Freizeit

Sportlich, sportlich! Die beliebtesten (Vereins-)Sportarten der Braunschweiger

Am 22. Februar war es wieder soweit, die Sportmedaille der Stadt Braunschweig, die höchste Sportlerehrung der Stadt, wurde vergeben. Freuen über den Titel „Braunschweiger Meister des Sports 2016“ dürfen sich André Breitbarth (Judoka und Olympiateilnehmer), Nina Anastasova (Trainerin Rhythmische Sportgymnastik MTV Braunschweig), Liviu Calin (Trainer Niedersächsischer Basketballverbandes, Co-Trainer Erstliga-Basketballlöwen) sowie Norbert Rüscher (Präsidium Stadtsportbund Braunschweig e.V.).

Herausragende Sportlerpersönlichkeiten und erfolgreiche Teams wie Eintracht Braunschweig, die Basketballlöwen, New Yorker Lions oder die Tänzerinnen und Tänzer des BTSC zeigen: Braunschweiger lieben ihren Sport und sind stolz darauf. Aber Braunschweig ist nicht nur eine Stadt des Profi- und Amateursports – auch der Hobby- und Breitensport hat seinen festen Platz in der Löwenstadt. Der Vereinssport legt nicht nur die Grundlage für nationale und internationale Spitzenleistungen, sondern sorgt für geselligen Freizeitspaß, Abwechslung vom Arbeitsalltag, Fitness und Gesundheit.

Das Sportangebot stimmt und die Braunschweiger Sportstätten sind für die Bürger der Stadt gut erreichbar. Das ist das Ergebnis einer Studie der Deutschen Sporthochschule Köln, die 2015 die Bewegungsfreundlichkeit in deutschen Großstädten untersuchte. Damit das Sportangebot noch besser wird und zielgerichtet am Bedarf der Bürger orientiert werden kann, wurde im Juni letzten Jahres der „Masterplan Sport 2030“ vom Rat der Stadt beschlossen. Unter Beteiligung der Braunschweiger Bürger wurde ein Maßnahmenpaket beschlossen, dass unter anderem den Bedarf von Kindern, Senioren und Behinderten an geeigneten Sportangeboten besonders berücksichtigt. Außerdem sollen die Sportmöglichkeiten im öffentlichen Raum ausgebaut und die Belegung vorhandener Sportplätze und -hallen effizienter gestaltet werden.

Für die Zukunft des Hobby-, Amateur- und Spitzensports in der Löwenstadt ist also gesorgt. Aber wie sieht es jetzt aus? Wie viele Braunschweiger sind Mitglied in Sportvereinen? Welche Disziplinen sind besonders beliebt, welche haben den größten Mitgliederzuwachs? Auskunft darüber gibt das aktuelle Statistische Jahrbuch 2016 der Stadt Braunschweig, es enthält die wichtigsten Daten zu allen Belangen der Stadtentwicklung.

Auch hier ist gleich zu Anfang ein positiver Trend zu verzeichnen: Die Mitgliederzahl aller im Stadtsportbund Braunschweig organisierten Vereine umfasste 2015 60.262 Personen. Damit ist nicht nur ein Viertel der Braunschweiger Bevölkerung Mitglied in einem der 226 Sportverein – es wurde auch die höchste Mitgliederrate seit zwanzig Jahren erreicht. Ebenfalls ansteigend: Die Anzahl von Mitgliedern in Sportvereinen unter 18 Jahren. Mit 19.946 Mitgliedern ist hier ein neuer Spitzenwert erreicht, der in eine sportlich-gesunde Zukunft weist. Surfen im Netz statt Schwitzen auf dem Sportplatz? Online-Gaming statt Vereinssport? – Nicht in Braunschweig!

De Vereinssport ist also nach wie vor beliebt bei den Braunschweigern, aber welche Sportart ist hier besonders angesagt? Alle Eintracht-Fans müssen jetzt tapfer sein … denn es ist nicht der Fußball. Das Turnen ist mit über 15.000 Vereinsaktiven die beliebteste Sportdisziplin in Braunschweig. Vor dem Fußball mit knapp 13.000 vereinsaktiven Spielern, der allerdings – hier darf sich der Braunschweiger Kickerfreund wieder freuen – mit einem Zuwachs von über 1.000 Vereinsmitgliedern im Vergleich zum Jahr 2012 ein fettes Plus verzeichnen kann.

Unter Braunschweigs beliebtesten Sportarten kann nur das Schwimmen seit 2012 einen größeren Mitgliederzuwachs ausweisen. 2016 waren 3.478 Braunschweiger Mitglied in Schwimmvereinen, das heißt Bronze im Wettstreit der beliebtesten Sportarten in Braunschweig. Es folgen Tennis mit 2.659, Schießsport mit 2.504 und Skilauf mit 2.481 in Vereinen organisierten Sportlern. Platz sieben ging 2016 an die Leichtathletik (2.383), gefolgt vom in der Löwenstadt traditionell starken Tanzsport (1.936). Auch die Leichtathletik legt im Vergleich zu 2012 etwas zu, prozentual wachsen auch Golf und Judo deutlich in der Beliebtheit (2016 insgesamt 1.024 bzw. 770 Vereinsmitgliedschaften).

Fazit: Sport gehört zu einem gesunden Leben – und zu Braunschweig. Das Angebot der Sportvereine trägt zur hohen Lebensqualität in Braunschweig bei und vervollständigt die optimale Kombination aus Karrierechancen, Familienleben, Freizeitmöglichkeiten und Kulturangeboten in der Löwenstadt.

Text: Jan Engelken

 

 

Ganz in der Nähe: Das Winterwonderland Harz

Einer der vielen Gründe, warum Braunschweig eine hohe Lebensqualität hat, ist die Lage: schnell in Berlin, schnell in Hamburg, schnell im Urlaubsparadies Harz. Dreißig Minuten Autofahrt, schon befindet man sich mitten im Harz. Und weil der Schnee in diesem Winter hier unten in der Löwenstadt nicht so richtig liegen bleiben will, geht es für mich heute ins Winterwonderland: Mit insgesamt 52 Skigebieten, 708 Kilometer Skiloipen, 35 Rodelbahnen und noch mehr Winterwanderwegen ist der Harz ein echtes Winterparadies.

Auf der Suche nach Schnee und nicht ganz so viel Wintersportleransturm wie in Torfhaus oder auf dem Wurmberg, steuere ich das Örtchen Drei Annen Hohne an. In der Nähe des Bahnhofes und direkt gegenüber des Parkplatzes „Zum Hirschbrunnen“ führt ein Weg zur Hohneloipe, dem Hohnehof und verschiedenen Wanderwegen Richtung Brocken oder Werningerode.

Schneespaziergang_Hohnehof

Auch hier ist der Andrang groß, doch sind vor allem Familien mit Kindern hier, die den kleinen Rodelberg zwischen Parkplatz und Hohnehof ansteuern. Die ersten Familien sind reisen am frühen Mittag ab, so dass ich schnell einen Parkplatz ergattere. In einer Menschentraube überquere ich die Schienen der in der Ferne tutenden Schmalspurbahn und bin wohl die einzige, die keinen Schlitten hinter sich herzieht.

Ich aber bin zum Schneewandern hergekommen und lasse den Hügel hinter mir liegen. Gleich wird es einsamer um mich, je weiter ich vorangehe, desto weniger Wanderer kreuzen meinen Weg. Der Schnee knarrt und knirscht unter den Wanderschuhen, die Tannen ächzen unter der Schneelast und die kalte, klare Luft erweckt meine Glieder – ich spüre, wie das Glück in mir hinaufsteigt.

Schneespaziergang_Allee

Ich entscheide mich für den Wanderweg zur Steinernen Renne. Dort gibt es ein Gasthaus, das ich noch aus dem Sommer kenne und wo ich eine Rast einlegen möchte. Gemütlich stapfe ich durch den Schnee, vorbei geht es an Felsformationen, durch hochgewachsenen Tannen und kleinen Schneeverwehungen. Der Weg ist gemütlich, meistens breit, nur manchmal muss ich mich unter tiefhängende Äste ducken.

Schneespaziergang_Hohnefelsen

Am Gasthaus angekommen, bewundere ich zunächst die Aussicht über die schneebedeckten Bäume und auf den zugefrorenen Fluss unter mir und der Außenterrasse. Als mir kalt wird, bestelle ich drinnen ein Stück Kuchen und eine große heiße Schokolade. Hmmm, wie das duftet.

Gestärkt geht es zurück, am Ottofelsen entlang in Richtung Drei Annen Hohne. Ständig begleitet mich auf meiner kleinen Wanderung das Knirschen des Schnees und der wunderbare Waldduft, der sich mit der Winterluft vermischt.

Schneespaziergang_Gräser

Ich bemühe mich, einen anderen Weg zu gehen, als auf dem Hinweg – was dank der ausführlichen und dichten Wegbeschreibungen im Harz gut gelingt. Nach gut vier Stunden – die Pause an der Steinernen Renne nicht mitgerechnet – bin ich zurück in Drei Annen Hohne. Plötzlich tönt es durch den Wald: tuut tuuhuut! Der Dampf der Lokomotive steigt über die Tannenwipfel auf, die historische Harzerquerbahn ist ganz nah – und doch zu weit entfernt als dass ich einen Blick daauf erhasche. So endet ein Wintertag im Harz mit einem neuen Ansporn: die Harzerquerbahn fotografisch festzuhalten.

Text und Fotos: Redaktion

Das KULT bietet intime Theatererlebnisse und Künstler zum Anfassen

Kennen Sie Das KULT? Um begrifflichen Missverständnissen vorzubeugen: Die Kurzform von Kultstatus soll ebenso wenig Thema dieser Zeilen sein, wie eine sonst wie geartete Götterverehrung. Hier geht es um das laut Selbstauskunft noch immer kleinste Theater Braunschweigs, das seinen Namen aus programmatischer Entsprechung trägt. KULT steht in diesem Fall für Kunst, Unterhaltung, Literatur und Theater. Und seien wir doch mal ehrlich: Das KULT geht doch wesentlich flüssiger über die Lippen als Das LUKT, Das ULKT oder Das TULK. Nachhaltig im Oberstübchen haften bleibt es sowieso, und last but not least wird eine durchaus sachdienliche etymologische Nähe zum Begriff Kultur suggeriert.

Vom Hagenmarkt zum Schimmelhof

Seit rund zwei Jahren ist Thomas Hirche mit dem KULT im Schimmelhof in der Hamburger Straße 273 zu Hause. Die Wurzeln des Theaters liegen freilich am Hagenmarkt, Hier hatte der Enthusiast in Sachen Kleinkunst ab 2012 seine erste stationäre Spielstätte. Als das Gebäude im Mai 2014 für weitere Büros gebraucht wurde, musste die kleine Bühne mit ihren 40 Plätzen weichen. Ein knappes halbes Jahr spielte Hirche im Anschluss unter dem Namen Das KULT im Exil ein reduziertes Programm in der Gärtnerei Volk. Der Tagesbetrieb der Gärtnerei und des angeschlossenen Café Flora waren dabei eine Herausforderung für den Theatermacher, mussten Aufbau, Spiel und Abbau doch jeweils am Stück erfolgen. „Zum Glück konnte ich die Bühnenelemente immer dort lassen“, schmunzelt der Theatermann, „aber insgesamt war das damals schon sehr aufwendig.“ Aufwendig auch deshalb, weil er von ein paar Handgriffen links und rechts des Kerngeschäftes einmal abgesehen, wirklich alles in Eigenregie erledigt. Hirche ist Künstler, Putzmann, künstlerischer Leiter, Künstlerbetreuer, Kartenabreißer, Thekenkraft und Akquisiteur in Personalunion.

Ein Schmuckkästchen ist entstanden

Geändert hat sich daran bis heute streng genommen: nichts. Seit November 2014 betreibt der 49-Jährige das Theater an neuer Stelle. Der vormalige Mieter der Räumlichkeiten – die Niederdeutsche Bühne – gestattete Hirche schon in der Übergangszeit, seine Requisiten im Schimmelhof C2 unterzustellen. Auch Proben durfte er hinter den dicken Fabrikmauern. Als das auf Plattdeutsch spezialisierte Ensemble andeutete, die Räume abgeben zu wollen, war dies für den Einzelkämpfer in Sachen Kleinkunst eine glückliche Fügung zum passenden Zeitpunkt. „Ich habe dann gesagt: Gut, zieht ihr mal aus, ich bleibe“, lacht Hirche. Passiert ist seither eine ganze Menge: Auf dem Betongrund im Theatersaal wurde ein Holzfußboden verlegt, eine Fluchttür eingebaut und eine Rampe für Rollstuhlfahrer errichtet. Dazu gibt es nun Toiletten für Männer und Frauen. Dass der KULT-Direktor, der als Theaterspieler selbst seit 30 Jahren auf der Bühne steht, unter anderem mit Improvisationstheater und Figurentheaterproduktionen bundesweit unterwegs ist, sein Konzept am aktuellen Standort umsetzen konnte, verdankt er auch der Unterstützung aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Diese reicht von Vermieterin Christine Schubert bis hin zu jenen Geldgebern, die via Crowdfunding die notwendigen Um- und Ausbaumaßnahmen des Theaters mitfinanziert haben. Jetzt ist das KULT ein wahres Schmuckkästchen, und Thomas Hirche hat im Grunde nur noch einen Ausbauwunsch: „Eine kleine Loge mit vielleicht 20 Sitzplätzen. Das wäre toll.“

Theatersaal_Kult_Andre_Pause

Die Richtung stimmt

In der gemütlichen Variante mit kleinen Tischchen finden derzeit 70 Gäste einen Platz. Bei Reihenbestuhlung liegt die Kapazität bei immerhin 100 Besuchern. Was die Auslastung anbelangt, gehe es derzeit in die richtige Richtung, meint der KULT-Macher. 80 Aufführungen hat es im Jahr 2015 gegeben, Ende dieses Jahres werde die 120er-Marke geknackt sein. „Angestrebt hatte ich eigentlich 160, aber mein neuester Spruch heißt: Ich habe einen Kopf und zwei Hände“, grient Hirche. „Wichtig ist: Ich kann alles bezahlen und mir immer noch Brötchen kaufen.“ In Programmfragen lässt sich der gelernte Stahlbauschlosser und studierte Sozialarbeiter ohnehin nicht verbiegen. Bei ihm gibt es Bekanntes, aber auch viel Neues aus dem gesamten Kleinkunstbereich, gerne abseits des Mainstreams. Das ist immer etwas Besonderes, Intimes, beinahe Familiäres mit Künstlern zum Anfassen. Neben verschiedensten Gastspielen, aktuell unter anderem von Ulla Meinecke (22. September) und Lilo Wanders (4. und 5. November), stehen zahlreiche bewährte und regelmäßige Reihen wie „Tasten in der Finsternis“ oder die „Swing Flüsterparty“ im Terminkalender, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

KULTig feiern

In der aufführungsfreien Zeit so Hirche dürfe das KULT übrigens gerne gebucht werden, stundenweise oder für den kompletten Abend, zum Beispiel für Feiern und Feste aller mit bis zu 80 Personen. Auf Wunsch mit individuellem Theater- und Musikprogramm.

Infos und Kontakt

Karten für die Vorstellungen im KULT-Theater sind bei Musikalien Bartels erhältlich. Seit dieser Spielzeit erscheinen quartalsweise liebevoll gestaltete Programmhefte. Weitere Informationen gibt es unter www.daskult-theater.de oder auch telefonisch unter den Rufnummern 0531/ 7 07 65 47 und 0176/ 23 99 38 25.

Text und Bilder: André Pause

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Strandbars in Braunschweig: „Down by the river“ und „up in the sky“

Sommer, Sonne, Strand und Meer – wer sehnt sich nicht danach, jetzt in der Urlaubszeit? Braunschweig hat eine Menge zu bieten, aber die Meeresküste gehört nicht dazu. Die befindet sich rund 200 Kilometer weiter nördlich, nicht gerade ideal für einen kleinen Abstecher zwischendurch. Die gute Nachricht: Sandstrand geht auch ohne Meer, die Sommersonne scheint auch in der Löwenstadt und auf Wasser muss man ebenfalls nicht verzichten. Die Braunschweiger Strandbars Okercabana und Sonnendeck Süd holen das maritime Sommerfeeling direkt in die City und überzeugen mit stimmigem Flair und leckeren Snacks und Getränken.

Okercabana: Strandparadies mit umfangreichem Freizeitangebot

Okercabana: 4000 Quadratmeter Sandstrand zum Wohlfühlen – auch bei schlechtem Wetter. Foto: Okercabana/Kultur Manufaktur GmbH

Okercabana: 4000 Quadratmeter Sandstrand zum Wohlfühlen – auch bei schlechtem Wetter. Foto: Okercabana/Kultur Manufaktur GmbH

Braunschweigs älteste Strandbar ist gleichzeitig auch die größte. Die Okercabana begeistert seit genau zehn Jahren mit über 4000 Quadratmetern feinstem Sand, voll ausgestatteter Bar und einem umfangreichen Freizeitangebot, das kontinuierlich ausgebaut wird. Die Lage an der Oker ist einzigartig. Im Bürgerpark, nicht weit entfernt vom Stadtzentrum, kann man am Flussufer alle Hektik hinter sich lassen und den Paddelbooten auf der Oker zuschauen. Wer gerne selbst das Ruder in die Hand nimmt, wendet sich an den Bootsverleih direkt vor Ort. Trendbewusste Wassersportler werden eher zum SUP-Board greifen – Stand Up Paddling, das Paddeln im Stehen, ist auch in Braunschweig angesagt. Sie sind lieber an Land sportlich aktiv? Das Beach-Volleyball-Feld steht zu Ihrer Verfügung. Sie möchten sich mal so richtig treiben lassen? Kein Problem, die Okercabana kooperiert mit der Floßstation Braunschweig. Einfach abschalten und entspannen geht auch? „Na klar“, lacht Mitinhaber Joachim Berger von der Kultur Manufaktur GmbH, „man kann auch einfach nur herkommen, sich in den Liegestuhl setzen und die Atmosphäre genießen, für den Nachwuchs gibt es unseren Kinderstrand“. Dafür lieben die Braunschweiger die Location und wer mag, lässt an lauen Sommerabenden eine Wasserpfeife mit dem Beach-Grill und der untergehenden Sonne um die Wette glühen. Geöffnet ist täglich von Mitte April bis September, Gästebetrieb, Firmenevents und Privatfeiern können auch bei schlechtem Wetter stattfinden.

Sonnendeck Süd: Open-Air-Erlebnis über den Dächern der Stadt

Traumstrand unter Palmen mitten in Braunschweig: Das Sonnendeck Süd. Foto: Sonnendeck Süd/Strauß und Lemke Gruppe

Ein anderes Konzept verfolgt das Sonnendeck Süd. „Up in the sky“ statt „down by the river“ lautet hier das Motto, denn der Strand befindet sich in der Steinstraße 2 im fünften Stock. Die Idee ist genial und kommt seit dem Start im Jahr 2010 bestens an beim Braunschweiger Publikum: Das oberste Deck eines Parkhauses wurde in eine traumhafte Sommerlounge, grauer Asphalt in einen weißen Sandstrand verwandelt. Das alles über den Dächern der Innenstadt und mit bestem Blick über Braunschweig, der einzige Dachstrand der Stadt ist etwas ganz Besonderes. Karibik-Feeling vor der Haustür, mit den Füßen im Sand spielen und der Sonne ein wenig näher sein – das ist das Sonnendeck Süd. Die Karte bietet ein großes Angebot an alkoholfreien Getränken, Bieren und Cocktails, der „Sonnendeckcocktail“ ist eine Kreation des Hauses. Darüber hinaus gibt es Eis aber auch warme Gerichte wie den beliebten Flammkuchen. „Unsere Location lädt zum Verweilen ein“, beschreibt Lara Cours von der Strauß und Lemke Gruppe, die seit 2012 das Sonnendeck Süd betreibt, den besonderen Charakter der Strandbar: „Es ist nicht unbedingt der schnelle Kaffee zwischendurch, sondern der Cocktail zum Genießen, der lockere Plausch mit Freunden, die Entspannung, die unsere Gäste hier suchen und finden“. Zusammen mit dem Blick über die Stadt und in den Sommerhimmel wird der Besuch auf dem Sonnendeck Süd zum einzigartigen Open-Air-Erlebnis. Und wie jede Open-Air-Veranstaltung ist auch der Betrieb des Sonnendecks stark vom Wetter abhängig. „Je nach Wetterlage entscheiden wir täglich, ob das Sonnendeck geöffnet wird“, erläutert Lara Cours. Hoffen wir also auf einen warmen und trockenen Sommer, denn dann ist das Sonnendeck jeden Tag ab 16 Uhr geöffnet. Tagesaktuelle Auskunft gibt die Sonnendeck-Süd-Facebookseite.

Text: Jan Engelken

Touchdown in der Löwenstadt: der 1. FFC Braunschweig und die New Yorker Lions

Was Eintracht im Fußball und die Löwen im Basketball, sind die New Yorker Lions im American Football: Braunschweig liegt bei Mannschaftssportarten weit vorne. Seit 1994 in der 1. Bundesliga, sind die Lions inzwischen zehnfacher deutscher Meister und dreifacher Europameister. Dass American Football in Deutschland immer noch eine Randsportart ist, besitzt auch seine Vorteile: Wer als junger Amateur in Braunschweig beim 1. FFC einsteigt, hat gute Chancen, irgendwann einmal ganz oben mitzuspielen!

Die Lions im Spiel. Foto: Fabian Uebe

Die New Yorker Lions sind gleich mehrfacher Europa- und mehrfacher Deutscher Meister. Foto: Fabian Uebe

Bei American Football denken die meisten Deutschen wohl zuerst an hünenhafte Muskelberge mit Helm und Kriegsbemalung, die mit Anlauf übereinander herfallen. Doch weit gefehlt, es ist ein Sport für jedermann (und -frau): „ American Football ist ein Mannschaftssport, bei dem eigentlich jeder – ob männlich oder weiblich, jung oder alt, groß oder klein, leicht oder schwer, langsam oder schnell – mitmachen und eine geeignete Spielposition finden kann“, weiß Holger Fricke, Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit und Medienbetreuung beim 1. FFC Braunschweig, Pressesprecher der New Yorker Lions und Trainer mehrerer Mannschaften des Vereins. Auch das Verletzungsrisiko sei nicht höher als bei anderen Mannschaftssportarten: „Natürlich ist es ein härterer Sport. Aber man ist durch entsprechende Ausrüstung und ein umfassendes Regelwerk gut geschützt“, stellt Fricke klar.

Die Damenmannschaft der Lions spielt in der Regionalliga. Foto: Peter Matuschal

Die Damenmannschaft der Lions spielt in der Regionalliga. Foto: Peter Matuschal

Beim 1. Fitness und Football Club Braunschweig wird neben dem klassischen American Football auch die Variante „Flag Football“ gespielt. Anders als beim „Tackling“ des American Footballs setzt man beim Flag Football den gegnerischen Ballträger außer Gefecht, in dem man ihm eine der Flaggen abnimmt, die jeder Spieler am Gürtel trägt. Besonders für Gelegenheitsspieler eine alltagsverträgliche Alternative zum risikoreicheren Vollkontakt des klassischen Footballspiels. Zu den rund 550 Mitgliedern des 1. FFC mit seinen insgesamt sieben Football-Mannschaften, darunter auch eine Damen-Mannschaft mit 40 Spielerinnen in der zweiten Bundesliga Nord, gehören übrigens auch fünf Cheerleader-Teams, welche die Spielerinnen und Spieler in allen Ligen und Altersklassen lautstark und professionell choreografiert anfeuern.

Beide Football-Varianten verbindet ein intensives Rundum-Training für den ganzen Körper. Besonders in der „Off-Season“, der Spielpause von Oktober bis April, konzentriert sich das Programm in der Halle an der Roten Wiese hauptsächlich auf Fitness, Ausdauer und Beweglichkeit. Und zum Körper gehört natürlich auch der Kopf: „ Man muss kontinuierlich mitdenken und flexibel sein, Spielzüge blitzschnell analysieren und entsprechend reagieren“, betont Fricke.

Holger Fricke ist Trainer und Pressesprecher bei den Lions. Foto: Fabian Uebe

Holger Fricke ist Trainer und Pressesprecher bei den Lions. Foto: Fabian Uebe

Die deutsche Football-Community sei dabei wie eine große Familie. „Mich fasziniert an diesem Sport der Zusammenhalt und das Familiäre. Es ist egal, woher Fans anreisen und welcher Nationalität sie sind, man hat immer ein freundschaftliches Miteinander. Man grillt, man trinkt, man unterhält sich und schaut sich gemeinsam das Spiel an“, schwärmt der Trainer und Pressesprecher, der sich seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich beim 1. FFC engagiert.

Und wie steigt man in den Football-Sport ein? Fricke: „Man kann erst mal zwei oder drei Probetrainings absolvieren, bevor man sich entscheidet.“ Alter, Geschlecht und Trainingserfahrung spielen dabei keine Rolle, es gibt für jeden die passende Mannschaft. Das Einstiegsalter in der U13 liegt bei sechs Jahren, die ältesten Spieler bei den Senioren sind über 50. Im Mittelpunkt stehen zu Beginn natürlich erst einmal die Basics: Wie fange ich den Ball? Wie laufe ich mit ihm? Wie setze ich ein „Tackle“ richtig? So wird das Verletzungsrisiko frühestmöglich minimiert und einer langjährigen Football-Karriere steht nichts im Wege.

Jeder kann beim Football mitmachen. Foto: Fabian Uebe

Jeder kann beim Football mitmachen. Foto: Fabian Uebe

Und die sind in Braunschweig nicht selten. So war beispielsweise Nationalspieler Christian Bollmann Ende der 90er als jugendlicher Zuschauer eines Spiels der Lions so sehr vom American Football begeistert, dass er kurze Zeit später den Junioren des 1. FFC beitrat. Heute spielt er selbst bei den Lions und zählt zu den besten Footballern der Bundesrepublik, erzählt Fricke. Er trainierte Bollmann damals in der Jugendmannschaft – nur einer von vielen Braunschweiger Spielern mit ähnlichem Werdegang.

Text: Stephen Dietl

Mit einem starken Team auf der Jagd nach Punkten: Die Basketball Löwen Braunschweig

Bis vor Kurzem war es ein Phantom, das es in den letzten zehn Jahren fünfmal in die Top Ten der Basketball-Bundesliga BBL geschafft hat. Dreimal wurden in dieser Zeit die Play Offs, die Endrunde um die deutsche Meisterschaft erreicht, auch um den BBL-Pokal wurde mitgespielt. Seit der vorletzten Saison 2013/2014 haben die ehemaligen New Yorker Phantoms wieder ein Gesicht. Als Basketball Löwen Braunschweig und in traditioneller gelb-blauer Farbgebung steht das Team zurzeit kurz vor der sechsundzwanzigsten Erstligasaison der Vereinsgeschichte.

Erfolgreiche Saison unter schwierigen Bedingungen

Beko BBL, Hauptrunde 2015-16, Spieltag 12, Braunschweig-Tuebingen

Lars Masell ist Assistant Coach bei den Basketball Löwen Braunschweig. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

Die Maske ist abgelegt, ein Stück Identität mit Stadt und Fans dazugewonnen – und gleichzeitig ein Großsponsor verloren, so die Situation im Verein seit zwei Jahren. Umso wichtiger war es, auch in der laufenden Saison eine stabile Position in der ersten Liga zu halten. „Unser großes Ziel, den Klassenerhalt, haben wir frühzeitig und souverän geschafft“, sagt Assistant Coach Lars Masell. „Wir haben eine sehr gute Vorrunde gespielt, hatten ohne Jermaine Anderson und den verletzten Josh Gasser eine sehr schwierige Phase, die wir gut gemeistert haben. Wir stehen stabil in der ersten Liga und das ist nach dem Auf und Ab in den letzten Jahren ein absoluter Erfolg.“

Im Team auf Punktejagd

beko-bbl, Hauptrunde 15-16, Spieltag 30, Braunschweig - Goettingen

Löwen-Forward Tyrone Nash überzeugte am vergangenen Samstag gegen Göttingen. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

Erfolg auf der ganzen Linie auch am vergangenen Wochenende: Im prestigeträchtigen Niedersachsen-Derby konnten die „Veilchen“ der BG Göttingen mit 90:81 besiegt werden. Ein Sieg, der nach einigen Niederlagen gegen mehrere Liga-Topteams gut tut. Zentrale Teamakteure wie Regisseur Jermaine Anderson, Spielmacher Derek Needham, Punktesammler Keaton Grant, Dreier-Spezialist Nicolai Simon, Nachwuchstalent Robin Amaize und Defensiv-Ass Kenneth Frease überzeugten mit konsequentem Zug zum Korb, engagierter Defensiv-Arbeit und gelungenem Team Play. „Was zählt, ist die Mannschaftsleistung, das ganze Team. Die Mannschaft ist bei uns der Star“, betont Lars Masell.

Basketball in Braunschweig: Ein erstklassiges Sportevent

Beko BBL, Hauptrunde 2015-16, Spieltag 21, Braunschweig-Phoenix HagenFrease, Braunschweig

Stark unter dem Korb: Basketball Löwe Kenneth Frease. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

Fast 3.400 Besucher hat das Derby am vergangenen Samstag in die Volkswagen Halle Braunschweig gelockt. Im Schnitt sind in dieser Saison pro Spiel gut 3.200 Gäste in die eigene Arena gekommen, Pressesprecherin Fabienne Buhl erklärt, warum: „Basketball ist ein spektakulärer, schneller und spannender Sport. Ein Heimspiel der Basketball Löwen Braunschweig ist immer ein Event – nicht nur für den Fan, sondern auch für den Basketballneuling und vor allem für die ganze Familie. Zurzeit denken wir darüber nach, unsere Zuschauer in der Halle noch näher ans Spielfeld zu bringen und das Sporterlebnis so noch intensiver zu machen.“ Assistant Coach Lars Masell: „Die Zeitbeschränkung für einen Angriff und schnell aufeinander folgende Spielphasen machen Basketball grundsätzlich sehr abwechslungsreich und den Spielausgang schwer vorhersehbar. Außerdem gibt es beim Basketball kein Unentschieden. Es gibt immer einen Sieger und einen Verlierer: Die Teams haben den Erfolgsdruck – die Zuschauer haben die Spannung.“

Es bleibt spannend

Beko BBL, Hauptrunde 2015-16, Spieltag 21, Braunschweig-Phoenix HagenGrant, Braunschweig

: Begehrt bei den Fans der Basketball Löwen: Ein Autogramm von Punktesammler Keaton Grant. Foto: Ingo Hoffmann/PartnerDesign

Apropos Spannung: Auch kurz vor dem Saisonende knistert es noch ordentlich bei den Basketball Löwen. Zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele stehen noch auf dem Programm, und Headcoach Raoul Korner möchte unbedingt den Top Ten-Platz in der Liga halten. Spannend bleibt es auch in Hinblick auf die Zukunft des Vereins: Der unvermittelte Rückzug des langjährigen Hauptsponsors hat erhebliche Folgen für den Teametat gehabt, die noch nicht ausgestanden sind. Ein Grund mehr, in Braunschweig am (Basket-)Ball zu bleiben – am besten live bei den Heimspielen in der Volkswagen Halle.

Text: Jan Engelken
Titelbild: War im Derby gegen Göttingen nicht zu stoppen: Löwen-Guard Derek Needham. Foto: Ingo Hoffmann/ParnerDesign

Städtische Musikschule Braunschweig – Hier spielt die Musik!

Seit 1957 Hauptsitz der Städtischen Musikschule Braunschweig: Die Villa Hörstel am Augusttorwall 5. Foto: Stadt Braunschweig/Städtische Musikschule

Seit 1957 Hauptsitz der Städtischen Musikschule Braunschweig: Die Villa Hörstel am Augusttorwall 5. Foto: Stadt Braunschweig/Städtische Musikschule

100 Events im Jahr, 1600 Schülerinnen und Schüler, 35 verschiedene Instrumente und 32 Ensembles, Bands und Orchester zur Auswahl: Das ist die Städtische Musikschule Braunschweig. Wer die Villa Hörstel, den repräsentativen Hauptsitz der Städtischen Musikschule am Augusttorwall betritt, denkt unwillkürlich an klassische Musik und Sinfonieorchester – und in der Tat: Das bekannte Braunschweiger Jugend-Sinfonie-Orchester zählt zu den Aushängeschildern der Musikschule und die Ausbildung an klassischen Streich-, Blas- und Tasteninstrumenten liegt nach wie vor voll im Trend. Aber das ist bei weitem nicht alles, denn von der E-Gitarre über das Schlagzeug bis hin zur Musikproduktion am Computer deckt die Musikschule auch das Spektrum zeitgenössischer Musik ab. Ein attraktives und modernes Programm, das regelmäßig für eine große Nachfrage sorgt.

Musikunterricht für jedes Alter

Daniel Keding unterrichtet klassisches Schlagzeug und leitet seit März 2015 die Städtische Musikschule Braunschweig, Urheber: privat

Dabei bilden die 56 Lehrkräfte der Braunschweiger Traditionseinrichtung, die vor zwei Jahren ihr 75-jähriges Bestehen feierte, vor allem Jungmusiker zwischen 10 und 14 Jahren aus. Aber die Arbeit der Musikschule beschränkt sich nicht nur auf musikbegeisterte Kinder: Es gibt auch Unterricht zur Musiktheorie, und die „Studienvorbereitende Ausbildung“ zur Aufnahme an Musikhochschulen gehört ebenfalls zum Angebot. „Mit dem Elementaren Musikunterricht für Kinder ab 2 Jahren geht es los, wir haben aber auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler zwischen 26 und 60 Jahren und sogar darüber hinaus“, erläutert Daniel Keding, seit diesem Jahr Leiter der Städtischen Musikschule und Lehrer für Klassisches Schlagzeug.

Erfolgreich durch gezielte Förderung

Die Big-Band der Städtischen Musikschule Foto: Florian Koch

Die Big-Band der Städtischen Musikschule. Foto: Florian Koch

Gerade erst konnte Keding gemeinsam mit seinen Lehrerkräften sowie Schülerinnen und Schülern ein rundes Veranstaltungsjubiläum feiern: 25 Jahre Braunschweiger Musikschultage. Und diese Bildungseinrichtung hat noch mehr Highlights zu bieten: Neben dem Jugend-Sinfonie-Orchester zum Beispiel die Big-Band und die Jugendbigband der Städtischen Musikschule. Darüber hinaus nimmt die Städtische Musikschule regelmäßig am Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene teil, Schülerinnen und Schüler der Musikschule werden durch Musikförderpreise, Wettbewerbe und Stipendien gezielt gefördert. Apropos gezielte Förderung: eine Hochbegabtenabteilung mit besonders talentierten acht- bis zwölfjährigen Nachwuchsmusikern aus der Region gibt es auch.

Top-Noten für die Städtische Musikschule

Auf diese Weise gelangen pro Jahr vier bis fünf Absolventinnen und Absolventen in das musikalische Berufsleben, ihren Platz finden sie unter anderem an der Staatsoper Hannover, bei den Hamburger Symphonikern oder im Staatsorchester Oldenburg. Oder aber sie werden weltbekannte Solo- und Band-Musiker, wie Jazzposaunist Nils Wogram. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann:

Nur Top-Noten für die Städtische Musikschule Braunschweig!

Text: Jan Engelken
Titelbild: Das Jugend-Sinfonie-Orchester der Städtischen Musikschule,  Foto: Florian Koch

„Eine lebensnotwendige Farbe für die Gesellschaft“

Eindrücke für die eigene Veränderbarkeit gewinnen, den Geist und den Körper in der Auseinandersetzung mit Welt anders erfahren – das geht, allen Verlockungen des digitalen Zeitalters zum Trotz, nirgends so gut wie im Theater. Wir möchten Ihnen daher nacheinander die fünf Sparten des Staatstheaters Braunschweig näherbringen.

Entscheidend mitverantwortlich für das Kapitel neuester Lesart in der Sparte Schauspiel ist Axel Preuß. Der Chefdramaturg und stellvertretende Intendant für künstlerische Fragen kam 2010 gemeinsam mit Generalintendant Joachim Klement nach Braunschweig. Das gemeinsame Ziel: Die Türen in die Stadt weit öffnen und dem Braunschweiger Publikum ein möglichst breites Spektrum der in der deutschen Theaterlandschaft vorkommenden Theaterformen zugänglich machen.

Ein Haus der Entdeckungen

Philipp Grimm und Axel Preuß im Interview. Foto: André Pause

Philipp Grimm und Axel Preuß im Interview. Foto: André Pause

„Als wir angefangen haben, war der durchschnittliche Besucher 56 Jahre alt und weiblich. Es ist schön, dass Braunschweig traditionell ein sehr treues Publikum hat. Gleichzeitig war es von Anfang an unser Bestreben, auch junge Menschen ans Theater heranzuführen“, sagt Preuß. Dies sei erfreulicherweise geglückt. Bewusst vorangetrieben habe man den Prozess durch entsprechende Stücke auf dem Spielplan sowie durch eine intensive Zusammenarbeit mit sehr klugen, umsichtigen, gleichzeitig aber auch jungen Regisseuren. So habe insbesondere Daniela Löffner als Hausregisseurin das Schauspiel in den ersten vier Jahren künstlerisch stark mitgeprägt, viel für das Ensemble getan, und auch dafür gesorgt, dass das Haus in der Stadt schnell als eines wahrgenommen worden ist, in dem man viele Entdeckungen machen kann.

Zwölf Premieren und sieben Wiederaufnahmen stehen für die Schauspielsparte in dieser Spielzeit auf dem Programm, die Aufführungen des künstlerisch outgesourcten Sommertheaters („Da Da Da“) sowie die Vorstellungen des Stadttheaters, die das Staatstheater künstlerisch leitet, nicht mit einbezogen. Da kommt einiges zusammen an künstlerischen Handschriften und Theaterformen. „Wenn man sich anguckt, was sich bei uns auf dem Spielplan befindet, zwischen dem Klassiker „Dantons Tod“, der für Schüler und Lehrer hochinteressant ist, und Marta Gornickas „M(other) Courage“, einer Produktion, die sonst im deutschen Repertoiretheater gar nicht sichtbar ist, sonst nur am freien Theater oder im europäischen Festivalwesen stattfindet, ist das schon ein breites Spektrum“, findet der Chefdramaturg, den es ab der kommenden Saison als Schauspieldirektor ans Badische Staatstheater Karlsruhe zieht.

Besondere Entwicklung

Am Staatstheater Braunschweig führte die Programmatik dazu, dass sehr viele Schüler die Bühnen des Hauses für sich entdeckt haben. „Wir haben um das Theater als Kunstform verständlich, aber auch um es als Ertüchtigungskraftfeld für den Alltag als Selbsterfahrungsspielfeld wahrnehmbar zu machen, die Pädagogen-Stellen erheblich aufgestockt. Was eine Aufwertung des gesamten Kunst- und Kulturvermittlungswesens bedeutet“, skizziert Preuß. Das mache sich auch kurzfristig bemerkbar, weil junge Menschen spürten: Sie werden angenommen und ernst genommen. „Die Zahl der Besucher bis 30 Jahre, verstärkt auch im Spektrum von 18 bis 30, hat stark zugenommen. Das ist eine Entwicklung, die schon sehr besonders ist.“

28 feste Mitarbeiter sorgen derzeit dafür, dass am Schauspiel des Staatstheaters hochprofessionell und thematisch nah am Zeitgeist gearbeitet wird. Das Ensemble umfasst 16 Mitglieder, hinzu kommen drei Regieassistenten, ein Souffleur und eine Souffleuse, zwei Inspizienten, drei Dramaturginnen eine „halbe“ Dramaturgie-Assistentin sowie Axel Preuß als Chefdramaturg.

Ein Lob für die Ensemblepolitik

Einer der seit vier Jahren in Braunschweig auf der Bühne steht ist Philipp Grimm. In der laufenden Spielzeit ist der Fuldaer an fünf Produktionen beteiligt. Bezüglich seines Engagements ist er voll des Lobes: „Was das Haus hier ausmacht, ist, dass es eine ganz tolle Ensemblepolitik gibt. Ich finde, dass wir eine super Gruppe haben und gut zusammenarbeiten. Alle sind konzentriert bei der Sache, was ich als sehr angenehm und produktiv empfinde. Ich habe erlebt, und auch von Kollegen erfahren, dass das an anderen Häusern so nicht unbedingt üblich ist. Das ist hier eine große Kraft, die besonders ist.“ Dass viel für Jugendliche Theaterbesucher getan wird, findet der 31-jährige aktuelle Förderpreisträger der Staatstheaterfreunde gut. „Ich war gerade in Freiburg, und da ist es nicht so wie bei uns. Wir haben im Abendspielplan wahnsinnig viele Schüler in unseren Vorstellungen, was manchmal zwar anstrengend ist, ganz viel Kraft kostet, weil man auch mal unterbrechen muss, wenn zu viel gestört wird. Aber dass an sich so viele Schüler ins Theater kommen, finde ich an sich sehr bemerkenswert.“

Auf der anderen Seite sei auch das Haus bestrebt, gerade jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben, sich in größeren oder großen Rollen zu entwickeln. „Das hat etwas mit Vertrauen und Langfristigkeit zu tun. Man kann nicht gleich groß sein, nur weil man einmal gut spielt“, betont Axel Preuß, der in diesem Zusammenhang stark auf die Bereitschaft zum Wissenstransfer unter Kollegen setzt.

Wissenstransfer – auch Sparten übergreifend

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Philipp Grimm als Major von Tellheim in Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück. Foto: Volker Beinhorn

Auch eine spartenübergreifende Zusammenarbeit, wie seit der vergangenen Spielzeit von Musiktheater und Schauspiel praktiziert, ist sehr im Sinne des Chefdramaturgen. „Wir haben eigentlich von Anfang an den Wunsch gehabt, spartenübergreifend zu arbeiten, um Begegnungen zwischen den Künstlern möglich zu machen, um selber mehr voneinander zu erfahren und zu lernen, um Dinge zu tun, die man alleine vielleicht nicht tun kann. Aber auch um dem Publikum etwas Besonderes zu bieten“, so Preuß.

Die erste Kollaboration „My fair Lady“ wurde vom Braunschweiger Publikum hervorragend angenommen. Im Januar feiert nun Jacques Offenbachs „Die Banditen“ im Großen Haus Premiere. Die Regie übernimmt mit Michael Talke ein Mann, der – was nicht so häufig vorkommt – sowohl im Musiktheater als auch im Schauspiel zuhause ist.

Vor allem aus technischer und dispositioneller Sicht ist das Zusammenkommen der Sparten allerdings unglaublich schwierig – ein planungsintensiver Kraftakt. „Zudem sind die Arbeitsweisen der einzelnen Gruppen völlig unterschiedlich, ebenso die Kriterien, nach denen man sich auf ein Stück einigt. Im Schauspiel gehen wir sehr stark über den Inhalt, fragen uns, ob ein Stoff unser Publikum erreichen kann, indem es was mit der Zeit, mit uns oder mit der politischen Situation zu tun hat“, beschreibt Preuß. „Wir kommen über die Themen, die wir in der Stadt oder im Land finden. Und der inhaltliche Angang spiegelt sich entsprechend in der Arbeitsweise der Schauspieler wider. Das sind zwar Leute, die mit dem gesamten Körper arbeiten, aber komplett vom Gedanken und der inhaltlichen Auseinandersetzung kommen.“ Im Tanz spielten verständlicherweise ganz andere Kriterien eine Rolle, was sich letztlich bis in die Probenprozesse hinein bemerkbar mache.

Auch Philipp Grimm hat das erlebt. Er muss ein wenig schmunzeln: „Ich habe in meiner ersten Spielzeit für „Mama Dolorosa“ mit dem Musiktheater zusammengearbeitet. Das war eine interessante Erfahrung, weil Sänger tatsächlich ganz anders arbeiten. Wir Schauspieler diskutieren einen einzigen Satz, Gedanken oder Spielvorgang schon mal eine ganze Probe hindurch, lernen eigentlich erst im Probenprozess den Text. Die Sänger hingegen können schon alle Partituren, kommen mit dem gelernten Text und dem Notenbild vor Augen an.“

60 bis 70 Stunden pro Woche? Normal!

Die Arbeitsbelastung am Theater ist – vor allem im Bereich Schauspiel – immens. „Dadurch, dass es elf reguläre Proben in der Woche gibt, der Samstag wie ein Werktag behandelt wird, haben die Schauspieler mindestens eine Sechs-Tage-Woche mit täglich zehn Stunden plus X“, rechnet Axel Preuß, dessen eigene Arbeitswoche an vier Tagen um 9 Uhr mit einer Sitzung startet, vor. Überhaupt würden Sitzungen die Tätigkeit des Dramaturgen nicht unerheblich strukturieren. Gelegt sein sollten diese Runden darüber hinaus auch noch so, dass man auf Proben gehen kann. „Es gehört zum Berufsbild, für das Ensemble und das Regieteam ansprechbar zu sein, was zur regelmäßigen Folge hat, dass das bei einem Dramaturgenleben von mindestens 70 Arbeitswochenstunden auszugehen ist. Dies sei an alle gerichtet, die Interesse haben, sich mit dem Berufsbild zu beschäftigen“, fügt der Chefdramaturg lachend hinzu.

Ein langer Atem und sehr viel Idealismus seien unabdingbar, um in diesem Beruf durchzuhalten. Zwar empfänden die Menschen am Theater die langen Tage nicht zwangsläufig als hart. Eine Herausforderung für das Privatleben sei die Arbeit im Schauspielbetrieb allerdings schon: zeitlich extrem gebunden, geografisch meist weit weg vom jeweiligen Lebensumfeld und Freundeskreis – das ist der Alltag. „Für Beziehungen ist das wirklich schwer. Das hat auch nichts mit Verständnis zu tun, sondern damit, dass man sich einfach nicht sieht, und damit, dass das richtig wehtut. Wenn Du Kinder hast, wird das noch viel schlimmer, weil da Menschen neben Dir aufwachsen, die Entwicklungsschritte machen, und Du kriegst es nur so am Rande oder sprunghaft mit“, skizziert Axel Preuß, der sein Leben, wie er sagt, auf den Beruf „hin organisiert“ hat.

„Man muss es machen“

Die schönen Seiten der Theaterarbeit überwiegen dennoch, für beide, für den Dramaturgen wie für den Schauspieler. „Ich mag, dass man kreativ sein und über viele Dinge nachdenken kann, dass man Quatsch machen kann und den wiederum sogar benutzt, weil vielleicht doch ein Funken Wahrheit drinsteckt. Für den Zuschauer ist toll, dass Theater heute eine Form von Geschichtenkonsum ist, die Du so nirgendwo anders hast. Eine lebensnotwendige Farbe für die Gesellschaft. Ich könnte mich nicht nur von Fernsehen, Internet und Kino berieseln lassen. Ich brauche diesen anderen Input, den Live-Moment“, sagt Philipp Grimm. „Man muss es machen, weil es irre ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eigentlich das Gleiche wollen, an das Gleiche glauben: an die Veränderbarkeit der Welt“, betont Axel Preuß. Daran glauben, festhalten und arbeiten, streiten, ringen und spielen, was das Zeug hält, daran immer wieder scheitern, und trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben, dass man mit dem Publikum Momente stiftet, die mehr und größer sind, als der jeweilige Augenblick es nahelegt – das mache die Faszination Theater aus.

Text: André Pause
Artikelbild: Szenenbild mit Philipp Grimm aus Im Westen nichts Neues; Volker Beinhorn

 

Die Löwenstadt im weihnachtlichen Lichterglanz

Der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln liegt in der Luft, die Innenstadt trotzt der Kälte mit warmem Weihnachtslicht, und trotz hektischem Gewusel im Vorweihnachtsstress erstrahlt zwischen den meisten Schals und Mützen ein freundliches Lächeln. Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist eröffnet! Bis zum 29. Dezember machen 150 liebevoll dekorierte Stände und ein weihnachtlich-buntes Rahmenprogramm die Löwenstadt erneut zum Schauplatz eines der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands.

Der Burgplatz erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/b² Werbung & Design

Der Burgplatz erstrahlt in weihnachtlichem Glanz. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/b² Werbung & Design

Der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist übrigens nicht nur einer der stimmungsvollsten, sondern auch der ältesten Weihnachtsmärkte der Bundesrepublik. Seine Wurzeln hat er im 14. Jahrhundert, als ein „Weihnachtsmarkt“ genannter Markt erstmals auf dem Altstadtmarkt abgehalten wurde. 1385 fand er am 1. und 2. Januar statt, wurde später aber auf die Zeit vor Weihnachten verlegt. Diese Tradition zog sich mit leichten zeitlichen und örtlichen Veränderungen durch die Jahrhunderte der Braunschweiger Stadtgeschichte. Der erste Weihnachtsmarkt nach dem Zweiten Weltkrieg fand 1946 vor dem Braunschweiger Schloss statt. In den darauf folgenden Jahren wurde er auf dem Hagenmarkt aufgebaut und 1956 erstmals auf dem Burgplatz veranstaltet, wo er bis heute sein Zentrum hat.

Was klein und übersichtlich begann, hat sich im Lauf der Jahrzehnte jedoch über den Burgplatz hinaus bis über den Domplatz, Ruhfäutchenplatz und Platz der Deutschen Einheit ausgedehnt und zieht jährlich fast eine Million Besucher an. Auf die inzwischen 150 Standplätze bewirbt sich eine nahezu doppelte Anzahl von Schaustellern: „Dass die Standplätze so begehrt sind, spiegelt das hohe Ansehen des Braunschweiger Weihnachtsmarktes in der Region und auch darüber hinaus wider“, betont Gerold Leppa, Braunschweiger Wirtschaftsdezernent und Geschäftsführer beim Stadtmarketing. Der Weihnachtsmarkt sei jedes Jahr aufs Neue ein attraktives Reiseziel für Gäste aus ganz Deutschland.

In diesem Jahr dürfen sich die Gäste des Weihnachtsmarktes auf 16 neue Standbetreiber freuen. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Daniel Möller

In diesem Jahr dürfen sich die Gäste des Weihnachtsmarktes auf 16 neue Standbetreiber freuen. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Daniel Möller

Unter den 150 liebevoll dekorierten Ständen auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt befinden sich in diesem Jahr auch 16 neue Standbetreiber. So gibt es erstmals Raclette auf Kartoffelbrötchen und frisch gebratene Entenbrust mit Klößen und Rotkohl sowie sechs neue Kunsthandwerker, die beispielsweise hochwertiges Holzspielzeug und Schmuck aus eigener Produktion feilbieten. Und generell spielen regionale Produkte wie beispielsweise die berühmte Braunschweiger Mumme immer eine große Rolle. „Bei der Auswahl der Stände war die Jury sehr darauf bedacht, die bereits vorhandenen Angebote zu erweitern, damit jeder Besucher etwas nach seinem Geschmack findet“, erzählt Heike Prieß, Projektleiterin beim Stadtmarketing.

Weihnachtskulturwoche im Dom St. Blasii, Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Daniel Möller

Weihnachtskulturwoche im Dom St. Blasii, Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH/Daniel Möller

Dafür, dass auch die Kultur in der Vorweihnachtszeit nicht zu kurz kommt, ist im Rahmen des Braunschweiger Weihnachtsmarktes natürlich ebenfalls gesorgt. In der „Weihnachtskulturwoche“ vom 12. bis 20. Dezember erwartet die Besucher im Dom St. Blasii bereits zum achten Mal ein abwechslungsreiches Musikprogramm, darunter das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Stadtführungen wie die „Weihnachtsmarktführung mit Blick hinter die Kulissen“ oder ein „Weihnachtlicher Stadtspaziergang rund um den Burglöwen“ beantworten viele spannende Fragen rund um den traditionsreichen Weihnachtsmarkt und die umliegenden historischen Orte. Währenddessen können die jüngsten Weihnachtsmarktbesucher in der „Weihnachtswerkstatt“ wohlbehütet malen, basteln und Plätzchen backen.

Ob Glühwein oder heiße Schokolade – der Braunschweiger Weihnachtsmarkt ist ein einzigartiges Erlebnis für die ganze Familie!

Mehr Informationen und das komplette Programm unter: www.braunschweig.de/weihnachtsmarkt/

Text: Stephen Dietl

Das etwas andere Szeneviertel

Klein und unscheinbar am Rande der Braunschweiger Fußgängerzone liegt ein architektonisches Juwel: Der Handelsweg zwischen Breiter Straße und Gördelingerstraße gilt als eine der schönsten Passagen Deutschlands. Mit seiner außergewöhnlichen Mischung aus individuellem Einzelhandel, Kneipen, Szenecafé und Kunstraum ist er zudem einer der angesagtesten kulturellen Brennpunkte der Stadt für kreative Trendsetter und Junggebliebene, ein Szeneviertel im Miniaturformat.

Zugleich ist der malerische Handelsweg aber auch Braunschweigs älteste Passage. Bereits im 17. Jahrhundert ließ Herzog Rudolf August an dieser Stelle mehrere Wohnhäuser abreißen und stattdessen einen Platz, den „Neuenhof“, für die florierenden Braunschweiger Handelsmessen errichten. 200 Jahre später, im Jahre 1872, wurden auf der freien Fläche des Neuenhofes erneut Häuser gebaut; jeweils drei auf beiden Seiten mit Ladengeschäften im Erdgeschoss und einer Passage in der Mitte. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Handelswegs – damals noch auf den Namen „Sedan Bazar“ getauft, in Erinnerung an die Entscheidungsschlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg. Torbögen und gotische Motive zierten die symmetrischen Fassaden aus gelbem Backstein und tun es bis heute. Nur die einzigartige Glaskonstruktion, die den Sedan Bazar überdachte und zur ersten überdachten Passage Deutschlands machte, hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. 1928 erfolgte die Umbenennung in „Handelsweg“, 1956 der Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung, und 1969 wurde der Handelsweg schließlich in seiner heutigen Form eröffnet.

Tante Puttchen, Foto: Stephen Dietl

Das „Tante Puttchen“ hat in Braunschweigs größte Auswahl an Weizenbieren. Foto: Stephen Dietl

Ältere Semester werden den Handelsweg vor allem aus einem Grund kennen: Hier gab es 1936 das erste Speiseeis Braunschweigs zu kaufen. In jenem Jahr eröffnete das Eiscafé „Tante Puttchen“ im Handelsweg 13 und versorgte Jung und Alt erstmals mit gefrorenen Köstlichkeiten. Eis wird hier inzwischen nicht mehr verkauft, doch das „Tante Puttchen“ gibt es noch immer. Und zwar als urige Kneipe mit Braunschweigs größter Auswahl an Weizenbieren: Acht Sorten erhalten Bierliebhaber im rustikalen Ambiente der bereits vor über 30 Jahren zur Schankwirtschaft umfunktionierten Eisdiele.

Foto: Stephen Dietl

Das „Comiculture“ ist die zentrale Anlaufstelle für Comic- und Rollenspiel-Fans. Foto: Stephen Dietl

Das zweitdienstälteste Geschäft im Handelsweg befindet sich am gegenüberliegenden Ende der Passage und bedient eine wahrscheinlich genau gegensätzliche Klientel: Das 1996 eröffnete „Comiculture“ ist die zentrale Anlaufstelle für Comic- und Rollenspiel-Fans in Braunschweig und Region. Hier reihen sich Regalmeter voller Comichefte und Mangas aneinander, stapeln sich Kartenspiele und Tabletop-Boxen, stehen ganze Regimenter liebevoll bemalter Spielfiguren in Reih und Glied. Und mittendrin sitzt eine Gruppe junger Spieler um einen großen Tisch, würfelt, tauscht Karten und kommuniziert angeregt in einer Sprache, die auf Außenstehende wie eine rätselhafte Mischung aus Programmiersprache und Klingonisch wirkt. „Im Handelsweg gab es vor vielen Jahrzehnten das erste Eis Braunschweigs. Ich hoffe, in dreißig Jahren wird den Menschen über den Handelsweg als erstes einfallen, dass hier Braunschweigs Comicladen war“, scherzt Inhaber Stefan Richter optimistisch.

Foto: Stephen Dietl

Das „Café Riptide ist Szenecafé und Plattenladen in einem. Foto: Stephen Dietl

„Musik – Kunst – Café“, so die treffende Selbstbeschreibung des „Café Riptide“, Braunschweigs wohl angesagtestem Szenecafé und Plattenladen. Es dürfte kaum eine Studentin oder einen Studenten geben, der nicht schon mal im Riptide verabredet war und eine der vielen vegetarischen und veganen Snacks genossen hat – vom veganen Cookie und Schoko-Käsekuchen bis zur vegetarischen Currywurst und Hamburger. Dazu einen fair gehandelten Latte Macchiato oder eine der hausgemachten saisonalen Spezialitäten wie erfrischenden Eistee im Sommer oder einen heißen 43er-Banane im Winter. So abwechslungsreich wie seine Speisekarte ist auch die Plattenecke des Riptide, eine kleine aber gut sortierte Auswahl an „Musik für Fortgeschrittene“: Von Pop und Indie über Punkrock und Metal bis Elektronik, HipHop und Jazz findet der anspruchsvolle Musikliebhaber hier alles, was das audiophile Herz begehrt – kompetente Beratung inklusive. Zu guter Letzt fungiert das Riptide auch noch regelmäßig als Veranstaltungsort für Lesungen, Kunstausstellungen, kleinere Konzerte und Partys.

Foto: Stephen Dietl

Im „Serge“ findet man ungewöhnliche Geschenke und besondere Bücher. Foto: Stephen Dietl

Was im Vorbeigehen aussieht wie ein Trödelladen, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als fein sortierte Schatzkammer: „Serge“, das Antiquariat im Handelsweg. „Ich sammle Dinge, die Geschichten erzählen. Mein Laden ist ein narrativer Raum“, beschreibt Serge Roon (71) sein kleines Reich zwischen Café Riptide und Tante Puttchen. In seinem früheren Leben war er Schauspieler und Regisseur, zuletzt Intendant des Schlosstheaters Celle. Im Ruhestand erfüllte er sich den lange gehegten Traum vom eigenen Antiquariat, um sich vollends seiner Leidenschaft für außergewöhnliche Kunstgegenstände und anspruchsvolle Literatur widmen zu können. Wer alte Bücher liebt, ein ungewöhnliches Geschenk sucht oder einfach nur mit Serge Roon über das Leben philosophieren möchte, ist hier an der richtigen Adresse. „Der Handelsweg ist ein Stück weit Bohème, hier verkehren Künstler und Subkulturen, wie es in dieser Form in Braunschweig einmalig ist“, beschreibt Serge die Atmosphäre des Handelswegs.

Foto: Stephen Dietl

In der „SchmuckWerkStadt38“ gibt es „Unikate aus liebevoller Hand“. Foto: Stephen Dietl

Direkt gegenüber des Antiquariats Serge hat der jüngste Neuzugang des Handelswegs sein Zuhause: die „SchmuckWerkStadt38“. Die Goldschmiedinnen und Schmuckdesignerinnen Ines Ockert und Birgit Achilles eröffneten hier vor einem halben Jahr ihre Manufaktur für „Unikate aus liebevoller Hand“. In filigraner Handarbeit fertigen sie seitdem individuelle Schmuckstücke für Sie und Ihn nach Wunsch und Maß, restaurieren alte Familienerbstücke und bringen Interessierten die Kunst des Goldschmiedens nahe. Und bieten natürlich auch eine umfangreiche Kollektion eigener Kreationen zum Verkauf an.

Foto: Stephen Dietl

Über 40 Ausstellungen gab es bereits in der Galerie „einRaum5-7“. Foto: Stephen Dietl

Die Galerie „einRaum5-7“ unter der namensgebenden Hausnummer 5-7 ist eine der kleinsten Galerien Braunschweigs und präsentiert seit über fünf Jahren Kunst auf nur 29 m2. Was 2010 als spontanes Zwischennutzungsprojekt von sechs Freunden für den kleinen Raum mit der großen Fensterfront begann, hat sich im Lauf der Jahre zu einer Instanz für Kunst und Kultur abseits des Mainstream entwickelt, die regelmäßig mit größeren Institutionen kooperiert und auch überregional wahrgenommen wird. Über 40 Ausstellungen haben die sechs „einRaumer“ hier seitdem ehrenamtlich organisiert. Und im einRaum5-7 bekommt alles eine Bühne – es muss den Galeristen einfach nur gefallen. Auch spielt bei der Auswahl der Ausstellenden keine Rolle, ob es sich um regionale, noch unbekannte Anfänger oder um etablierte Künstler mit internationalem Renommee handelt. Das ist Graswurzel-Kulturförderung im besten Sinne und fügt sich perfekt in die Nachbarschaft des Handelswegs ein.

Foto: Marion Ley

Bei „Fifty Fifty“ gibt es sowohl 2nd-Hand-Mode als auch Neuwaren. Foto: Marion Ley

Den Abschluss eines Schaufensterbummels durch die geschichtsträchtige Passage bildet, kommt man aus Richtung Innenstadt, das Second-Hand-Bekleidungsgeschäft „Fifty Fifty“. Der Name ist Programm: Das gut sortierte und ständig aktualisierte Warensortiment besteht – auch räumlich getrennt – zu fünfzig Prozent aus 2nd-Hand-Mode und zu fünfzig Prozent aus Neuware. Ein einzigartiger Damenmode-Mix aus bekannten und weniger bekannten Marken mit einer breitgefächerten Preisspanne, der für fast jeden Geschmack und Geldbeutel etwas zu bieten hat – sachkundige und ehrliche Beratung durch Inhaberin und gelernte Schneiderin Marion Ley inklusive. „Der Handelsweg hat ein ganz eigenes Flair, wie man ihn sonst eher aus Berlin oder Paris kennt“, schwärmt Ley. „Hier passen eben auch die etwas anderen Geschäfte hin.“

Und das sind längst nicht alle Adressen, für die sich ein Besuch im Handelsweg jederzeit lohnt. Doch soll an dieser Stelle ja nicht alles verraten sein, der Entdeckertrieb auch noch etwas belohnt werden. Also nichts wie hin zu Braunschweigs etwas anderem Szeneviertel und Großstadtflair genießen!

Text und Fotos: Stephen Dietl