Kinder

Braunschweiger Weihnachtsmarkt mit Kindern

Seit drei Wochen hat der Braunschweiger Weihnachtsmarkt nun bereits geöffnet und auch ich war schon des Öfteren dieses Jahr Weihnachtsmarktbesucher. In diesem Beitrag möchte ich zeigen, was der Weihnachtsmarkt Besonderes für Kinder bereit hält. Ich war mit Kindern zwischen 2 und 9 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt und habe dabei festgestellt, dass viel mehr geboten wird, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.

Eines vorweg: Die beste Zeit für einen Besuch mit Kindern auf dem Weihnachtsmarkt ist vormittags und am frühen Nachmittag, wenn die Feierabendgäste noch nicht eingetroffen sind und den Markt bevölkern. Der Markt hat ab 10:00 Uhr geöffnet (sonntags ab 11:00 Uhr), dann ist genug Platz für Kinderwagen oder Buggy. Und die funkelnden Lichter leuchten auch schon morgens.

Tannengrün und leuchtende Lichter. Foto: Anna Kohnen

Tannengrün und leuchtende Lichter. Foto: Anna Kohnen

Die typischen Orte, an denen man glänzende Kinderaugen sieht, sind natürlich die Kinderkarussells. Davon gibt es drei auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt. Favorit meiner kleinen Begleiter ist eins, das dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Markt steht. Das Karussell hat ansprechende Oldtimer Fahrzeuge, unter anderem einen „Eintracht Braunschweig“-Bulli. Aber auch die beiden anderen Karussells sind perfekt für kleine Kinder geeignet. Für die etwas größeren Kinder (und natürlich auch Erwachsene, die Kind geblieben sind) gibt es das Riesenrad, das seit Jahren während des Weihnachtsmarktes am Burggraben vor dem Deutschen Haus steht.

Viel Spaß im neuen Karussell. Foto: Annan Kohnen

Viel Spaß im neuen Karussell. Foto: Annan Kohnen

Für die ganz Kleinen findet jeden Tag um 11:00 Uhr vormittags ein 15-minütiges Puppentheater unter freiem Himmel auf dem Domplatz statt. Außerdem gibt es die „Weihnachtswerkstatt“ auf einem der stimmungsvoll illuminierten Flöße im Burggraben, in der Kinder basteln, malen und backen können, während ihre Eltern über den Weihnachtsmarkt schlendern. In der Weihnachtswerkstatt werden bis zu zwölf Kinder kostenlos betreut.

Weihnachtsmarkt_BS_Riesenrad

Das Riesenrad ist Spaß für Groß und Klein. Foto: Anna Kohnen

Sind die Kinder älter und wollen weder basteln noch Karussell fahren, spaziert mit ihnen über den Weihnachtsmarkt. In den verschiedenen Buden mit Schmuck, Edelsteinen, Kerzen und anderen Handwerkskünsten gibt es für Kinder genauso viel zu entdecken wie für uns Erwachsene. Mein 9-jähriger Begleiter zum Beispiel ist großer Edelsteinsammler, hat sich riesig über die Buden mit Edelsteinen auf dem Markt gefreut und stundenlang nach neuen Exemplaren gesucht. Andere Kinder begutachten mit viel Freude die schönen Kunstwerke und freuen sich darüber.

Kleine Wichte luken um die Ecke. Foto: Anna Kohnen

Kleine Wichte luken um die Ecke. Foto: Anna Kohnen

Bunte Leckereien, wohin das Auge blickt. Foto: Anna Kohnen

Bunte Leckereien, wohin das Auge blickt. Foto: Anna Kohnen

Selbstgemachte Sterne blinken um die Wette. Foto: Anna Kohnen

Selbstgemachte Sterne blinken um die Wette. Foto: Anna Kohnen

Und ganz egal, wie alt die Kinder sind: Poffertjes und Schmalzkuchen mögen sie alle und die gibt es natürlich auch auf dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt.

Beitrag: Anna Kohnen

 

Den Dingen Seele einhauchen

Hanne Scharnhorst und Michael Nöck Gebhardt-Seele machen seit einer gefühlten Ewigkeit gemeinsame Sache – und die heißt Theater Fadenschein. Bereits während ihres Studiums an der HBK Ende der 70er-Jahre entdeckten beide ihre Liebe zum modernen Figurentheater. 1983 gründeten sie die Gruppe Der Rote Faden, aus der später die bis heute gültige Firmierung werden sollte.

Entscheidung für das Spiel

„Ich habe ursprünglich Kunstpädagogik mit dem Schwerpunkt darstellendes Spiel studiert, und bin über Projekte in die freie Szene hineingekommen. Nach dem ersten Staatsexamen stand dann die Entscheidung an: gehe ich in den Schuldienst und mache ein Referendariat oder mache ich weiter Theater. Zwei Professoren – Enno Podehl, der die studentische Marionettentheatergruppe gegründet hat und Hansgeorg Mahler vom Frankfurter Klappmaultheater – haben mich damals sehr gepusht, und gesagt: Mach weiter“, skizziert Hanne Scharnhorst, die ein wenig schmunzeln muss, wenn die Sprache auf die Anfänge kommt. Anti-AKW, Straßentheater, unterschiedlichste, alternative Projekte, Bio- und Buchläden: Das sei alles sehr rührig gewesen – einfach eine andere Zeit.

Anfänge als Tour-Theater

13 Jahre war das Theater Fadenschein de facto ein Tour-Theater. Bis zu 120 Spiele pro Jahr haben Scharnhorst und Gebhardt-Seele im gesamten bundesrepublikanischen Raum absolviert. Ein kleines Standbein in Braunschweig hatten beide im ehemaligen Kulturzentrum Die Brücke am Steintorwall. „Das war ein Veranstaltungsraum, der früher mal ein Kino war, quasi der Vorläufer unseres eigenen Hauses. Dort haben wir ein kontinuierliches Figurentheaterprogramm mit eigenen Produktionen und Gästen gemacht. Künstlerisch hatten wir da schon recht viel Erfolg, vor allem mit den Kinderstücken, die sehr gut besucht waren“, erinnert sich Scharnhorst, und fügt lachend hinzu: „Wir hatten damals aber auch mit verschiedensten Zwängen zu kämpfen.“ Immer wieder habe man mit den Hufen gescharrt, mehr machen wollen, was jedoch unter anderem durch die allzu starren Öffnungszeiten der Räumlichkeiten des Kulturamtes, die sich nach dem Hausmeister richteten, verhindert wurde. In dieser Zeit entstand der Wunsch nach einem eigenen Haus.

Das Theaterhaus im Bültenweg

Das Theater Fadenschein am Bültenweg. Foto: André Pause

Das Theater Fadenschein am Bültenweg. Foto: André Pause

 

Der Zufall sollte den Theaterleuten schließlich helfen. Hanne Scharnhorsts Mann hatte einen Atelierplatz in einem historischen Gebäude aus dem vorletzten Jahrhundert. Als er erfuhr, dass die ehemalige Konservenfabrik verkauft werden soll, gab er sein Wissen weiter. Michael Nöck Gebhardt-Seele prüfte daraufhin, ob ein Kauf realisierbar wäre. Das war er, und so wurde das Gebäude im Bültenweg 95, vis-à-vis des Botanischen Gartens, nach jahrelangem Umbau zur festen Heimat des Theaters Fadenschein. Seitdem wird der Saal mit 120 Sitzplätzen ganzjährig bespielt. Dass das Leben auf Tour damit ein Ende hatte, kam Hanne Scharnhorst übrigens sehr entgegen. 1992 brachte sie Tochter Alba, heute selbst eine Theater-Enthusiastin, zur Welt. „Außerdem hatte ich es, als ich dann so 40 oder 45 war, ziemlich im Kreuz. Unsere Stücke waren vom Bühnenbild schon damals relativ aufwendig. Und bei manchen Touren haben wir das bis zu dreimal am Tag auf- und abgebaut.“

Herausforderungen für Theater

Stationär habe man jetzt bisweilen die Möglichkeit auch mal 20 Spiele in einer Bühne zu absolvieren. Eine Entlastung für das lediglich vier Mitarbeiter starke Team des Fadenschein, das sich den vielfältigsten Herausforderungen ausgesetzt sieht. „Vor allem gibt es heute unheimlich viel Konkurrenz. In der Braunschweiger Kindertheaterszene ist viel los, im Erwachsenentheater natürlich erst recht. Darüber hinaus konkurrierst Du anders als in den Anfängen viel mehr mit Events. Allein Theater zu machen reicht oft nicht mehr. Ein Stück muss heute mehr in einen bestimmten Rahmen eingebunden sein“, erklärt die Theaterleiterin. Die Kunst sei in Zeiten des Theaters mit Alltagsexperten beim gewissenhaften rumfeilen am Alleinstellungsmerkmal, nicht im eigenen Saft zu schmoren und auf der anderen Seite das Programm nicht zu verwässern. Im Vergleich zu früher trage man heute natürlich eine ganz andere Verantwortung – nicht nur aufgrund des beschäftigten Personals. Das Haus zu bespielen, zu erhalten und dabei über Jahre interessant zu halten ist auch vor dem Hintergrund der institutionellen Förderung essenziell.

Ein Blick in die Werkstatt: Hier werden die meisten Figuren geschaffen, die auf der Bühne zum Leben erweckt werden. Foto: André Pause

Ein Blick in die Werkstatt: Hier werden die meisten Figuren geschaffen, die auf der Bühne zum Leben erweckt werden. Foto: André Pause

Ein Programm für alle

178 Spiele sind im Theater Fadenschein im vergangenen Jahr über die Bühne gegangen, 75 davon waren eigene Produktionen. Dabei ist das Programm im Bültenweg, ein gängiges Vorurteil, keineswegs nur für Kinder. „Der Eindruck entsteht vielleicht, weil wir im Weihnachtsprogramm ausschließlich Kinderprogramm machen. In der Zeit können wir parallel kein Erwachsenentheater anbieten, weil die Umbaumöglichkeiten der Bühne das schlicht nicht hergeben“, sagt Pressesprecherin Annemarie Bastian. Und natürlich habe es mit der Tradition des Figurentheaters zu tun. „Da denken die meisten erst mal an den Kasper. Das ist total verwurzelt in den Köpfen“, ergänzt Hanne Scharnhorst. Dabei berge Figurentheater die Chance, sich sehr vielfältig mit dem Thema Theaterspielen zu beschäftigen, gerade weil man auf der Bühne nicht nur ganz klassisch einen Text und Schauspieler habe: „Man kann in unterschiedlichsten bildhaften Genres denken, experimentieren und dabei auf einer anderen Ebene als der sprachlichen arbeiten. Im Liliputtheater beispielsweise gibt es ja überhaupt keine Geschichten. Da läuft aufgrund des Wegfalls der kognitiven Ebene alles assoziativ über Emotionen und Bilder. Und das kann man, gerade heute, wo man den Menschen ganzheitlich betrachtet und andere Bereiche als nur den Kopf anspricht, verstärkt auch auf das Erwachsenentheater übertragen. Es geht auch darum, Dingen beziehungsweise Materialien Seele einzuhauchen. Ein Abstraktionsgrad, den es im Schauspiel sonst wenig bis gar nicht gibt.“

Formate mit Weitblick

Dass auch Jugendliche und Erwachsene ihren Spaß beim Figurentheater haben, stellen die Fadenscheins ganzjährig unter Beweis. Unter dem Motto „AugenSchmaus“ bietet das Theater bereits seit den Anfängen Vorstellungen mit einem kulinarischen Rahmenprogramm an. Familien mit älteren Kindern schwören auf das Format „Pizza & Theater“. Alle drei Jahre wird darüber hinaus mit dem Weitblick-Festival ein umfassender Einblick in die verschiedensten Spielarten aus der Welt des Figurentheaters gegeben. Vom 14. bis zum 23. Oktober ist es wieder so weit.

Pädagogische Angebote und zahlreiche Kooperationen runden das Angebot ab.

Aktuelle Informationen zu allen Aktivitäten und Produktionen finden Sie auch im Internet unter www.fadenschein.de.

Text und Bilder: André Pause
Artikelbild  (v.l.).: Stephanie Sahl (Organisation), Hanne Scharnhorst (Figuren, Spiel, Regie, Gestaltung, Dramaturgie, Spielplan, künstlerische Leitung Festival Weitblick), Michael Nöck Gebhardt-Seele (Bühnenbild, Figuren, Spiel, Technik, Finanzen, Internet), Annemarie Bastian (Öffentlichkeitsarbeit).

Auf die Plätze, fertig, los – Braunschweigs Spielplätze locken Kinder und Eltern ins Grüne

Bis zum Jahr 2020 soll die Region Braunschweig-Wolfsburg Referenzregion für Arbeits- und Lebensqualität sein. Mit rund 250.000 Einwohnern spielt Braunschweig als Wirtschaftszentrum und zweitgrößte Stadt Niedersachsens eine wichtige Rolle. Attraktive Arbeitsplätze, kurze Wege und viel Grün machen die Löwenstadt für junge Familien besonders interessant.

Der Kinderstadtplan weist den Weg

Für den Nachwuchs gibt es in Braunschweig ein umfassendes Angebot an altersgerechten Betreuungs- und Freizeitmöglichkeiten. Der „Kinderstadtplan“ bietet interessierten Eltern Übersicht und Orientierung. Zu den beliebten Klassikern gehört beispielsweise „FiBS – Ferien in Braunschweig“. In jedem Jahr organisiert der Fachbereich Kinder, Jugend und Familie der Stadt Braunschweig in den Oster-, Sommer- und Herbstferien ein umfangreiches Programm an Aktivitäten, gerade findet das große FiBS-Camp 2016 statt.

Schaukelspaß in Innenstadtnähe auf dem Spielplatz im Inselwallpark. Foto: Jan Engelken

Schaukelspaß in Innenstadtnähe auf dem Spielplatz im Inselwallpark. Foto: Jan Engelken

Spielplätze für den kleinen Spaß zwischendurch

Für abenteuerlustige Kinder ab sechs Jahren gibt es in Braunschweig einen Abenteuer- und zwei Aktivspielplätze. Hier können Kinder unter pädagogischer Anleitung auf ausgedehnte Erkundungstour gehen, Hüttenbau, Stockbrot und sogar Tiere kennenlernen. Natürlich kommt auch der kleine Spaß zwischendurch in Braunschweig nicht zu kurz, im Stadtgebiet gibt es über 100 Kinderspielplätze. Eltern mit Kleinkindern finden Sandkästen, Mini-Rutschen und Babyschaukeln vor, für größere Kinder gibt es Seilbahnen und Klettergeräte. Der Großteil der Spielplätze ist ruhig gelegen, einige sind in städtische Parkanlagen integriert, wie die Spielplätze im Inselwallpark, im Prinz-Albrecht-Park oder im Theaterpark.

Stets gut besucht und die Bäume spenden an sonnigen Tagen Schatten: Der Spielplatz im Prinz-Albrecht-Park. Foto: Jan Engelken

Stets gut besucht und die Bäume spenden an sonnigen Tagen Schatten: Der Spielplatz im Prinz-Albrecht-Park. Foto: Jan Engelken

Anschluss finden in der neuen Heimatstadt

Braunschweigs Spielplätze sind für junge Familien optimal, um Anschluss in der neuen Heimatstadt zu finden. Hier trifft sich nicht nur der Nachwuchs zum Spielen, hier kommen auch die Eltern zusammen. Häufig kennt man sich untereinander, wohnt in der Nachbarschaft, begegnet sich regelmäßig auf dem Spielplatz, trifft sich auf einen Plausch. Für Mütter, Väter und Kinder ist der Spielplatz der soziale Hot Spot im Quartier, und während die Kleinen neue Spielkameraden finden, entstehen die Kontakte zwischen Neuankömmlingen und einheimischen Eltern fast von selbst.

Freizeitspaß genießen und die Stadt entdecken

Ein besonderes Erlebnis ist der neue Jugendplatz am Westbahnhof. Die ehemalige Gleisanlage wurde in ein weitläufiges Freizeitgelände verwandelt, die feierliche Eröffnung des Areals „Westbahnhof“ fand im Oktober 2015 statt. Für Jugendliche gibt es hier einen überdachten Skate-, BMX- und Basketballbereich, nebenan wurde ein großes Fußballfeld mit Kunstrasen angelegt. Das Gelände liegt direkt am Braunschweiger Ringgleis. Die historische Bahntrasse ist zu einem naturnahen Geh- und Radweg umgestaltet worden, der mehrere Stadtteile verbindet. Freizeitspaß genießen und ganz nebenbei die Stadt entdecken – hier ist beides möglich!

Am Westbahnhof ist ein weitläufiges Freizeitgelände mit Kunstrasenplatz entstanden. Foto: Jan Engelken

Am Westbahnhof ist ein weitläufiges Freizeitgelände mit Kunstrasenplatz entstanden. Foto: Jan Engelken

Text: Jan Engelken

Artikelbild: „Hier trifft man viele andere Eltern und für die Kinder gibt es immer ein Plätzchen im Schatten“ – Katharina mit Tochter Jule (12 Monate) auf dem Spielplatz im Prinz-Albrecht-Park. Foto: Jan Engelken

Große und kleine Freizeitoasen

Der erste braunschweig best choice Spielplatz-Check hat mich vergangene Woche auf den Abenteuerspielplatz Melverode geführt. Neben diesem Erlebnisklassiker im Süden Braunschweigs gibt es noch zwei weitere Aktivspielplätze in der Stadt. Auch hier können Kinder unter pädagogischer Aufsicht und Anleitung gestalten, klettern, spielen und die Natur erleben. Im Norden Braunschweigs befindet sich der Aktivspielplatz Schwarzer Berg, der Aktivspielplatz Gliesmarode liegt im Osten. Alle drei Spielplätze sind in der grünen Peripherie Braunschweigs angesiedelt und trotzdem gut mit Bus, Tram, Rad oder Auto zu erreichen.

Aktivspielplatz Gliesmarode: „Reinschauen und wohlfühlen“

„Reinschauen und wohlfühlen“ lautet das Motto auf dem Aktivspielplatz Gliesmarode. Wer dem verschlungenen Karl-Hintze-Weg folgt und nicht zu früh ins FiBS-Camp 2016 abbiegt, erreicht nach einigen hundert Metern die Hausnummer 6. Während der Öffnungszeiten – Montag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr – und bei gutem Wetter ist der Aktivspielplatz häufig auch an einem Eiswagen und einer kleinen Menschentraube vor dem Eingang zu erkennen.

Aktivspielplatz Gliesmarode. Foto: Jan Engelken

Aktivspielplatz Gliesmarode. Foto: Jan Engelken

Inlineskaten und Basketballspielen

Der Eiswagen steht nicht ohne Grund vor dem Spielplatzgelände. An warmen Sommertagen sind über 100 Kinder auf dem 5.000 Quadratmeter großen Gelände unterwegs, bei so vielen Spiel- und Sportmöglichkeiten ist eine Erfrischung zwischendurch höchst willkommen. Apropos Sport: Der Aktivspielplatz Gliesmarode bietet nicht nur viel Grün mit Nestschaukel, Seilbahn, Rutsche und Bolzplatz. „Wir haben hier auch eine sportbeschichtete Rollschuhbahn, die Kinder können Inlineskaten und Basketballspielen“, erklärt Erzieherin Susanne Braun.

Elisha (9 Jahre) baut gemeinsam mit ihrer Mutter ein Windspiel auf dem Aktivspielplatz Gliesmarode. Foto: Jan Engelken

Elisha (9 Jahre) baut gemeinsam mit ihrer Mutter ein Windspiel auf dem Aktivspielplatz Gliesmarode. Foto: Jan Engelken

Familiäres Miteinander wichtig

2017 wird der Aktivspielplatz Gliesmarode 40 Jahre alt, Susanne Braun kennt die Einrichtung seit fast 30 Jahren. „Die Kinder fühlen sich hier einfach wohl und das war damals schon so. Gerade habe ich frühere Spielplatz-Kinder getroffen, die ich als Sechsjährige hier kennengelernt habe. Jetzt bringen sie ihren eigenen Nachwuchs zu uns“, berichtet Braun. Das familiäre Miteinander auf dem Spielplatz, der von der Ev.-luth. Kirchengemeinde Riddagshausen-Gliesmarode getragen wird, ist ihr und den zwei weiteren Betreuern sehr wichtig. „Als ich vor vier Jahren wieder hierher zurückkam, habe ich gesagt: Ich bin wieder zuhause“, erinnert sich Braun.

Ibrahim (10 Jahre) ist meist auf dem Fußballplatz. Schwester Maria (7) ist oft dabei. Foto: Jan Engelken

Ibrahim (10 Jahre) ist meist auf dem Fußballplatz. Schwester Maria (7) ist oft dabei. Foto: Jan Engelken

Aktivspielplatz Schwarzer Berg: Umgeben von dichtem Grün

Träger des Aktivspielplatzes Schwarzer Berg ist der gleichnamige Verein Aktivspielplatz Schwarzer Berg e. V. Die Adresse der kleinen, liebevoll „Akki“ genannten Freizeitoase ist mit „Hinter dem Hochhaus Sielkamp 52“ angegeben. Ganz einfach zu finden ist der Aktivspielplatz nicht, man sollte aufmerksam der Ausschilderung folgen. Aber die kleine Entdeckungstour lohnt sich, denn auch der Aktivspielplatz Schwarzer Berg zeichnet sich durch seine ruhige, idyllische Lage aus. Flankiert wird das Gelände vom Naherholungsgebiet rund um den Ölpersee, der Spielplatz selbst befindet sich in einem kleinen Talkessel und ist rundherum von dichtem Grün umgeben.

Fast wie im Dschungel: Der Aktivspielplatz Schwarzer Berg ist rundherum von dichtem Grün umgeben. Foto: Jan Engelken

Fast wie im Dschungel: Der Aktivspielplatz Schwarzer Berg ist rundherum von dichtem Grün umgeben. Foto: Jan Engelken

Sanierungsarbeiten in vollem Gange

Auf dem kleinen Spielplatz ist zurzeit viel in Bewegung. Gerade wurden neue Bohlen an den beiden Klettergerüsten montiert, bis zum Ende der Sommerferien soll die neue Rutsche fertiggestellt sein. Der Vereinsvorstand um den neuen Vorsitzenden Christian Plock hat sich zusammen mit den zwei Betreuern vor Ort, Michael Bitter und Hellas Irmer, einiges vorgenommen. „Die alte Rutsche war leider nicht mehr zu retten. Die neue Rutsche wird in Kooperation mit der Stadt Braunschweig und der Volkshochschule Braunschweig realisiert“, erläutert Plock sein Vorhaben. Darüber hinaus möchte Plock die Kooperation mit der Grundschule Am Schwarzen Berge ausbauen. Gemeinsam werden Schul-AGs angeboten: „Schach“, „Hütten bauen“ und zum Thema „Natur“.

Das Klettergerüst auf dem Aktivspielplatz Schwarzer Berg wurde gerade renoviert. Foto: Jan Engelken

Das Klettergerüst auf dem Aktivspielplatz Schwarzer Berg wurde gerade renoviert. Foto: Jan Engelken

Es bleibt spannend

Der Spielplatz ist in den Ferien montags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, in der übrigen Zeit von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Neben den beiden Klettergerüsten gibt es eine Schaukel, eine Wippe, ein Jugend- und ein Werkstatthaus sowie das Hauptgebäude mit Aufenthaltsraum und Kicker. Wer den Fußball nicht nur auf dem Tisch, sondern auch auf dem Rasen rollen lassen möchte, geht einfach nach nebenan auf den Bolzplatz. Auf dem Aktivspielplatz Schwarzer Berg wird gerade kräftig angepackt: Die Sanierungsarbeiten finden vormittags statt, nachmittags können die Kinder ganz normal spielen. Es bleibt also spannend auf dem Aktivspielplatz Schwarzer Berg – genau das Richtige für abenteuerlustige Kinder zwischen 6 und 14 Jahren.

Text: Jan Engelken

 

Spiel mit den Elementen

In Braunschweig gibt es ein großes Angebot an Spielplätzen. In jedem Quartier haben Kinder und Eltern die Möglichkeit, gemeinsam einen Tag im Freien zu verbringen. Neben den über 100 Spielplätzen im Stadtgebiet gibt es darüber hinaus 3 Abenteuer- und Aktivspielplätze. Diese Spielplätze werden von pädagogischem Fachpersonal geleitet und bieten Kindern und auch Eltern ein breites Spektrum an Betreuungsangeboten und Freizeitaktivitäten.

14.000 Quadratmeter für kleine Abenteurer

5)„Zwischen Himmel und Erde“ – Die Kinder lernen den Umgang mit den Elementen. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

5) „Zwischen Himmel und Erde“ – Die Kinder lernen den Umgang mit den Elementen. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

Die älteste und vielleicht bekannteste Einrichtung dieser Art befindet sich im Ortsteil Melverode. Die naturnahe, ruhige Lage in der Nähe des Südsees und des Braunschweiger Zoos machen den Abenteuerspielplatz Melverode zum heißen Tipp für einen spannenden Ausflug ins Grüne. Aber nicht nur die Lage in Innenstadtnähe macht die Einrichtung interessant für kleine Abenteurer. Auf 14.000 Quadratmetern bietet der Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V. eine Menge Spaß und Erlebnis für die jungen Besucherinnen und Besuchern.

„Zwischen Himmel und Erde“

4)Diplom-Sozialpädagogin Evelyn Simson leitet den Abenteuerspielplatz Melverode. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

Diplom-Sozialpädagogin Evelyn Simson leitet den Abenteuerspielplatz Melverode. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

„Als einzige Einrichtung in Braunschweig bieten wir hier tiergestützte Pädagogik“, erklärt Evelyn Simson, pädagogische Leiterin des Abenteuerspielplatz Melverode und seit 40 Jahren aktiv dabei. Das Tierhaus mit seinen Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hühnern ist ein Highlight des Abenteuerspielplatzes, die Tierpatenschaften bei den Kindern sehr gefragt. Unter dem Motto „Zwischen Himmel und Erde“ geht es aber nicht nur um den bewussten Umgang mit Tieren. Die Kinder haben noch mehr Möglichkeiten, um sich spielerisch auszuprobieren, soziales und ökologisch verantwortungsvolles Verhalten zu erlernen.

Individuelle Erfolgserlebnisse und Gemeinschaftsgefühl schaffen

Dabei spielen die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft eine zentrale Rolle. Sie sind auf dem Abenteuerspielplatz direkt erfahrbar, die Kinder lernen hier den Umgang mit ihnen. Leiterin Evelyn Simson: „In unserem Feuerbereich backen wir jeden Mittwoch gemeinsam Stockbrot, und wenn ein Betreuer dabei ist, können die Kinder dort auch allein Feuer machen. Im Matschbereich lernt man Wasser und Erde kennen, kann Staudämme bauen oder einfach herummatschen“. Beim Hüttenbau werden der Umgang mit Werkzeugen und Werkstoffen vermittelt, individuelle Erfolgserlebnisse und Gemeinschaftsgefühl geschaffen, Teamwork erlernt. Darüber hinaus gibt es einen kleinen Bolzplatz und weitere Spielgeräte. Wenn es regnet oder die Tage kühler werden, wird im Gemeinschaftsraum gespielt, gegessen oder sich verkleidet.

Mit einem alten Feuerwehrwagen ging es los

Giuliana (9 Jahre) mit ihrem Patentier „Lilly“: „Hier lernt man viel über Tiere, das finde ich toll.“ Foto: Jan Engelken

Giuliana (9 Jahre) mit ihrem Patentier „Lilly“: „Hier lernt man viel über Tiere, das finde ich toll.“ Foto: Jan Engelken

Das 42-jährige Bestehen des Abenteuerspielplatzes ist eine Erfolgsgeschichte und ein gutes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement: „Angefangen haben wir mit einem alten Feuerwehrwagen“ berichtet Evelyn Simson, „nach und nach kamen dann immer mehr Häuser und Spielmöglichkeiten dazu.“ Heute ist der Abenteuerspielplatz das ganze Jahr von Sonntag bis Donnerstag geöffnet, hinzu kommt ein spezielles Ferienprogramm. Das lässt sich von den zwei hauptamtlichen Beschäftigten des Vereins kaum allein bewältigen. Gefördert wird das Angebot von der Stadt Braunschweig, dringend nötige Unterstützung in Form von Geld oder Sachmitteln kommt von Unternehmen, privaten Spendern oder der Jugendfeuerwehr.

Ehrenamtliches Engagement unverzichtbar

7)14.000 Quadratmeter für abenteuerlustige Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

14.000 Quadratmeter für abenteuerlustige Kinder zwischen 6 und 12 Jahren. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

Ehrenamtliche Helfer, Praktikanten und der Verein AntiRost Braunschweig unterstützen das Spielplatzteam und sind für den Erhalt des Angebots unverzichtbar. Manche Kinder bleiben auch als Jugendliche dem Spielplatz verbunden und helfen mit. „Das Höchstalter für unsere Besucherinnen und Besucher beträgt eigentlich 12 Jahre. Aber wer schon lange dabei ist, sich an die Regeln hält und selbst aktiv werden möchte, kann sich natürlich bei uns engagieren“, sagt Evelyn Simson. Zurzeit wird außerdem ein „Bufdi“ gesucht. Wem die Arbeit mit Kindern und Natur, Umwelt und soziales Engagement am Herzen liegen, kann den Bundesfreiwilligendienst beim Trägerverein des Abenteuerspielplatz Melverode leisten.

Text: Jan Engelken
Artikelbild: „Zwischen Himmel und Erde“ – Die Kinder lernen den Umgang mit den Elementen. Foto: Verein zur Förderung der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Melverode e. V.

Von Spatzen und Zwergen

Kinderbetreuung ist ein wichtiges Thema – nicht nur für Berufstätige, sondern auch für Studierende. Seit über zwanzig Jahren bietet das Studentenwerk OstNiedersachsen Kinderbetreuung in unmittelbarer Nähe der Technischen Universität Braunschweig an und unterstützt auf diese Weise junge Eltern im Studium.

Zwei Kitas am Hochschulstandort Braunschweig

Los ging es 1993 mit der Kindertagesstätte Zwerge. In das große Gebäude am Fallersleber-Tor-Wall zog ein Kindergarten für Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Seitdem hat sich einiges getan, die Nachfrage an Betreuungsplätzen ist gestiegen und auch das Betreuungsangebot selbst wurde den Bedürfnissen angepasst. 2009 wurde eine zweite Betreuungseinrichtung, das Spatzennest, eröffnet. Der elegante Neubau in frischem Grün schmiegt sich an die Südflanke des Backsteinaltbaus an der Pockelsstraße – dem „Tor“ zum Hauptcampus der Technischen Universität – mit Naturhistorischem Museum und Haus der Wissenschaft. Gleichzeitig haben sich die beiden Einrichtungen von klassischen Kindergärten zu Kinderkrippen weiterentwickelt. Das heißt, es werden Kinder im Alter von zwei Monaten bis drei Jahren aufgenommen. „Insgesamt haben wir vier Krippengruppen, auf die maximal sechzig Kinder aufgeteilt werden“, erläutert Jan Schwarz, Leiter der beiden Braunschweiger Kindertagesstätten des Studentenwerks OstNiedersachsen. Sowohl Alt- als auch Neubau verfügen über helle, weitläufige Räumlichkeiten und einen Garten zum Spielen.

Ausgedehnte Betreuungszeiten

Jan Schwarz leitet die Kitas „Spatzennest“ und „Zwerge“ des Studentenwerks OstNiedersachsen. Foto: Jan Engelken

Jan Schwarz leitet die Kitas „Spatzennest“ und „Zwerge“ des Studentenwerks OstNiedersachsen. Foto: Jan Engelken

Spielen, Lernen, regelmäßige Ausflüge – bei den Kindern der Kitas Zwerge und Spatzennest ist Spaß und Abwechslung angesagt. Natürlich wird auch an die Eltern gedacht: „Ein großer Vorteil ist, dass die Einrichtungen zentral auf dem Campus und damit auch in Innenstadtnähe liegen. Mit unseren Betreuungszeiten können wir außerdem sehr flexibel auf die Bedürfnisse der studentischen Eltern eingehen. Es gibt sonst nur wenige Einrichtungen, die Betreuungszeiten von 7:30 Uhr bis 18:00 Uhr anbieten können“, sagt Kita-Leiter Jan Schwarz. Der 31-jährige Schwarz hat selbst als Praktikant in den Kitas des Studentenwerks angefangen, danach war er Betreuer. Als Leiter kümmert er sich jetzt vor allem um die Organisation, ist aber auch nach wie vor als Erzieher in den Gruppen aktiv, zusammen mit sechzehn fest angestellten Kolleginnen.

„Flexible Kinderbetreuung“ vermeidet Betreuungslücken

Das macht Spaß: Beim Zeitungszerreißen sind die Kinder der Gruppe Spatzennest vorn mit dabei. Aber Aufräumen muss später auch sein. Foto: Jan Engelken.

Das macht Spaß: Beim Zeitungszerreißen sind die Kinder der Gruppe Spatzennest vorn mit dabei. Aber Aufräumen muss später auch sein. Foto: Jan Engelken.

Weitere zehn Erzieherinnen und Erzieher stellen die flexible Kinderbetreuung sicher. Dabei handelt es sich um ein spezielles Betreuungsangebot, das das Studentenwerk Ostniedersachsen zusammen mit der Technischen Universität Braunschweig eingerichtet hat. Die flexible Kinderbetreuung kann montags bis freitags in der Zeit von 8.00 Uhr bis 18.30 Uhr stundenweise gebucht werden und deckt Betreuungslücken ab. Sie richtet sich an Studierende und Mitarbeiter der TU, die kurzfristig und außer der Reihe eine Betreuung für Ihre Kinder benötigen. „In den Sommerferien bieten wir darüber hinaus eine Schulkindbetreuung für Studierende und TU-Mitarbeiter an. Wir versuchen alles, um die Studierenden und Mitarbeiter der TU optimal zu unterstützen“, so Schwarz.

Pädagogischer Wissensstand auf der Höhe der Zeit

Kleine Pause auf dem Sofa. Foto: Jan Engelken

Kleine Pause auf dem Sofa. Foto: Jan Engelken

Das Betreuungsangebot ist konsequent an den Bedürfnissen junger Eltern im Studium ausgerichtet. Allerdings sind die beiden Kitas nicht nur ausschließlich Studierenden und TU-Mitarbeitern vorbehalten: 70 Prozent der Betreuungsplätze gehen an Kinder von TU-Studierenden, die restlichen Plätze werden extern vergeben. Auch diese Plätze sind heiß begehrt, der Andrang ist groß. Das liegt an der Qualität der Betreuung und einem durchdachten Konzept: Pädagogischer Wissensstand auf der Höhe der Zeit, sach- und kindgerechte Ausstattung der Räume und des Außengeländes, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Eltern und Elternvertretern, optimales Betreuungs- und Arbeitsklima durch zufriedenes Personal. Kita-Leiter Jan Schwarz: „Wir legen sehr viel Wert auf die Selbstständigkeit der Kinder und das Sozialverhalten untereinander. Wir geben den Kindern Freiräume um ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln und unterstützen sie dabei. Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo und wir versuchen es genau dort abzuholen, wo es gerade steht.“

Text: Jan Engelken
Artikelbild: Studentenwerk OstNiedersachsen

Die ganze Welt der Möglichkeiten

„Mittendrin statt nur dabei“ – mit diesem Slogan warb zur Jahrtausendwende ein deutscher Sportfernsehsender. Es ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber das Junge Staatstheater hätte ihn auch hervorgebracht haben können, gelingt es ihm als kulturelle Einrichtung (vor allem) für Kinder und Jugendliche immer wieder, die Barriere zwischen dem Publikum und den Akteuren auf der Bühne zu überwinden.

Vom Theaterspielplatz zum Jungen Staatstheater

Seit 32 Jahren existiert die Sparte am Staatstheater Braunschweig. Eng verknüpft ist die Entstehungsgeschichte mit dem Namen Thomas Lang. Der damalige Theaterpädagoge habe dem Intendanten geradezu in den Ohren gelegen, dass ein Kinder- und Jugendtheater in Braunschweig dringend gebraucht werde, erzählt Andreas Steudtner, seit 2010 Leiter des Jungen Staatstheaters: „In der Schule am Klint fanden erste Vorstellung für Kinder statt. Daraus hat sich letztlich das Haus Drei entwickelt, das zunächst Theaterspielplatz hieß, und mit viel Eigeninitiative von Kollegen wie dem Beleuchtungsmeister Harry Heutink oder eben Thomas Lang, der nun Ehrenmitglied des Staatstheaters ist, erschaffen wurde.“

Experimentierfreude erwünscht

Hinter der Magnikirche liegt das Haus Drei. Foto: André Pause

Hinter der Magnikirche liegt das Haus Drei. Foto: André Pause

Dass das Junge Staatstheater von außen heute als eigenständiger Kosmos wahrgenommen wird, mag zum einen an der Haupt-Spielstätte Haus Drei liegen, die der Besucher etwas versteckt im Magniviertel hinter der Kirche findet. Eine ungleich größere Rolle bei der Verfestigung dieses Eindrucks spielt jedoch der im Vergleich mit dem Erwachsenentheater notwendigerweise andere Umgang mit dem Publikum und den Stoffen. Der Kontakt mit dem Publikum, meist junge Leute, ist ein entspannter und lockerer. „Wir sind um Offenheit und um eine Durchlässigkeit bemüht, die es möglich macht, dass junge Menschen aktiv werden. Bei uns ist Experimentierfreude nicht nur geduldet, sie ist erwünscht. Die Arbeit der Sparte erfolgt immer unter der Fragestellung ’Wie können Kinder mitwirken?‘ Das geht nicht selten so weit, dass Zuschauer zum Teil der Aufführung werden“, erklärt Andreas Steudtner, der in diesem Zusammenhang auf Projekte wie die „Flugschule“ in der vergangenen Spielzeit oder aktuell die „Klimakonferenz“ verweist.

Vieles ist selbstgemacht

Ein weiterer konzeptueller Baustein in Sachen Interaktion ist die Reihe Nachtlager, die vor allem Begegnungen der Künstler mit dem Publikum und damit einen regen Austausch ermöglicht. „Hier können bestimmte Sachen zur und um die Vorstellung herum stattfinden, die sonst nicht so im Zentrum stehen“, so Steudtner. Dabei werde natürlich vieles selber gemacht, beinahe so wie zu der Zeit, als der Theaterspielplatz noch eine freie Gruppe im Rahmen des Staatstheaters war. „Thomas Fehrle, der damalige Geschäftsführer sagte zu mir, als ich hier anfing: Früher war das so, dass wir 50 000 Mark gegeben haben, und damit hatten wir dieses Kindertheater von der Backe. Es ist ja erst unter Wolfgang Gropper zum Jungen Theater geworden, und das Haus Drei zu einer Spielstätte des ganzen Theaters“, skizziert der Leiter des Jungen Staatstheaters.

Umfangreiches Programm

Auf der anderen Seite ist die junge Sparte nun in allen Häusern des Staatstheaters vertreten. Der selbstgesetzte strenge Rahmen umfasst ein neues Stück pro Altersgruppe und Spielzeit. Hinzu kommen Wiederaufnahmen und das Familienstück zur Weihnachtszeit. „Es gibt neben dem Familienstück immer etwas für die Kinder ab sechs, das sind in dieser Spielzeit „Der nackte Kaiser“ und die Tanzproduktion „Schnick Schnack Schnuck“. Für die Kinder ab neun zeigen wir „Füße im Himmel“. Und dann gibt es noch Jugendstücke für Kinder ab zwölf. Was wir auch aber ganz selten machen, sind Produktionen für Jugendliche ab 16. Da greift dann ohnehin das Programm im Schauspiel, wo ganz gezielt Sachen gezeigt werden, wie „Im Westen nichts Neues“ oder „Dantons Tod“, entsprechend zu dem Stoff, der in der Schule gelesen wird“, führt Andreas Steudtner aus.

Das reizvollere Theater?

Andreas Steudtner und Marcel Büttke sind zwei von zehn Mitarbeitern der Sparte Junges Schauspiel. Foto: André Pause

Andreas Steudtner und Marcel Büttke sind zwei von zehn Mitarbeitern der Sparte Junges Schauspiel. Foto: André Pause

Alle diese Herausforderungen meistert das Junge Staatstheater mit einem zahlenmäßig eher übersichtlichen Team. Zehn Stellen seien es, rechnen Steudtner und Ravi Marcel Büttge vor. Büttge ist als Schauspieler im dritten Jahr in Braunschweig. Er habe nach der Ausbildung erkannt, dass er Theater für Kinder und Jugendliche machen möchte. Für ihn das reizvollere Theater: „Es liegt mir einfach, mich zu bewegen auch mal Tanz oder Musik zu machen.“ Sonst empfinde er den Unterschied zwischen dem Erwachsen- und dem Jugendtheater als nicht so gravierend. „Ich wüsste nicht, dass es in irgendeiner Form eine andere Ausbildung gibt. Man kommt von der Schauspielschule und kann genauso zum Film gehen wie ans Erwachsenen- oder ans Kinder- und Jugendtheater. Man sollte Lust drauf haben. Es ist vom Spiel, das oft körperlicher ist, und von den Reaktionen natürlich etwas anders. Wichtig ist, dass man sich mit den Stoffen verbinden kann, auch wenn es meist welche sind, die intellektuell nicht so herausfordernd sind. Natürlich haben wir aber auch hier Stücke, in die man sich reinbimsen, reinkrallen, und die man auseinandernehmen muss.“

Die Autonomie der Künstler

Essenziell für die Arbeit am Jungen Staatstheater sei, dass der Schauspieler schnell umschalten könne, so Andreas Steudtner. Mal sei der klassische Schauspieler gefragt, bei nächster Gelegenheit dann eher der Rechercheur, der sich selbst einen Text zusammensucht und in der Improvisation einen Entwurf für die mögliche Präsentation auf der Bühne macht. Dabei setzt der Theaterleiter auf die Autonomie der Künstler, bei einer sehr engen Beratung durch die Dramaturgie: „Ich habe einen großen Willen zur Unterschiedlichkeit der Ergebnisse, weil ich finde, der junge Theaterbesucher, der dem Theater bei uns zum ersten Mal begegnet, soll möglichst die ganze Welt der Möglichkeiten kennenlernen: von einer gut gemachten Inszenierung, wie „Emil und die Detektive“ bis hin zu performativen Geschichten, wo die Jugendlichen selber mitmachen.“

Auch für Erwachsene

In der Regel stehen im Jungen Staatstheater Zukunftsthemen im Mittelpunkt. Das erscheint logisch, geht es bei Kindern und Jugendlichen doch ständig um das Hineinwachsen in die Gesellschaft, um das was kommt. Auch auf die Populärkultur wird immer wieder Bezug genommen. Dennoch ist das Programm der Sparte nicht ausschließlich etwas für die Kleinen und Jungen, sondern durchaus auch für Erwachsene. Zum einen, weil es noch niemandem geschadet hat – sei es ästhetisch oder inhaltlich – über den Tellerrand der eigenen Zielgruppe hinauszublicken, zum anderen, weil bestimmte Produktionen zumindest was den Spielplan des Staatstheaters anbelangt echte Alleinstellungsmerkmale aufweisen. „Bei „Emil und die Detektive“ beispielsweise kommen viele Erwachsene ohne Kinder. Das ist so, weil unser Familienstück immer dem Volkstheater verpflichtet ist, auch wenn wir da dieses Mal ästhetisch einen etwas anderen (jüngeren) Weg gegangen sind. Und das ist schon etwas, dass das Theater sonst eher nicht bietet.“

Text: André Pause
Artikelbild: Volker Beinhorn