Die Stadtfinder

Kunst mit Currywurst

Im Rahmen des Lichtparcours 2016 erfährt der John-F.-Kennedy-Platz nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine kulinarische Aufwertung: Die Installation des Frankfurter Bildhauers Tobias Rehberger ist als Imbiss konzipiert und wird in den kommenden drei Monaten auch tatsächlich als solcher genutzt – kulturelles Rahmenprogramm inklusive.

„Ich habe meine Installation bewusst im Niemandsland platziert. Die große Verkehrskreuzung ist ja alles andere als einladend, quasi ein Un-Ort“, stellt Rehberger fest. „Daher fand ich es ganz passend, dass dort eben etwas entsteht, was zum geistigen und leiblichen Wohl beiträgt und den Platz belebt.“ Der Künstler, seit 20 Jahren auch international erfolgreich und Professor der renommierten Frankfurter „Städelschule“, greift mit der namensgebenden Leuchtwerbung die Neonreklame an der gegenüberliegenden Hausfassade auf: „Da steht einfach ‚Sepp u. Suse‘. Dieses Objekt ist fast abstrakt in seinem Auftreten. Man weiß erst gar nicht, wie man es zuordnen soll. Dieses Abstrakte wollte ich ins Konkrete überführen. Dabei habe ich zwei Buchstaben ausgewechselt, es wurde ‚Bei Pess u. Puse‘. Und das klingt einfach nach Kneipe oder Imbiss.“

Bei der Formgebung ließ sich Rehberger von der Konzerthalle „Casa da Musica“ des niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas in Porto inspirieren, auch sie ein Ort der Zusammenführung von Hochkultur mit dem Alltäglichen und Volkstümlichen: „Ich beziehe mich auf ein funktionales Gebäude, das zugleich hochkulturell und von der Architektur her sehr intellektuell ist. Durch Verziehen und Dehnen seiner ursprünglichen Formen habe ich es in meine Vision eines Kunst-Imbisses übersetzt.“

Aufbau des Pavillons im Juni 2016. Foto: Stephen Dietl

Aufbau des Pavillons im Juni 2016. Foto: Stephen Dietl

Den Zuschlag für die in einem Wettbewerb ausgeschriebene technische Umsetzung des Projektes erhielt eine Berliner Messebaufirma. Wochenlang tüftelten die Profis an der verwinkelten Konstruktion aus Holz und Kunststoff, ehe sie den drei Tonnen schweren Brocken wieder in seine Einzelteile zerlegten und nach Braunschweig transportierten. Mehrere Tage benötigte das zwölfköpfige Team anschließend für den Aufbau des leuchtenden Kunstimbisses am John-F.-Kennedy-Platz, ehe am 11. Juni schließlich die blauen und gelben Lichter angingen – ausgesandt von tausenden Leuchtdioden in einem hochkomplexen Schaltkreis innerhalb der nach außen hin transparenten Doppelumwandung. Der Clou: Das Innere des Kunstwerkes ist mit Kochnische, Arbeitsfläche, Kühlschrank und Waschbecken ausgestattet. „Ich hoffe, dass mein Werk gut bewirtschaftet und somit auch von innen heraus ernst genommen wird“, so der Künstler, der auch schon an der HBK Braunschweig gastierte und bereits beim zweiten Lichtparcours im Jahr 2004 mit einer Position vertreten war.

Und für die angemessene Bewirtschaftung ist gesorgt: Alle vierzehn Tage präsentiert die kreativ-kulturelle Initiative „Die Stadtfinder“ samstags von 20:00 bis 22:00 Uhr Kultur und Kulinarisches in und an der Lichtinstallation auf der Wiese am John-F.-Kenney-Platz. Ein sommerliches Chillout-Programm für Leib und Seele – das Mitbringen von Picknick-Decken wird empfohlen. Den Auftakt machen am 9. Juli der Poetry Slammer Dominik Bartels und die Petite Crêperie. Eintritt frei!

Text: Stephen Dietl
Foto: Bei Pess u. Puse: Eröffnung des Lichtparcours am Kunstwerk von Tobias Rehberger. Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen