im Bereich der Hochbegabten-Förderung. Rund 2.400 junge Menschen aus über 28 Nationen werden jährlich an den Braunschweiger Standtorten individuell nach ihren Begabungen gefördert.

Ursula Hellert, Leiterin des CJD.

Ursula Hellert, Leiterin des CJD.

„Wir nehmen Kinder nach Begabung auf. Denn Leistung ist etwas anderes als Begabung. Begabung ist eine Ressource, Leistung ein Ergebnis. Und ob aus Begabung eine Leistung wird, dazwischen steht eine ganze Menge“, beschreibt Ursula Hellert die Philosophie des CJD Braunschweig. Die Oberstudienrätin ist Leiterin der Braunschweiger Einrichtungen des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands. Das weit verzweigte Jugend-, Bildungs- und Sozialwerk bietet jungen Menschen Ausbildung, Förderung und Unterstützung in ihrer aktuellen Lebenssituation.

„Ende der 70er Jahre war die Chance sehr klein, als Lehrerin im staatlichen Schulwesen etwas zu verändern, es zu erneuern und zu gestalten. Für eine neu gegründete Schule in freier Trägerschaft boten sich hingegen viele Möglichkeiten“, erinnert sich Hellert an ihren Berufsanfang. Und diese Chance nutzte sie, als sie kurz nach dem Staatsexamen am 1977 gegründeten CJD Braunschweig ihre Lehrtätigkeit aufnahm. Und immer, wenn etwas Neues entsteht, sind Menschen, die gestalten möchten, schnell in Verantwortung. So übernahm sie 1992 die Schulleitung und ist inzwischen für die gesamte Region Niedersachsen Südost mit über 550 Mitarbeitern zuständig.

Begabtenschule mit angeschlossenem Internat: das CJD Braunschweig.

Begabtenschule mit angeschlossenem Internat: das CJD Braunschweig.

„Wenn man junge Menschen nach Begabung fördert, muss man ihnen auch klarmachen, dass man Noten hauptsächlich für Leistung bekommt“, erklärt die Schulleiterin. „Für bloße Begabung bekommt man weder ein gutes Abitur noch einen erfüllenden Beruf und erst recht kein glückliches Leben. Das ist alles auf der Leistungsseite, im Beruflichen wie im Privaten.“ Um die Talente der Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu erkennen, durchlaufen sie ab der fünften Klasse eine hochdifferenzierte Begabungsdiagnostik – jedoch nicht, um zu selektieren, sondern um für alle das passende Lernprogramm zu finden. Dabei erhält jeder einen Förderplan mit dem Ziel einer möglichst umfassenden Differenzierung und Individualisierung.

Eine der Gymnasialklassen. Hier werden Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Begabung unterrichtet.

Eine der Gymnasialklassen. Hier werden Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Begabung unterrichtet.

Und das beginnt schon in der Grundschule: Die Hans-Georg-Karg-Schule folgt als Ganztagsschule der Montessori-Pädagogik mit einer Mischung der vier Jahrgangsstufen. Erstklässler lernen also gemeinsam mit Viertklässlern. Auf diese Weise können schwächere Schüler den Stoff wiederholen und stärkere Schüler schneller lernen, ohne aus ihrer Umgebung gerissen zu werden. Zugleich wird mit verschiedenen Maßnahmen ein selbständiges, verknüpftes Arbeiten gelehrt: So gibt es jeden Mittwoch einen „lebenspraktischen Tag“. Fernab vom klassischen Schulstoff werden ohne Stundenplan Themen aus dem Bereich Sachkunde in Projektform bearbeitet, verknüpft mit außerschulischen Lernorten und Exkursionen. Die Schüler müssen Busfahrzeiten herausfinden, Ablaufpläne erstellen, die Kasse führen oder eine Präsentation vorbereiten.

Die Christophorusschule ist das Gymnasium und eine Ganztagsschule mit angeschlossenem Internat, denn ihre rund 850 Schüler kommen aus ganz Deutschland. Die Gründungseinrichtung des CJD Braunschweig zeichnet neben der differenzierten Begabungsdiagnostik eine starke Einbindung der Eltern in die Unterrichtsgestaltung aus. Für gymnasial begabte Schüler mit Lernproblemen gibt es in der fünften und sechsten Klasse zudem Projektklassen, in denen Lehrer und Erzieher gemeinsam individuelle Trainings zur Entfaltung der gymnasialen Fähigkeiten anbieten, darunter grundlegende Rechtschreib- und Lesetrainings. „Lesen und Rechtschreibung ist kein Teil von Intelligenz. Man kann sehr begabt sein aber kaum schreiben können“, weiß Ursula Hellert. Die Erfolgsquote des CJD ist hoch, und so werden die Maßnahmen auch von den Jugendämtern gefördert.

Blick ins Klassenzimmer der höheren Stufen.

Blick ins Klassenzimmer der höheren Stufen.

Auf der anderen Seite bietet man Hochbegabten im Oberstufenbereich sogenannte Exzellenzkurse an. Darin konfrontieren sich die Schüler freiwillig mit einem stark erweiterten Lernprogramm. Fällt ein Schüler aus einem Kurs oder geht freiwillig, weil er sich zu viel zugemutet hat, landet er ohne Abiturgefährdung wieder in einem normalen Leistungskurs. Kompetenzkurse mit externen Spezialisten wie Wissenschaftlern oder Journalisten sowie eine ständige Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen wie der New Yorker Musischen Akademie runden das Bildungsangebot des CJD Braunschweig ab. Und die Ergebnisse sprechen für sich: Der Abiturschnitt am CJD ist zum wiederholten Mal in Folge um 0,3 besser als der Niedersächsische Landesdurchschnitt.

Dazu tragen auch das interne und externe Qualitätsmanagement bei. Seit 1999 stellt sich das CJD erfolgreich der Zertifizierung nach Dienstleister-Norm, bei der man den Bildungsträger regelmäßig auf Herz und Nieren prüft. Intern betreibt man präzise Schüler- und Mitarbeiterbefragungen mit Diskussionsrunden, Maßnahmenplänen und Zielvereinbarungen. „Wenn man nur die typischen Mechanismen eines Schulbetriebes hat, ist es schwierig, seine Entwicklung zu kontrollieren und am Ende zu wissen, was man tut und wie man es gut macht“, fasst Hellert zusammen. „Wir begreifen schulische Entwicklung als einen fortschreitenden Prozess. Instrumente dafür zu entwickeln und diese Entwicklung zu verstetigen, ist uns ein zentrales Anliegen“.

 

Text: Stephen Dietl

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