Kultur

In English please!

„Geschichte ist das eine, aber Braunschweig hat Geschichten, und die brauche ich“, schreibt Schriftsteller Till Raether über die Löwenstadt. Seine Hommage an Braunschweig als „Der perfekte Plan B“ ist seit letztem Jahr im Kultur- und Reisemagazin MERIAN zu lesen: Die September-Ausgabe des renommierten Heftes widmete sich den schönsten Seiten der Löwenstadt. Exklusive Bildstrecken und spannende Reportagen geben darin einen Einblick in die facettenreiche Geschichte der Stadt bis hin zu ihrer lebendigen Gegenwart. Damit macht das MERIAN-Heft über Braunschweig nicht nur Kultur- und Städtereisende neugierig auf die Löwenstadt, sondern es ist auch ein perfekter Plan A, um Bekannten, Verwandten und Freunden zu zeigen, was Braunschweig für eine Stadt ist.

Titel: Jahreszeiten Verlag

Dass das gut funktioniert, ist offensichtlich: Das MERIAN-Heft über Braunschweig war die erfolgreichste Ausgabe des vergangenen Jahres und fand großen Anklang bei Leserinnen und Lesern. Allerdings waren die Reportagen und Artikel über die bewegte Geschichte, die vielseitige Wissenschafts- und Kulturlandschaft und die abwechslungsreichen Freizeitangebote in der Löwenstadt bis vor einem Monat der deutschsprachigen Leserschaft vorbehalten. Seit Anfang Juni macht das Heft nun in englischer Sprache internationalen Gästen Lust auf einen Besuch in Braunschweig und eignet sich damit bestens als Mitbringsel auch für Freunde, Verwandte und Geschäftspartner im Ausland. Erhältlich ist es in der Touristinfo, Kleine Burg 14, online, im Buchhandel sowie im nationalen und internationalen Flughafen- und Bahnhofsbuchhandel.

 

Text: Redaktion
Titelbild: Jahreszeiten Verlag

Braunschweig hat sein HAUM wieder

Mattes Blau, mattes Grün und mattes Rot – die textilbespannten Wände der Gemäldegalerie im nach sieben Jahren Planung, Sanierung und Einrichtung neu eröffneten Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) sind nicht in den klassischen Galeriefarben gestaltet. Dies sei schon im Vorfeld ein expliziter Wunsch von Besuchern gewesen, so Dr. Silke Gatenbröcker, die Leiterin der Galerie im ersten Stock. Die seidig nicht zu barock schimmernden Primärfarben sind exklusiv für das Kunstmuseum entwickelt worden. Nun tragen sie dazu bei, dass die einzelnen Räume offen und hell wirken, und auch, dass Farbakzente in den Werken besser identifiziert werden können.

Sanierung war dringend nötig

Professor Dr. Luckhardt (rechts im Bild)

Professor Dr. Luckhardt (rechts im Bild) bezeichnet die Neueröffnung seines Hauses bereits überschwänglich als Jahrhundertereignis.

In der Gemäldegalerie des Hauses offenbart sich die größte Kulturbaumaßnahme des Landes Niedersachsen der vergangenen 20 Jahre wohl am Sichtbarsten. 35,6 Millionen sind in die in zwei Bauphasen erfolgte Erweiterung und Sanierung des HAUMs geflossen. Das freilich war dringend nötig, weil der Museumsbau des Architekten Oskar Sommer aus dem Jahr 1887 an seine Grenzen gelangt war: hoffnungslos veraltete Technik, drastische Schäden in der Bausubstanz und schlicht zu wenig Platz für eine 190 000 Kunstwerke umfassende Sammlung. „Ganz offensichtlich war das Museum kurz vor dem Zusammenbrechen. Anders als das Städel Museum in Frankfurt am Main beispielsweise wurde dieses Gebäude im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Es war einfach in die Jahre gekommen. Abgesehen von den Dacharbeiten in den Jahren 1992 und 93 ist hier ja nichts passiert. Der Gordische Knoten konnte also nur zerschlagen werden, indem man alles komplett neu macht“, skizziert Museumsdirektor Professor Dr. Jochen Luckhardt, der die Wiedereröffnung seines Hauses bereits überschwänglich als Jahrhundertereignis bezeichnet hat.

Zurück in der ersten Liga

Das Altgebäude wurde von nachträglichen Einbauten befreit, bis auf den Rohbau entkernt, grundlegend saniert und mit moderner Ausstellungstechnik ausgestattet. Technisch und räumlich spielt das Kunstmuseum des Landes Niedersachsen damit wieder in der ersten Liga deutscher und europäischer Ausstellungshäuser mit. 4000 Kunstwerke spiegeln nach der Neueröffnung auf identischer Quadratmeterzahl eine Spanne von 3000 Jahren Kunstgeschichte, und die Sonderausstellungsfläche für wechselnde Schauen hat sich auf 900 Quadratmeter mehr als verdoppelt.

Fit für moderne Museumsarbeit

Verschiedene Arten der Kunstvermittlung liefern auf verständliche  Weise Informationen zu den Exponaten.

Vor allem sei man durch den erfolgten Ausbau jetzt in der Lage, für Museumsarbeit des 21. Jahrhunderts zu sorgen, so Luckhardt: „Wir haben uns auf ganz unterschiedliche Personenkreise einzustellen. Es kommen ja längst nicht mehr nur klassische Bildungsbürger. Da gibt es die Familien, Menschen die gerade erst damit begonnen haben Deutsch zu lernen oder junge technikaffine Leute. Dieser Verschiebung gilt es Rechnung zu tragen. Das HAUM tut dies unter anderem mit einer Erweiterung des Bereiches Kunstvermittlung. Neben altbewährten Angeboten wie dem Audioguide für Erwachsene und Kinder gibt es neue Vermittlungsformate wie das Besucherinformationssystem „EyeVisit“ – oder den intuitiv bedienbaren Interaktionstisch. Hier werden auf spielerische, niedrigschwellige Art und Weise 70 wichtige Kunstwerke aus den Sammlungen vorgestellt. Klickt ein Besucher beispielsweise das Selbstbildnis von Giorgiones, öffnet sich ein, in dem unter anderem erklärt wird, warum der Künstler auf dem Bild eine Rüstung trägt. „Wenn wir zu einem Bild wissenschaftliche Texte schreiben, dauert das einen ganzen Tag. Den verstehen dann aber auch nicht alle. Deshalb sind diese Erklärungen ganz einfach verfasst, ganz ohne Fremdwörter“, erzählt Professor Luckhardt. Damit die Inhalte des Informationstisches direkt vor dem jeweiligen Kunstwerk aufgerufen werden können, hält die Museumskasse zusätzlich ausleihbare iPads vor.

Orientieren und Andocken

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Ein Einblick in die Gemäldegalerie.

Auch bei der Neukonzeptionierung der Ausstellung stand die größtmögliche Besucherorientierung ganz oben auf der Prioritätenliste, ohne dabei die Prachtentfaltung einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen frühneuzeitlicher Kunst spürbar einzuschränken.
„4000 Kunstwerke auf 38 Ausstellungsräume und drei Etagen verteilt können den Besucher leicht überfordern“, meint Luckhardt. „Unser Lösungsansatz lautet daher: optisch auf Abwechslungsreichtum setzen und inhaltlich Themen wählen, an denen der heutige Besucher andocken kann.“ So ist die Altmeister-Sammlung der Gemäldegalerie mit hochkarätigen Werken des 16. bis 18. Jahrhunderts aus Italien, Holland, Flandern, Frankreich und Deutschland sorgsam kategorisiert worden. Die Räume haben eindeutige Überschriften wie: Erzählkunst – Italienische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts, Familienbilder – Rembrandts Braunschweiger „Familienbild“ im Kontext oder Sinnbilder – Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts. Besonders wichtige Werke sind zudem bevorzugt nah an der Hauptachse platziert, was besonders eiligen Besuchern das Auffinden der Schlüsselpositionen erleichtert.

Skulpturen, Angewandte Kunst und Kupferstich

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Edle Vitrinen und eine Lichtstärke von gerade einmal 50 Lux ermöglichen ein Seherlebnis, dass dem Studiensaal des Kupferstichkabinetts ähnelt.

Im zweiten Obergeschoss, wo im Bereich Skulpturen und Angewandte Kunst allein 3500 der 4000 ausgewählten Kunstwerke gezeigt werden, sorgt ein Parcours-artiger Rundgang für Abwechslung zwischen dichter Inszenierung und großzügiger Raumgestaltung. Weitaus übersichtlicher ist der mit edlen Vitrinen eingerichtete Ausstellungsraum „Kunst und Papier“ im Erdgeschoss. Diese ermöglichen bei einer erlaubten Lichtstärke von gerade einmal 50 Lux ein unmittelbares Seherlebnis, das dem Umgang mit grafischen Werken auf den Tischen im Studiensaal des Kupferstichkabinetts ähnelt.

Geöffnet ist das Herzog Anton Ulrich-Museum von Dienstag bis Sonntag von 11:00 bis:00 18 Uhr.

Informationen:
3landesmuseen.de
blog.haum.info

Text und Fotos: André Pause

Das KULT bietet intime Theatererlebnisse und Künstler zum Anfassen

Kennen Sie Das KULT? Um begrifflichen Missverständnissen vorzubeugen: Die Kurzform von Kultstatus soll ebenso wenig Thema dieser Zeilen sein, wie eine sonst wie geartete Götterverehrung. Hier geht es um das laut Selbstauskunft noch immer kleinste Theater Braunschweigs, das seinen Namen aus programmatischer Entsprechung trägt. KULT steht in diesem Fall für Kunst, Unterhaltung, Literatur und Theater. Und seien wir doch mal ehrlich: Das KULT geht doch wesentlich flüssiger über die Lippen als Das LUKT, Das ULKT oder Das TULK. Nachhaltig im Oberstübchen haften bleibt es sowieso, und last but not least wird eine durchaus sachdienliche etymologische Nähe zum Begriff Kultur suggeriert.

Vom Hagenmarkt zum Schimmelhof

Seit rund zwei Jahren ist Thomas Hirche mit dem KULT im Schimmelhof in der Hamburger Straße 273 zu Hause. Die Wurzeln des Theaters liegen freilich am Hagenmarkt, Hier hatte der Enthusiast in Sachen Kleinkunst ab 2012 seine erste stationäre Spielstätte. Als das Gebäude im Mai 2014 für weitere Büros gebraucht wurde, musste die kleine Bühne mit ihren 40 Plätzen weichen. Ein knappes halbes Jahr spielte Hirche im Anschluss unter dem Namen Das KULT im Exil ein reduziertes Programm in der Gärtnerei Volk. Der Tagesbetrieb der Gärtnerei und des angeschlossenen Café Flora waren dabei eine Herausforderung für den Theatermacher, mussten Aufbau, Spiel und Abbau doch jeweils am Stück erfolgen. „Zum Glück konnte ich die Bühnenelemente immer dort lassen“, schmunzelt der Theatermann, „aber insgesamt war das damals schon sehr aufwendig.“ Aufwendig auch deshalb, weil er von ein paar Handgriffen links und rechts des Kerngeschäftes einmal abgesehen, wirklich alles in Eigenregie erledigt. Hirche ist Künstler, Putzmann, künstlerischer Leiter, Künstlerbetreuer, Kartenabreißer, Thekenkraft und Akquisiteur in Personalunion.

Ein Schmuckkästchen ist entstanden

Geändert hat sich daran bis heute streng genommen: nichts. Seit November 2014 betreibt der 49-Jährige das Theater an neuer Stelle. Der vormalige Mieter der Räumlichkeiten – die Niederdeutsche Bühne – gestattete Hirche schon in der Übergangszeit, seine Requisiten im Schimmelhof C2 unterzustellen. Auch Proben durfte er hinter den dicken Fabrikmauern. Als das auf Plattdeutsch spezialisierte Ensemble andeutete, die Räume abgeben zu wollen, war dies für den Einzelkämpfer in Sachen Kleinkunst eine glückliche Fügung zum passenden Zeitpunkt. „Ich habe dann gesagt: Gut, zieht ihr mal aus, ich bleibe“, lacht Hirche. Passiert ist seither eine ganze Menge: Auf dem Betongrund im Theatersaal wurde ein Holzfußboden verlegt, eine Fluchttür eingebaut und eine Rampe für Rollstuhlfahrer errichtet. Dazu gibt es nun Toiletten für Männer und Frauen. Dass der KULT-Direktor, der als Theaterspieler selbst seit 30 Jahren auf der Bühne steht, unter anderem mit Improvisationstheater und Figurentheaterproduktionen bundesweit unterwegs ist, sein Konzept am aktuellen Standort umsetzen konnte, verdankt er auch der Unterstützung aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Diese reicht von Vermieterin Christine Schubert bis hin zu jenen Geldgebern, die via Crowdfunding die notwendigen Um- und Ausbaumaßnahmen des Theaters mitfinanziert haben. Jetzt ist das KULT ein wahres Schmuckkästchen, und Thomas Hirche hat im Grunde nur noch einen Ausbauwunsch: „Eine kleine Loge mit vielleicht 20 Sitzplätzen. Das wäre toll.“

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Die Richtung stimmt

In der gemütlichen Variante mit kleinen Tischchen finden derzeit 70 Gäste einen Platz. Bei Reihenbestuhlung liegt die Kapazität bei immerhin 100 Besuchern. Was die Auslastung anbelangt, gehe es derzeit in die richtige Richtung, meint der KULT-Macher. 80 Aufführungen hat es im Jahr 2015 gegeben, Ende dieses Jahres werde die 120er-Marke geknackt sein. „Angestrebt hatte ich eigentlich 160, aber mein neuester Spruch heißt: Ich habe einen Kopf und zwei Hände“, grient Hirche. „Wichtig ist: Ich kann alles bezahlen und mir immer noch Brötchen kaufen.“ In Programmfragen lässt sich der gelernte Stahlbauschlosser und studierte Sozialarbeiter ohnehin nicht verbiegen. Bei ihm gibt es Bekanntes, aber auch viel Neues aus dem gesamten Kleinkunstbereich, gerne abseits des Mainstreams. Das ist immer etwas Besonderes, Intimes, beinahe Familiäres mit Künstlern zum Anfassen. Neben verschiedensten Gastspielen, aktuell unter anderem von Ulla Meinecke (22. September) und Lilo Wanders (4. und 5. November), stehen zahlreiche bewährte und regelmäßige Reihen wie „Tasten in der Finsternis“ oder die „Swing Flüsterparty“ im Terminkalender, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

KULTig feiern

In der aufführungsfreien Zeit so Hirche dürfe das KULT übrigens gerne gebucht werden, stundenweise oder für den kompletten Abend, zum Beispiel für Feiern und Feste aller mit bis zu 80 Personen. Auf Wunsch mit individuellem Theater- und Musikprogramm.

Infos und Kontakt

Karten für die Vorstellungen im KULT-Theater sind bei Musikalien Bartels erhältlich. Seit dieser Spielzeit erscheinen quartalsweise liebevoll gestaltete Programmhefte. Weitere Informationen gibt es unter www.daskult-theater.de oder auch telefonisch unter den Rufnummern 0531/ 7 07 65 47 und 0176/ 23 99 38 25.

Text und Bilder: André Pause

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„Eigentlich wollen die Leute bei uns lachen“

Heute wirkt es fast so, als wäre die Komödie am Altstadtmarkt schon immer da gewesen, dabei ist Braunschweigs einziges vollkommen nichtsubventioniertes Privattheater vergleichsweise jung. Am 2. Oktober 2003 wurde das Haus in den ehemaligen Räumen des Lupe-Kinos in der Gördelinger Straße eröffnet.

Braunschweig statt Nürnberg

Dass es zu diesem Lückenschluss im Boulevard-Fach gekommen ist und  Fans der eher leichteren Theater-Muse nun eine Anlaufstelle haben, war schon ein bisschen glückliche Fügung. „Der Beweggrund war in erster Linie vollkommen egoistisch: Ich wollte einfach ein eigenes Theater haben“, erzählt Theaterleiter Florian Battermann schmunzelnd. „Dass es Braunschweig wurde, hat sich erst mit der Zeit herauskristallisiert. Ich war vorher drei Jahre an einem Privattheater in Bonn als stellvertretender Theaterleiter tätig. Irgendwann haben meine damalige Frau und ich ernsthafter geguckt: Wo gibt es denn eine Stadt mit mindestens 250 000 Einwohnern, in der es noch kein privates Unterhaltungstheater gibt? Diese Größe – so hatten wir kalkuliert – musste die Stadt haben, wenn man keinerlei öffentliche finanzielle Unterstützung bekommt.  Zwei Städte blieben übrig, das waren Nürnberg und Braunschweig, und da war uns als gebürtige Niedersachsen Braunschweig näher als Oberfranken.“

Die kurze Suche

Gesehen und für gut befunden: Aus dem ehemaligen Kino wir die Komödie am Altstadtmarkt. Foto: André Pause

Gesehen und für gut befunden: Aus dem ehemaligen Kino wird die Komödie am Altstadtmarkt. Foto: André Pause

Ganz unbekannt war Braunschweig dem Hannoveraner Florian Battermann ohnehin nicht. Um besser herauszufinden, wie die Stadt tickt, aber auch um zu gucken, wo es unter Umständen leerstehende theaterkompatible Ladenlokale gab, hat sich der Theaterleiter eines Sonntagmorgens Anfang der Nullerjahre gemeinsam mit einem Freund ins Auto gesetzt, und ist nach Braunschweig gefahren. Wie es der Zufall wollte, wurde in der Gördelinger Straße geparkt. „Wir sind einfach der Beschilderung ‚Zentrum’ gefolgt und gleich hier gelandet. Mein Freund sah dann dieses Kino und sagte gleich, dass das doch toll wäre, mit diesen Arkadenbögen. Da meinte ich nur: ‚Gerd, spinn nicht rum, da ist ein Kino drin. Warum sollen die das denn räumen für ein Theater.‘ Aber genau das wurde es dann drei Jahre später. Insofern glaube ich heute nicht mehr an Zufälle“, lacht Battermann.

In drei Monaten von der Lupe zur Komödie

In nur drei Monaten wurde aus einem Kino ein Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

In nur drei Monaten wurde aus einem Kino ein Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Als der frühere Kinobetreiber Flebbe das Lupe-Kino einstellte, konnte der zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal 29-jährige Theaterenthusiast Vermieter und Bank von seinem Konzept des Boulevardtheaters überzeugen „So haben wir 250 000 Euro Existenzgründungsdarlehn bekommen, was viel ist, wenn man es nicht hat, aber natürlich nicht viel ist, wenn man ein Theater aufmachen will. Nach drei Monaten Umbauzeit haben wir dann eröffnet“, erinnert sich Battermann, der es bis heute als geschäftlichen Vorteil betrachtet, kein Ur-Braunschweiger zu sein. „Hier habe ich mittlerweile zwar immer den Blick des Dazugehörigen – und ich käme auch überhaupt nicht auf die Idee, wieder nach Hannover zu ziehen, weil ich mich hier sauwohl fühle – aber natürlich bin ich hier nicht geboren und aufgewachsen, nicht sozialisiert worden. Ich kenne eine Menge Leute, aber erst jetzt, und nicht seit dem Kindergarten. Das ist gut, weil man das Ganze nicht ganz so emotional belastet sehen kann.“

Solide Entwicklung und stetige Investitionen

In den dreizehn Jahren ihres Bestehens hat sich die Komödie am Altstadtmarkt bestens entwickelt. Dabei brachte das Publikum dem jungen Theaterleiter und seinem Team von Beginn an großes Vertrauen entgegen. Noch in der Umbauphase – drei Monate bevor überhaupt sichtbar war, dass ein Theater entsteht – wurden die ersten Abos verkauft. Zur Eröffnung hatten bereits 80 Komödienfans ein Spielzeitticket. Im Schnitt vergrößerte sich das Stammpublikum mit jeder Saison um 100 Besucher, so dass jetzt rund 1.400 Abonnenten regelmäßig in das Haus in der Gördelinger Straße kommen. Dafür sind inzwischen acht feste Vollzeitmitarbeiter in den Bereichen Büro, Kasse und Organisation für das Theater tätig sind. „Zumindest das erste Jahr haben ich ja wirklich alles alleine gemacht. Ich frage mich heute manchmal, wie ich das geschafft habe. Zumal ich damals auch schon nebenbei gespielt und inszeniert habe. Wahrscheinlich geht das auch nur mit 30, und dann maximal für ein Jahr oder so“, erinnert sich der Theaterleiter.

Der Publikumsgeschmack ist Verpflichtung

307 Plätze fasst das Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

307 Plätze fasst das Theater. Foto: Komödie am Altstadtmarkt

Da die Komödie am Altstadtmarkt vollkommen ohne öffentliche Subventionen existiert, finanziert sich das Theater ausschließlich über den Verkauf von Eintrittskarten sowie durch die pro Saison etwa 100 bis 150 deutschlandweiten Gastspiele der Braunschweiger Eigenproduktionen, die von Westerland auf Sylt bis Singen am Bodensee erfolgreich unterwegs sind. Hinzu kommen Koproduktionen mit anderen namhaften deutschen Tourneetheatern. Die vielfältige und geschickte Auswertung der Eigenproduktionen ist ein Baustein zur langfristigen Sicherung der Existenz des Theaterhauses. Ein zweiter ist die Treffsicherheit in Sachen Publikumsgeschmack. „Natürlich ist die Ausrichtung nicht mehr wie vor dreizehn Jahren, aber sie wir auch in dreizehn Jahren nicht mehr so sein wie heute. Der generelle Anspruch, dass wir die Leute unterhalten wollen, ist allerdings gleich geblieben. Eigentlich wollen die Leute bei uns lachen“, betont Battermann.

Das Programm

Bis zum 9. Juni ist in der Komödie am Altstadtmarkt noch die Produktion „Ziemlich beste Freunde“ zu sehen. Nach der Fußball-EM-Sommerpause wird vom 12. Juli bis zum 27. August das Stück „Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt“ gezeigt. Die kommende Spielzeit, für die der Aufführungsbeginn auf vielfachen Publikumswunsch von 20 Uhr auf 19.30 Uhr vorverlegt wurde, startet am 1. September traditionell mit der Familie Malente aus Hamburg, die dieses Mal eine 60er-Jahre-Schlagershow präsentiert. Und im Comedy-Thriller „Gänsehaut“ präsentiert sich zum ersten Mal überhaupt Klimbim-Star Ingrid Steeger dem Braunschweiger Publikum. Alle weiteren Infos zum Programm gibt es im Internet unter www.komoedie-am-altstadtmarkt.de.

Text: André Pause

Der KufA-Verein möchte Kultur für alle

Wer sich in Braunschweig das Kulturangebot abseits des Mainstreams zu Gemüte führt, erkennt eines schnell: Ohne den KufA e.V. wäre entschieden weniger los. Kufa ist die Kurzform von „Kultur für alle“, und genau das hat sich der Verein auf die Fahnen geschrieben – mit allem Drum und Dran.

Die Ziele des Vereins

In seiner Satzung haben die Mitglieder genau definiert, zu welchen Zwecken die Gründung am 20. Mai 2013 erfolgte, welche Ziele verfolgt werden sollen. Der Verein möchte die Kulturlandschaft in unserer Stadt bereichern, ausbauen und die lokale, unabhängige Kultur in seiner Vielfalt „jenseits des kommerziellen Mainstreams“ an der Basis fördern. Dabei liegt den Beteiligten am Herzen, Künstler aus den Bereichen Literatur, bildende Kunst, Musik, Theater und Fotografie zu unterstützen und den Bürgerinnen und Bürgern mit kleinem Geldbeutel den Zugang zur Kultur zu ermöglichen. Kultur für alle Bürger soll generationsübergreifend, unabhängig von finanzieller, sozialer Situation oder ethnischer Herkunft erfahrbar werden.

Ein Spiegel der Gesellschaft

Der erste Vorsitzende Markus Wiener bringt das auf eine schlüssige Kurzformel: „Wir möchten Braunschweig im Sinne eines weiter gefassten Kulturbegriffs lebenswert machen, die Vernetzung innerhalb der Kulturszene vorantreiben und dabei bis in die Stadtteile hineinwirken.“ Dabei habe der Kufa-Verein ausdrücklich nicht den reinen Kulturkonsum im Visier, sondern die vermehrte Teilhabe. „Der Verein lebt vom Mitmachen“, so Wiener. Was sich zunächst anhört wie eine schwammige Floskel, wird sofort klarer, wenn man sich die Mitgliederstruktur des Vereins anschaut. Die jüngste Aktive unter den derzeit 80 Mitgliedern ist 18 Jahre alt, die Ältesten sind über 70. Auch beruflich sei fast alles vertreten, betont der erst Vorsitzende: „Wir haben Bauarbeiter, Ärzte, Krankenpfleger, Pädagogen, Erzieher, Kultur- und Kunstschaffende, Lebenskünstler und auch Hartz-IV-Empfänger dabei. Der Anteil von Frauen und Männern ist etwa gleich. Es ist, und das zeigt sich auch bei unseren Veranstaltungen immer wieder, ein Spiegel der Gesellschaft.“

 WESTand – das neue soziokulturelle Zentrum

Ein ganz wesentlicher Punkt für den Kufa-Verein ist die Errichtung des langersehnten soziokulturellen Zentrums. „Wir wollten allerdings nie, das wird uns ja manchmal in den Mund gelegt, das Freizeit- und Bildungszentrum (FBZ) wieder aufbauen. Und wir trauern da auch nicht hinterher. Es ging uns einfach um einen Raum, wo unabhängige Kultur stattfinden kann. Das FBZ war damals, wir leben heute. Es wird einfach ein Ort benötigt“, betont Markus Wiener. „Wir haben dann Aktionen gemacht. Es bringt ja nichts, Flugblätter zu schreiben, die klug geschrieben sind. Es muss schon im Kontext mit Aktion und Handlung laufen.”

Der Verein lebt das Motto "Kultur für alle". Foto: André Pause

Der Verein lebt das Motto „Kultur für alle“.
Foto: André Pause

Lange wurde gesucht, und mit dem K67 in der Kreuzstraße schien ein geeignetes Objekt gefunden. Bis ein Lärmschutzgutachten den Kufa-Leuten einen Strich durch die Rechnung machte. Schließlich wurde man doch noch fündig: ein paar Meter weiter südlich entlang des Ringgleises. Die ehemalige Fireabendhalle soll jetzt zum Kulturzentrum WESTand werden. Alles sei auf einem guten Weg, wie der zweite Vorsitzende Bernd Müller erklärt: „Kulturdezernentin Anja Hesse hat, da muss man ihr wirklich Lob zusprechen, den Kontakt zu den Investoren Manfred Neumann und Rainer Nötzel hergestellt. Jetzt kommt ein dritter Investor dazu, und das Konzept ist noch mal vom Kopf auf die Füße gestellt worden. Vorher hatten wir mit einer Bestandssanierung geplant. Jetzt sieht es so aus, dass wir den Giebel stehenlassen, und alles andere wird abgerissen. Der Bauvorbescheid ist da, der Verwaltungsausschuss hat zugestimmt und auch das Konzeptgeld sowie die Kalt- und Warmmiete für Kufa sind bewilligt. Eigentlich fehlen nur noch zwei Verträge. Die Stadt macht mit uns quasi einen Untermietvertrag, welcher gerade juristisch erarbeitet wird. Das Zweite ist die Kontinuitätsförderung. Da sind 150 000 Euro pro Jahr angedacht, und darüber wird auch noch verhandelt.“

Synergieeffekte erwünscht

Einen Veranstaltungssaal für Konzerte mit bis zu 400 Personen, Seminar- und Workshop-Räume, einen Multiplexraum, der vielfältig genutzt werden kann, einen Filmraum, ein Tonstudio, eine Küche und ein Bistro soll es, so Markus Wiener, im Kulturzentrum WESTand geben. Die dreigeschossige 3000-Quadratmeter-Halle teilt sich der Kufa-Verein, was die Fläche anbelangt, etwa zur Hälfte mit den Investoren. Dabei setzen die Vorsitzenden auch auf Synergieeffekte: „Es wird es sicherlich gemeinsame Veranstaltungen geben. Die Chemie zwischen uns stimmt. Wir können auch alles öffnen, dann haben wir eine größere Fläche. Und wir werden natürlich auch outsourcen. Wenn ein anderer Veranstalter ein Format hat, sehe ich da kein Problem. Das Ganze soll ja effizient laufen.“ Ein Weilchen wird es freilich noch dauern, bis die Felle verteilt werden können. Geht es nach Markus Wiener und Bernd Müller, ist Mitte des Jahres Baubeginn. Dann wären es allerdings noch mal mindestens anderthalb Jahre bis zum Bezug.

Einfach mitmachen

Wer sich bis dahin und darüber hinaus beim Kufa-Verein einbringen möchte, ist herzlich eingeladen. Auf der Homepage www.kufa.ev-bs.de gibt es weitere Informationen und Kontaktdaten. Das nächste Aktiven-Treffen findet bereits am 6. April im Mehrgenerationenhaus in der Hugo-Lutherstraße 60a statt. Weiterhin terminiert sind bereits das KufA Libre Fest auf dem Naturfreundegelände am Südsee (21. Mai), das internationale Sommer- und Kulturfest auf dem Tostmannplatz (11. Juni), das Kulturschaufenster am Westbahnhof (20. August) sowie am 29. August die Diskussionsrunde „Kultur im Fegefeuer“ zur Kommunalwahl.

Text und Bild: André Pause

Theater als universelle Sprache

Als Theresa Meidinger und Regina Peper am Heim der Deutsch-Brasilianischen Gemeinde unweit der Landesaufnahmebehörde (LAB) eintreffen, ist die Freude groß. „Hallo, wie geht es Dir?“ oder „Geht es Dir gut?“ werden sie von den Wartenden am Eingang immer wieder gefragt. Die beiden Frauen sind für den Grins-Verein im Braunschweiger Norden, dessen Zweck die Förderung von Kunst und Kultur, kultureller Bildung, künstlerischer sowie theaterpädagogischer Projekte ist – insbesondere durch die Arbeit mit unterschiedlichen Kultur- und Zielgruppen. Die regelmäßigen Workshops der beiden kommen gut an bei den Asylsuchenden in der LAB, bieten sie doch eine willkommene Abwechslung zum tristen Alltag, der allzu oft eine Melange aus Unsicherheit und Warten ist.

 Asyltheater wird Grins-Verein

Theresa Meidinger erzählt von den Anfängen: „Ich bin 2013 das erste Mal mit einem Englischkurs in der Landesaufnahmebehörde gewesen. Das war eine richtige Zoo-Situation und für mich der Punkt, wo ich gedacht habe: Ich habe Theater gelernt. Wieso soll ich das dann nicht einmal hier austesten. Ich biete ja auch Workshops in Schulen, Kinderheimen, Altersheimen und anderen Institutionen an.“ Der im April des vergangenen Jahres gegründete Grins-Verein ist die professionelle Weiterführung der Initiative „Asyltheater“, einem Theaterprojekt in der Erstaufnahmebehörde Braunschweig von drei Studierenden der Hochschule für Bildende Künste Braunschweigs im Frühjahr 2014.

Keine direkten Vorgaben

Seitdem gibt es das Workshop-Angebot. In Anspruch genommen wird es überwiegend von jungen Männern im Alter von 15 bis 25 Jahren. Die theaterpädagogischen Spiele sind beinahe zu banal, um wahr zu sein. Und trotzdem brechen sie das Eis, wirken von Minute zu Minute positiv auf die Stimmung ein. Die Teilnehmer tauen auf. Ganz wichtig bei dieser Arbeit: Die Gruppe bekommt keine direkten Vorgaben, die unter Umständen ein Schamgefühl auslösen könnten. „Jeder ist im positiven Sinne mit sich selbst beschäftigt. Jeder kann ausprobieren, und weil das alle tun, verlieren die Leute ihre Angst und kommen sich näher“, beschreibt Regina Peper, die als Sprecherin des Staatstheaters Braunschweig arbeitet und nebenbei ihren Master in „Kultureller Diversität in der musikalischen Bildung“ absolviert hat.

Proben für die Interkulturellen Theaterwochen. Foto: Grins-Verein

Proben für die Theaterthemenwoche Interkultur. Foto: Grins-Verein

Körpersprache statt Sprache

Die Übungen die Meidinger und Peper praktizieren, sind Variationen klassischer theaterpädagogischer Spiele. Zahlreiche Materialien hätten Sie aus Lehrbüchern, sagen sie, vieles aber auch in der Praxis gelernt, beispielsweise in Theatergruppen, denen sie selbst angehören. „Es ist schon etwas anderes hier. Ich leite anders an, weil ich nicht so stark mit Sprache arbeite. Mein Schwerpunkt liegt nicht darauf, dass ich theoretisch eine hoch komplizierte Aufgabe erkläre. Hier geht es eher über die Körpersprache, über das zeigen über die Pantomime“, beschreibt Theresa Meidinger. Vieles transportiere sich über Stimmung. „Wenn ich mit einem Kurs für Darstellendes Spiel zusammenarbeite, habe ich natürlich ganz andere Grundvoraussetzungen. Da haben alle schon Theater gespielt. Die Leute dort haben auch andere Ziele, müssen theoretischer rangehen und reflektieren. Das mache ich hier ja gar nicht.“

Berührungsängste werden abgebaut

Das Angebot im Deutsch-Brasilianischen Zentrum ist bewusst niederschwellig angelegt. Es geht um die Begegnung, das Kennenlernen, den Abbau von Berührungsängsten untereinander: um einen respektvollen Umgang. „Die Workshops sind ein Begegnungsformat. Die Leute, die in der LAB wohnen, langweilen sich oft, und wir haben mit ihnen eine gute Zeit. Die Begegnung findet untereinander statt, wir bemühen uns aber auch verstärkt darum, Leute aus Braunschweig hierher zu holen“, erklärt Regina Peper. Immer wieder kämen Braunschweiger Bürger montags oder donnerstags nach Kralenriede, beziehungsweise freitags zu den Präsentationen ins Theaterpädagogische Zentrum in der Steinstraße. Dass es noch mehr interessierte Menschen sein könnten, daraus machen die Kursleiterinnen keinen Hehl. „Wichtig ist, dass es hier auch mal eine Mischung gibt. Wir machen nicht Theater für geflüchtete Menschen, sondern Workshops für alle Menschen. Hierhin kommen wir, weil die Leute aus der LAB nicht so flexibel sein können und weil sie sich nicht so gut auskennen“, betont Theresa Meidinger.

Gesten sind wichtiges Kommunikationsinstrument, wenn die Sprache nicht funktioniert. Foto: Grins-Verein

Gesten sind wichtiges Kommunikationsinstrument, wenn die Sprache nicht funktioniert. Foto: Grins-Verein

 Theaterstück im Rahmen der Themenwoche Interkultur

Ein theatrales Begegnungsprojekt von Meidinger und Peper, das am 3. und 9. April 2016 im Rahmen der Themenwoche Interkultur des Staatstheaters zu sehen sein wird, könnte den Workshops an der LAB einen Aufmerksamkeitsschub verleihen. Dort gehe es ebenfalls um Begegnung, um all das, woran wir im Kontext der Flucht denken und um den Austausch darüber. Trennen müsse man beides aber doch, so Theresa Meidinger: „Bei „15 Dinge, die Du über mich wissen solltest“, das im LOT und im Staatstheater gezeigt wird, arbeiten wir mit einer festen Gruppe von zehn Menschen. Fünf Menschen, die aus Braunschweig und der Region kommen sowie fünf Menschen die unterschiedlichste Fluchterfahrung haben. Die Menschen aus der LAB stehen am Ende nicht auf der Bühne, weil der Transfer oft so kurzfristig ist, dass wir nicht wissen, ob die Person bei der Aufführung noch dabei sein kann.“

 Angebote des Grins-Vereins laufen weiter

Nichtsdestotrotz versucht der Grins-Verein in Kooperation mit den Theaterhäusern, die Freikarten zur Verfügung stellen, interessierte LAB-Bewohner in die Theatervorstellungen zu bringen. Auch die Workshop-Angebote des Vereins, der bislang keine kontinuierliche institutionelle Förderung erhält, laufen nach der Themenwoche weiter. „Wir beantragen Gelder, und ab und zu werden sie bewilligt. Gefördert werden wir von verschiedensten Seiten“, sagt Theresa Meidinger. Eine finanzielle Unsicherheit sei dennoch immer dabei. Bislang habe das Machen im Vordergrund gestanden, betonen die ehrenamtlich engagierten Frauen. Beide hoffen, dass sich die Arbeit verstetigt und aufbaut. „Derzeit gibt ganz viele Anfragen von Schulen und anderen Flüchtlingsunterkünften für Kooperationen“, freut sich Regina Peper.

Theresa Meidinger und Regina Peper vom Grins-Verein. Foto: André Pause

Theresa Meidinger und Regina Peper vom Grins-Verein. Foto: André Pause

Wer sich für die Arbeit des Grins-Vereins interessiert, kann sich auf der Homepage grinsverein.wordpress.com informieren oder sich per Mai an grinsverein@web.de wenden.

Text: André Pause
Beitragsbild: Grins-Verein

 

 

 

 

 

 

Städtische Musikschule Braunschweig – Hier spielt die Musik!

Seit 1957 Hauptsitz der Städtischen Musikschule Braunschweig: Die Villa Hörstel am Augusttorwall 5. Foto: Stadt Braunschweig/Städtische Musikschule

Seit 1957 Hauptsitz der Städtischen Musikschule Braunschweig: Die Villa Hörstel am Augusttorwall 5. Foto: Stadt Braunschweig/Städtische Musikschule

100 Events im Jahr, 1600 Schülerinnen und Schüler, 35 verschiedene Instrumente und 32 Ensembles, Bands und Orchester zur Auswahl: Das ist die Städtische Musikschule Braunschweig. Wer die Villa Hörstel, den repräsentativen Hauptsitz der Städtischen Musikschule am Augusttorwall betritt, denkt unwillkürlich an klassische Musik und Sinfonieorchester – und in der Tat: Das bekannte Braunschweiger Jugend-Sinfonie-Orchester zählt zu den Aushängeschildern der Musikschule und die Ausbildung an klassischen Streich-, Blas- und Tasteninstrumenten liegt nach wie vor voll im Trend. Aber das ist bei weitem nicht alles, denn von der E-Gitarre über das Schlagzeug bis hin zur Musikproduktion am Computer deckt die Musikschule auch das Spektrum zeitgenössischer Musik ab. Ein attraktives und modernes Programm, das regelmäßig für eine große Nachfrage sorgt.

Musikunterricht für jedes Alter

Daniel Keding unterrichtet klassisches Schlagzeug und leitet seit März 2015 die Städtische Musikschule Braunschweig, Urheber: privat

Dabei bilden die 56 Lehrkräfte der Braunschweiger Traditionseinrichtung, die vor zwei Jahren ihr 75-jähriges Bestehen feierte, vor allem Jungmusiker zwischen 10 und 14 Jahren aus. Aber die Arbeit der Musikschule beschränkt sich nicht nur auf musikbegeisterte Kinder: Es gibt auch Unterricht zur Musiktheorie, und die „Studienvorbereitende Ausbildung“ zur Aufnahme an Musikhochschulen gehört ebenfalls zum Angebot. „Mit dem Elementaren Musikunterricht für Kinder ab 2 Jahren geht es los, wir haben aber auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler zwischen 26 und 60 Jahren und sogar darüber hinaus“, erläutert Daniel Keding, seit diesem Jahr Leiter der Städtischen Musikschule und Lehrer für Klassisches Schlagzeug.

Erfolgreich durch gezielte Förderung

Die Big-Band der Städtischen Musikschule Foto: Florian Koch

Die Big-Band der Städtischen Musikschule. Foto: Florian Koch

Gerade erst konnte Keding gemeinsam mit seinen Lehrerkräften sowie Schülerinnen und Schülern ein rundes Veranstaltungsjubiläum feiern: 25 Jahre Braunschweiger Musikschultage. Und diese Bildungseinrichtung hat noch mehr Highlights zu bieten: Neben dem Jugend-Sinfonie-Orchester zum Beispiel die Big-Band und die Jugendbigband der Städtischen Musikschule. Darüber hinaus nimmt die Städtische Musikschule regelmäßig am Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene teil, Schülerinnen und Schüler der Musikschule werden durch Musikförderpreise, Wettbewerbe und Stipendien gezielt gefördert. Apropos gezielte Förderung: eine Hochbegabtenabteilung mit besonders talentierten acht- bis zwölfjährigen Nachwuchsmusikern aus der Region gibt es auch.

Top-Noten für die Städtische Musikschule

Auf diese Weise gelangen pro Jahr vier bis fünf Absolventinnen und Absolventen in das musikalische Berufsleben, ihren Platz finden sie unter anderem an der Staatsoper Hannover, bei den Hamburger Symphonikern oder im Staatsorchester Oldenburg. Oder aber sie werden weltbekannte Solo- und Band-Musiker, wie Jazzposaunist Nils Wogram. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann:

Nur Top-Noten für die Städtische Musikschule Braunschweig!

Text: Jan Engelken
Titelbild: Das Jugend-Sinfonie-Orchester der Städtischen Musikschule,  Foto: Florian Koch

„Eine lebensnotwendige Farbe für die Gesellschaft“

Eindrücke für die eigene Veränderbarkeit gewinnen, den Geist und den Körper in der Auseinandersetzung mit Welt anders erfahren – das geht, allen Verlockungen des digitalen Zeitalters zum Trotz, nirgends so gut wie im Theater. Wir möchten Ihnen daher nacheinander die fünf Sparten des Staatstheaters Braunschweig näherbringen.

Entscheidend mitverantwortlich für das Kapitel neuester Lesart in der Sparte Schauspiel ist Axel Preuß. Der Chefdramaturg und stellvertretende Intendant für künstlerische Fragen kam 2010 gemeinsam mit Generalintendant Joachim Klement nach Braunschweig. Das gemeinsame Ziel: Die Türen in die Stadt weit öffnen und dem Braunschweiger Publikum ein möglichst breites Spektrum der in der deutschen Theaterlandschaft vorkommenden Theaterformen zugänglich machen.

Ein Haus der Entdeckungen

Philipp Grimm und Axel Preuß im Interview. Foto: André Pause

Philipp Grimm und Axel Preuß im Interview. Foto: André Pause

„Als wir angefangen haben, war der durchschnittliche Besucher 56 Jahre alt und weiblich. Es ist schön, dass Braunschweig traditionell ein sehr treues Publikum hat. Gleichzeitig war es von Anfang an unser Bestreben, auch junge Menschen ans Theater heranzuführen“, sagt Preuß. Dies sei erfreulicherweise geglückt. Bewusst vorangetrieben habe man den Prozess durch entsprechende Stücke auf dem Spielplan sowie durch eine intensive Zusammenarbeit mit sehr klugen, umsichtigen, gleichzeitig aber auch jungen Regisseuren. So habe insbesondere Daniela Löffner als Hausregisseurin das Schauspiel in den ersten vier Jahren künstlerisch stark mitgeprägt, viel für das Ensemble getan, und auch dafür gesorgt, dass das Haus in der Stadt schnell als eines wahrgenommen worden ist, in dem man viele Entdeckungen machen kann.

Zwölf Premieren und sieben Wiederaufnahmen stehen für die Schauspielsparte in dieser Spielzeit auf dem Programm, die Aufführungen des künstlerisch outgesourcten Sommertheaters („Da Da Da“) sowie die Vorstellungen des Stadttheaters, die das Staatstheater künstlerisch leitet, nicht mit einbezogen. Da kommt einiges zusammen an künstlerischen Handschriften und Theaterformen. „Wenn man sich anguckt, was sich bei uns auf dem Spielplan befindet, zwischen dem Klassiker „Dantons Tod“, der für Schüler und Lehrer hochinteressant ist, und Marta Gornickas „M(other) Courage“, einer Produktion, die sonst im deutschen Repertoiretheater gar nicht sichtbar ist, sonst nur am freien Theater oder im europäischen Festivalwesen stattfindet, ist das schon ein breites Spektrum“, findet der Chefdramaturg, den es ab der kommenden Saison als Schauspieldirektor ans Badische Staatstheater Karlsruhe zieht.

Besondere Entwicklung

Am Staatstheater Braunschweig führte die Programmatik dazu, dass sehr viele Schüler die Bühnen des Hauses für sich entdeckt haben. „Wir haben um das Theater als Kunstform verständlich, aber auch um es als Ertüchtigungskraftfeld für den Alltag als Selbsterfahrungsspielfeld wahrnehmbar zu machen, die Pädagogen-Stellen erheblich aufgestockt. Was eine Aufwertung des gesamten Kunst- und Kulturvermittlungswesens bedeutet“, skizziert Preuß. Das mache sich auch kurzfristig bemerkbar, weil junge Menschen spürten: Sie werden angenommen und ernst genommen. „Die Zahl der Besucher bis 30 Jahre, verstärkt auch im Spektrum von 18 bis 30, hat stark zugenommen. Das ist eine Entwicklung, die schon sehr besonders ist.“

28 feste Mitarbeiter sorgen derzeit dafür, dass am Schauspiel des Staatstheaters hochprofessionell und thematisch nah am Zeitgeist gearbeitet wird. Das Ensemble umfasst 16 Mitglieder, hinzu kommen drei Regieassistenten, ein Souffleur und eine Souffleuse, zwei Inspizienten, drei Dramaturginnen eine „halbe“ Dramaturgie-Assistentin sowie Axel Preuß als Chefdramaturg.

Ein Lob für die Ensemblepolitik

Einer der seit vier Jahren in Braunschweig auf der Bühne steht ist Philipp Grimm. In der laufenden Spielzeit ist der Fuldaer an fünf Produktionen beteiligt. Bezüglich seines Engagements ist er voll des Lobes: „Was das Haus hier ausmacht, ist, dass es eine ganz tolle Ensemblepolitik gibt. Ich finde, dass wir eine super Gruppe haben und gut zusammenarbeiten. Alle sind konzentriert bei der Sache, was ich als sehr angenehm und produktiv empfinde. Ich habe erlebt, und auch von Kollegen erfahren, dass das an anderen Häusern so nicht unbedingt üblich ist. Das ist hier eine große Kraft, die besonders ist.“ Dass viel für Jugendliche Theaterbesucher getan wird, findet der 31-jährige aktuelle Förderpreisträger der Staatstheaterfreunde gut. „Ich war gerade in Freiburg, und da ist es nicht so wie bei uns. Wir haben im Abendspielplan wahnsinnig viele Schüler in unseren Vorstellungen, was manchmal zwar anstrengend ist, ganz viel Kraft kostet, weil man auch mal unterbrechen muss, wenn zu viel gestört wird. Aber dass an sich so viele Schüler ins Theater kommen, finde ich an sich sehr bemerkenswert.“

Auf der anderen Seite sei auch das Haus bestrebt, gerade jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben, sich in größeren oder großen Rollen zu entwickeln. „Das hat etwas mit Vertrauen und Langfristigkeit zu tun. Man kann nicht gleich groß sein, nur weil man einmal gut spielt“, betont Axel Preuß, der in diesem Zusammenhang stark auf die Bereitschaft zum Wissenstransfer unter Kollegen setzt.

Wissenstransfer – auch Sparten übergreifend

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Philipp Grimm als Major von Tellheim in Minna von Barnhelm oder Das Soldatenglück. Foto: Volker Beinhorn

Auch eine spartenübergreifende Zusammenarbeit, wie seit der vergangenen Spielzeit von Musiktheater und Schauspiel praktiziert, ist sehr im Sinne des Chefdramaturgen. „Wir haben eigentlich von Anfang an den Wunsch gehabt, spartenübergreifend zu arbeiten, um Begegnungen zwischen den Künstlern möglich zu machen, um selber mehr voneinander zu erfahren und zu lernen, um Dinge zu tun, die man alleine vielleicht nicht tun kann. Aber auch um dem Publikum etwas Besonderes zu bieten“, so Preuß.

Die erste Kollaboration „My fair Lady“ wurde vom Braunschweiger Publikum hervorragend angenommen. Im Januar feiert nun Jacques Offenbachs „Die Banditen“ im Großen Haus Premiere. Die Regie übernimmt mit Michael Talke ein Mann, der – was nicht so häufig vorkommt – sowohl im Musiktheater als auch im Schauspiel zuhause ist.

Vor allem aus technischer und dispositioneller Sicht ist das Zusammenkommen der Sparten allerdings unglaublich schwierig – ein planungsintensiver Kraftakt. „Zudem sind die Arbeitsweisen der einzelnen Gruppen völlig unterschiedlich, ebenso die Kriterien, nach denen man sich auf ein Stück einigt. Im Schauspiel gehen wir sehr stark über den Inhalt, fragen uns, ob ein Stoff unser Publikum erreichen kann, indem es was mit der Zeit, mit uns oder mit der politischen Situation zu tun hat“, beschreibt Preuß. „Wir kommen über die Themen, die wir in der Stadt oder im Land finden. Und der inhaltliche Angang spiegelt sich entsprechend in der Arbeitsweise der Schauspieler wider. Das sind zwar Leute, die mit dem gesamten Körper arbeiten, aber komplett vom Gedanken und der inhaltlichen Auseinandersetzung kommen.“ Im Tanz spielten verständlicherweise ganz andere Kriterien eine Rolle, was sich letztlich bis in die Probenprozesse hinein bemerkbar mache.

Auch Philipp Grimm hat das erlebt. Er muss ein wenig schmunzeln: „Ich habe in meiner ersten Spielzeit für „Mama Dolorosa“ mit dem Musiktheater zusammengearbeitet. Das war eine interessante Erfahrung, weil Sänger tatsächlich ganz anders arbeiten. Wir Schauspieler diskutieren einen einzigen Satz, Gedanken oder Spielvorgang schon mal eine ganze Probe hindurch, lernen eigentlich erst im Probenprozess den Text. Die Sänger hingegen können schon alle Partituren, kommen mit dem gelernten Text und dem Notenbild vor Augen an.“

60 bis 70 Stunden pro Woche? Normal!

Die Arbeitsbelastung am Theater ist – vor allem im Bereich Schauspiel – immens. „Dadurch, dass es elf reguläre Proben in der Woche gibt, der Samstag wie ein Werktag behandelt wird, haben die Schauspieler mindestens eine Sechs-Tage-Woche mit täglich zehn Stunden plus X“, rechnet Axel Preuß, dessen eigene Arbeitswoche an vier Tagen um 9 Uhr mit einer Sitzung startet, vor. Überhaupt würden Sitzungen die Tätigkeit des Dramaturgen nicht unerheblich strukturieren. Gelegt sein sollten diese Runden darüber hinaus auch noch so, dass man auf Proben gehen kann. „Es gehört zum Berufsbild, für das Ensemble und das Regieteam ansprechbar zu sein, was zur regelmäßigen Folge hat, dass das bei einem Dramaturgenleben von mindestens 70 Arbeitswochenstunden auszugehen ist. Dies sei an alle gerichtet, die Interesse haben, sich mit dem Berufsbild zu beschäftigen“, fügt der Chefdramaturg lachend hinzu.

Ein langer Atem und sehr viel Idealismus seien unabdingbar, um in diesem Beruf durchzuhalten. Zwar empfänden die Menschen am Theater die langen Tage nicht zwangsläufig als hart. Eine Herausforderung für das Privatleben sei die Arbeit im Schauspielbetrieb allerdings schon: zeitlich extrem gebunden, geografisch meist weit weg vom jeweiligen Lebensumfeld und Freundeskreis – das ist der Alltag. „Für Beziehungen ist das wirklich schwer. Das hat auch nichts mit Verständnis zu tun, sondern damit, dass man sich einfach nicht sieht, und damit, dass das richtig wehtut. Wenn Du Kinder hast, wird das noch viel schlimmer, weil da Menschen neben Dir aufwachsen, die Entwicklungsschritte machen, und Du kriegst es nur so am Rande oder sprunghaft mit“, skizziert Axel Preuß, der sein Leben, wie er sagt, auf den Beruf „hin organisiert“ hat.

„Man muss es machen“

Die schönen Seiten der Theaterarbeit überwiegen dennoch, für beide, für den Dramaturgen wie für den Schauspieler. „Ich mag, dass man kreativ sein und über viele Dinge nachdenken kann, dass man Quatsch machen kann und den wiederum sogar benutzt, weil vielleicht doch ein Funken Wahrheit drinsteckt. Für den Zuschauer ist toll, dass Theater heute eine Form von Geschichtenkonsum ist, die Du so nirgendwo anders hast. Eine lebensnotwendige Farbe für die Gesellschaft. Ich könnte mich nicht nur von Fernsehen, Internet und Kino berieseln lassen. Ich brauche diesen anderen Input, den Live-Moment“, sagt Philipp Grimm. „Man muss es machen, weil es irre ist, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eigentlich das Gleiche wollen, an das Gleiche glauben: an die Veränderbarkeit der Welt“, betont Axel Preuß. Daran glauben, festhalten und arbeiten, streiten, ringen und spielen, was das Zeug hält, daran immer wieder scheitern, und trotzdem die Hoffnung nicht aufgeben, dass man mit dem Publikum Momente stiftet, die mehr und größer sind, als der jeweilige Augenblick es nahelegt – das mache die Faszination Theater aus.

Text: André Pause
Artikelbild: Szenenbild mit Philipp Grimm aus Im Westen nichts Neues; Volker Beinhorn

 

In der Auseinandersetzung mit der Kunst auf Augenhöhe

Foto: André Pause

Knapp 40 Künstler haben Platz im Atelier. Pro Tag sind etwa zehn bis zwölf Leute da. Hier zu sehen sind v.l. Jan Wantzelius, Robert Fischer, Susanne Lauer, Reinhard Dittrich, Murat Akay, Volker Darnedde, Winfried Kostka und Hilke Ohlhorst. Foto: André Pause

Dem Kunstbetrieb mag im Allgemeinen ja das ein oder andere Klischee anhaften, und ganz sicher ist nicht alles völlig aus der Luft gegriffen. Es gibt jedoch Einrichtungen, wie das Geyso20 im nördlichen Ringgebiet, die diese gerne gepflegte Welt der Vorurteile gehörig durcheinander wirbeln und komplett ins Wanken bringen.

Hinter dem knackigen Namen, die Benennung erfolgte nach dem aktuellen Standort in der Geysostraße, verbirgt sich das Kunstatelier Lebenshilfe Braunschweig. Hier erhalten Menschen mit Behinderung seit mehr als zwei Jahrzehnten den Freiraum, künstlerisch zu arbeiten, eine eigene Bild- und Formensprache zu entwickeln. Gegründet wurde das Atelier im Jahr 1992 als Modellprojekt der Lebenshilfe. „Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat die einzelnen Lebenshilfen gefragt, wer sich vorstellen könnte, ein Atelier zu gründen. Braunschweig hat sich daraufhin einfach beworben“, erinnert sich Dr. Gerhild Kaselow, die seit 1995 dabei ist.

Obwohl es damals eine Anschubfinanzierung der Alfred-Herhausen-Stiftung mit dem Titel Hilfe zur Selbsthilfe gegeben habe, stuft Kunstwissenschaftlerin Kaselow die anfänglichen Bedingungen rückblickend als eher bescheiden ein: „Es gab, wenn ich mich richtig erinnere, drei Gruppen á vier Personen, in Atelierräume kamen, die am Langen Hof angemietet wurden, also mitten in der Stadt. Man hat sich eigentlich nur getraut zu bewerben, weil man wusste, da gibt es Personen, die wirklich Lust drauf haben, und auch ein künstlerisches Wollen.“ Feste Stellen gab es in der ersten Zeit nicht. Aus dem Umfeld der Hochschule für Bildende Künste wurden Honorarkräfte rekrutiert, um einen gewissen Grad der Professionalisierung zu gewährleisten. Vonseiten der Lebenshilfe Braunschweig trieben die Gründung des Kunstateliers derweil vor allem zwei Mitarbeiterinnen entscheidend voran: Sozialpädagogin Marlies Bulmahn und Psychologin Brigitte Grimm.

Die Mitarbeiter v. l.: Hans Wesker, Nina Roskamp, Gerhild Kaselow. Foto: André Pause

Viermal ist das Atelier seither umgezogen: 1994 in die Grünwaldstraße 12, 1996 in die Grünwaldstraße 12e, 2004 in die Petzvalstraße 50 und 2011 in die Geysostraße 19/20.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist das der ideale Ort. Wir sind ja größer geworden und wollten auch wieder mehr in Richtung Innenstadt“, skizziert Kaselow. Knapp 40 Künstler haben aktuell ihren Platz im Atelier. Einige sind im Laufe der Jahre verstorben, ihre Arbeiten werden im Fundus bewahrt. „Wir haben eine gute Größe und auch eine ziemlich gute Auslastung. Pro Tag sind etwa zehn bis zwölf Leute hier. Nur an einzelnen Tagen sind noch Kapazitäten vorhanden“, sagt Nina Roskamp, die Leiterin des Hauses, zu deren Team neben Gerhild Kaselow noch der freie Künstler Hans Wesker sowie aktuell die FSJ-lerinnen Nele Meinecke und Camilla Schiegnitz gehören.

„Am Anfang hatten wir alle eigentlich gar keine Vorbildung im sozialen Bereich. Teilweise wusste ich gar nicht genau, was ist das da für eine Behinderung, die der Mensch genau mitbringt“, erzählt Gerhild Kaselow. Entscheidend sei unterm Strich jedoch ohnehin die Arbeit auf Augenhöhe. Wesker und Roskamp nicken. „Es gibt nach wie vor Leute, die Menschen mit Behinderung nicht so ernst nehmen, und zwar nicht nur im Bereich des professionellen Umgangs. Wenn der Kontakt auf Augenhöhe nicht da ist, dann bekommt der andere das schon mal zurückgespiegelt“, betont Roskamp. Man solle Offenheit mitbringen, keine Scheu zeigen, dann werde die Grenze zwischen „behindert“ und „nicht behindert“ in der Regel relativ schnell aufgehoben, meint die Einrichtungsleiterin.

Foto: André Pause

Den Künstlern stehen zahlreiche Materialien zur Verfügung. Foto: André Pause

In der Auseinandersetzung mit der Kunst erlebe er ohnehin keine Unterschiede, sagt Hans Wesker, der an zwei Tagen der Woche im Geyso20 anzutreffen ist: „Ich frage mich manchmal, wer mehr behindert ist. Wenn die Künstler hier so selbstverständlich in ihrer Arbeit sind und mit ihrer Arbeit umgehen, dann denke ich: Warum bin ich so behindert, in Prozesse hineinzukommen, die mich eigentlich bewegen. Warum bin ich so sehr mit den Dingen befasst, die überflüssig sind. Als Künstler betrachte ich die Leute hier wie Kollegen, mit denen ich vielleicht anders kommuniziere als mit Menschen, die nicht geistig behindert sind. Letztlich kommt man aber immer auf die Arbeit zu sprechen, und da ist die Verständigung jederzeit möglich.“

Künstlerisch werden im Geyso20 wenig Grenzen gesetzt. Das Team versucht allen entgegenzukommen, allen Wünschen gerecht zu werden. Dreidimensionalität sei gerade nicht so gefragt, die meisten arbeiten auf Papier, meint Wesker: „Bei Künstlern, die jeden Tag hier sind, ist der Motor außerdem so stark, dass man sie quasi nur mit Material versorgen muss. Ansonsten entwickelt sich das im Selbstlauf. Ab und an kommen anregend Workshops dazu.“ Der Verdacht, aufgrund dieser Abläufe würde nun unterkomplex gearbeitet, kommt dabei trotzdem nicht im Geringsten auf. Wer die Arbeiten von Künstlern wie Murat Akay, Volker Darnedde, Reinhard Dittrich, Susanne Lauer, Winfried Kostka oder Thorsten Ruperti betrachtet, erkennt starke Handschriften von Persönlichkeiten, die im Laufe der Jahre nicht nur zu Botschaftern des Hauses und der sogenannten Outsider-Kunst, sondern auch zu echten Marken geworden sind.

Neben dem Atelierbetrieb, der werktäglich von 8:00 bis 16:15 Uhr läuft und seit eh und je den Kernbereich darstellt, stemmen die Geyso-Mitarbeiter noch den kompletten Galeriebetrieb. Gab es in der Petzvalstraße lediglich einen abgesperrten Bereich, in dem Bilder gezeigt wurden, laufen seit 2011 drei Ausstellungen pro Jahr: jeweils eine Ausstellung eines Künstlers von außen, der im Dialog mit einem oder mehreren Künstlern des Ateliers gezeigt wird, eine Einzelausstellung sowie die Verkaufsausstellung „Special Art“. Hinzu kommen noch Ausstellungsbeteiligungen in der Fremde, beispielsweise in Berlin, Salzgitter und Düsseldorf.

Die Künstler arbeiten am liebsten zweidimensional. Foto: André Pause

Die Bilder werden jährlich in drei Ausstellungen präsentiert. Murat Akay arbeitet an einem neuen Bild. Foto: André Pause

Als sei das alles noch nicht aufwendig genug, wird nun eine Sammlung zusammengestellt, mit Werken, die das Handeln der Künstler des Ateliers nachvollziehbar machen oder auch Brüche markieren sollen. „Das ist ein Pilotprojekt in dieser Atelierlandschaft, also schon etwas Besonderes“, betont Gerhild Kaselow. Mehrere tausend Arbeiten umfasst die Bilddatenbank, und täglich wird das Archiv größer. Ziel dieses Mammutprojekts ist das Sichern und Steigern des künstlerischen Selbstverständnisses. Und weil die Sammlung so eng mit der Entwicklung des Ateliers verknüpft ist, soll sie später zwar gezeigt werden, jedoch im Haus verbleiben und nicht in den Verkaufsfluss gehen.

Dieser wird derzeit übrigens gefördert durch die aktuelle von Anke Becker kuratierte Ausstellung „Anonyme Zeichner“, die noch bis zum 18. Dezember in der Galerie zu sehen ist. Seit 2006 thematisiert Becker die Frage „Was ist Kunst wert?“ Einmal im Jahr ruft sie im Internet dazu auf, für das Projekt Zeichnungen (maximal im A3-Format) einzusenden. Mehr als 2000 hat sie dieses Mal erhalten, und letztlich 550 Arbeiten ausgewählt. Die Ausstellung ist prozessual angelegt. Wird ein Bild verkauft, bietet Becker, die ihr Diplom 1999 gemacht hat, Künstlern an, für eine Ersatzarbeit zu sorgen, die bei der nächsten Station der Schau gezeigt werden können. „Die Leute vom Geyso haben gesehen, dass das Konzept gut passt, weil es in mehrfacher Hinsicht der Inbegriff von Inklusion ist“, sagt Anke Becker. „Behindert und nicht behindert, Provinz und Großstadt – hier finden Sachen zusammen, die auf dem realen Kunstmarkt nie zusammenfinden würden.“ Festgelegt hat sie einen Einheitspreis von 200 Euro pro Zeichnung. Es gehe ihr darum, zu zeigen, welch große Spannbreite möglich ist, und darum, zu die Leute zu ermuntern sich vom eigenen Gespür leiten zu lassen, und nicht vom Geschmack des Galeristen oder eben: dem Preis.

Text und Fotos: André Pause

Das etwas andere Szeneviertel

Klein und unscheinbar am Rande der Braunschweiger Fußgängerzone liegt ein architektonisches Juwel: Der Handelsweg zwischen Breiter Straße und Gördelingerstraße gilt als eine der schönsten Passagen Deutschlands. Mit seiner außergewöhnlichen Mischung aus individuellem Einzelhandel, Kneipen, Szenecafé und Kunstraum ist er zudem einer der angesagtesten kulturellen Brennpunkte der Stadt für kreative Trendsetter und Junggebliebene, ein Szeneviertel im Miniaturformat.

Zugleich ist der malerische Handelsweg aber auch Braunschweigs älteste Passage. Bereits im 17. Jahrhundert ließ Herzog Rudolf August an dieser Stelle mehrere Wohnhäuser abreißen und stattdessen einen Platz, den „Neuenhof“, für die florierenden Braunschweiger Handelsmessen errichten. 200 Jahre später, im Jahre 1872, wurden auf der freien Fläche des Neuenhofes erneut Häuser gebaut; jeweils drei auf beiden Seiten mit Ladengeschäften im Erdgeschoss und einer Passage in der Mitte. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Handelswegs – damals noch auf den Namen „Sedan Bazar“ getauft, in Erinnerung an die Entscheidungsschlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg. Torbögen und gotische Motive zierten die symmetrischen Fassaden aus gelbem Backstein und tun es bis heute. Nur die einzigartige Glaskonstruktion, die den Sedan Bazar überdachte und zur ersten überdachten Passage Deutschlands machte, hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. 1928 erfolgte die Umbenennung in „Handelsweg“, 1956 der Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung, und 1969 wurde der Handelsweg schließlich in seiner heutigen Form eröffnet.

Tante Puttchen, Foto: Stephen Dietl

Das „Tante Puttchen“ hat in Braunschweigs größte Auswahl an Weizenbieren. Foto: Stephen Dietl

Ältere Semester werden den Handelsweg vor allem aus einem Grund kennen: Hier gab es 1936 das erste Speiseeis Braunschweigs zu kaufen. In jenem Jahr eröffnete das Eiscafé „Tante Puttchen“ im Handelsweg 13 und versorgte Jung und Alt erstmals mit gefrorenen Köstlichkeiten. Eis wird hier inzwischen nicht mehr verkauft, doch das „Tante Puttchen“ gibt es noch immer. Und zwar als urige Kneipe mit Braunschweigs größter Auswahl an Weizenbieren: Acht Sorten erhalten Bierliebhaber im rustikalen Ambiente der bereits vor über 30 Jahren zur Schankwirtschaft umfunktionierten Eisdiele.

Foto: Stephen Dietl

Das „Comiculture“ ist die zentrale Anlaufstelle für Comic- und Rollenspiel-Fans. Foto: Stephen Dietl

Das zweitdienstälteste Geschäft im Handelsweg befindet sich am gegenüberliegenden Ende der Passage und bedient eine wahrscheinlich genau gegensätzliche Klientel: Das 1996 eröffnete „Comiculture“ ist die zentrale Anlaufstelle für Comic- und Rollenspiel-Fans in Braunschweig und Region. Hier reihen sich Regalmeter voller Comichefte und Mangas aneinander, stapeln sich Kartenspiele und Tabletop-Boxen, stehen ganze Regimenter liebevoll bemalter Spielfiguren in Reih und Glied. Und mittendrin sitzt eine Gruppe junger Spieler um einen großen Tisch, würfelt, tauscht Karten und kommuniziert angeregt in einer Sprache, die auf Außenstehende wie eine rätselhafte Mischung aus Programmiersprache und Klingonisch wirkt. „Im Handelsweg gab es vor vielen Jahrzehnten das erste Eis Braunschweigs. Ich hoffe, in dreißig Jahren wird den Menschen über den Handelsweg als erstes einfallen, dass hier Braunschweigs Comicladen war“, scherzt Inhaber Stefan Richter optimistisch.

Foto: Stephen Dietl

Das „Café Riptide ist Szenecafé und Plattenladen in einem. Foto: Stephen Dietl

„Musik – Kunst – Café“, so die treffende Selbstbeschreibung des „Café Riptide“, Braunschweigs wohl angesagtestem Szenecafé und Plattenladen. Es dürfte kaum eine Studentin oder einen Studenten geben, der nicht schon mal im Riptide verabredet war und eine der vielen vegetarischen und veganen Snacks genossen hat – vom veganen Cookie und Schoko-Käsekuchen bis zur vegetarischen Currywurst und Hamburger. Dazu einen fair gehandelten Latte Macchiato oder eine der hausgemachten saisonalen Spezialitäten wie erfrischenden Eistee im Sommer oder einen heißen 43er-Banane im Winter. So abwechslungsreich wie seine Speisekarte ist auch die Plattenecke des Riptide, eine kleine aber gut sortierte Auswahl an „Musik für Fortgeschrittene“: Von Pop und Indie über Punkrock und Metal bis Elektronik, HipHop und Jazz findet der anspruchsvolle Musikliebhaber hier alles, was das audiophile Herz begehrt – kompetente Beratung inklusive. Zu guter Letzt fungiert das Riptide auch noch regelmäßig als Veranstaltungsort für Lesungen, Kunstausstellungen, kleinere Konzerte und Partys.

Foto: Stephen Dietl

Im „Serge“ findet man ungewöhnliche Geschenke und besondere Bücher. Foto: Stephen Dietl

Was im Vorbeigehen aussieht wie ein Trödelladen, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als fein sortierte Schatzkammer: „Serge“, das Antiquariat im Handelsweg. „Ich sammle Dinge, die Geschichten erzählen. Mein Laden ist ein narrativer Raum“, beschreibt Serge Roon (71) sein kleines Reich zwischen Café Riptide und Tante Puttchen. In seinem früheren Leben war er Schauspieler und Regisseur, zuletzt Intendant des Schlosstheaters Celle. Im Ruhestand erfüllte er sich den lange gehegten Traum vom eigenen Antiquariat, um sich vollends seiner Leidenschaft für außergewöhnliche Kunstgegenstände und anspruchsvolle Literatur widmen zu können. Wer alte Bücher liebt, ein ungewöhnliches Geschenk sucht oder einfach nur mit Serge Roon über das Leben philosophieren möchte, ist hier an der richtigen Adresse. „Der Handelsweg ist ein Stück weit Bohème, hier verkehren Künstler und Subkulturen, wie es in dieser Form in Braunschweig einmalig ist“, beschreibt Serge die Atmosphäre des Handelswegs.

Foto: Stephen Dietl

In der „SchmuckWerkStadt38“ gibt es „Unikate aus liebevoller Hand“. Foto: Stephen Dietl

Direkt gegenüber des Antiquariats Serge hat der jüngste Neuzugang des Handelswegs sein Zuhause: die „SchmuckWerkStadt38“. Die Goldschmiedinnen und Schmuckdesignerinnen Ines Ockert und Birgit Achilles eröffneten hier vor einem halben Jahr ihre Manufaktur für „Unikate aus liebevoller Hand“. In filigraner Handarbeit fertigen sie seitdem individuelle Schmuckstücke für Sie und Ihn nach Wunsch und Maß, restaurieren alte Familienerbstücke und bringen Interessierten die Kunst des Goldschmiedens nahe. Und bieten natürlich auch eine umfangreiche Kollektion eigener Kreationen zum Verkauf an.

Foto: Stephen Dietl

Über 40 Ausstellungen gab es bereits in der Galerie „einRaum5-7“. Foto: Stephen Dietl

Die Galerie „einRaum5-7“ unter der namensgebenden Hausnummer 5-7 ist eine der kleinsten Galerien Braunschweigs und präsentiert seit über fünf Jahren Kunst auf nur 29 m2. Was 2010 als spontanes Zwischennutzungsprojekt von sechs Freunden für den kleinen Raum mit der großen Fensterfront begann, hat sich im Lauf der Jahre zu einer Instanz für Kunst und Kultur abseits des Mainstream entwickelt, die regelmäßig mit größeren Institutionen kooperiert und auch überregional wahrgenommen wird. Über 40 Ausstellungen haben die sechs „einRaumer“ hier seitdem ehrenamtlich organisiert. Und im einRaum5-7 bekommt alles eine Bühne – es muss den Galeristen einfach nur gefallen. Auch spielt bei der Auswahl der Ausstellenden keine Rolle, ob es sich um regionale, noch unbekannte Anfänger oder um etablierte Künstler mit internationalem Renommee handelt. Das ist Graswurzel-Kulturförderung im besten Sinne und fügt sich perfekt in die Nachbarschaft des Handelswegs ein.

Foto: Marion Ley

Bei „Fifty Fifty“ gibt es sowohl 2nd-Hand-Mode als auch Neuwaren. Foto: Marion Ley

Den Abschluss eines Schaufensterbummels durch die geschichtsträchtige Passage bildet, kommt man aus Richtung Innenstadt, das Second-Hand-Bekleidungsgeschäft „Fifty Fifty“. Der Name ist Programm: Das gut sortierte und ständig aktualisierte Warensortiment besteht – auch räumlich getrennt – zu fünfzig Prozent aus 2nd-Hand-Mode und zu fünfzig Prozent aus Neuware. Ein einzigartiger Damenmode-Mix aus bekannten und weniger bekannten Marken mit einer breitgefächerten Preisspanne, der für fast jeden Geschmack und Geldbeutel etwas zu bieten hat – sachkundige und ehrliche Beratung durch Inhaberin und gelernte Schneiderin Marion Ley inklusive. „Der Handelsweg hat ein ganz eigenes Flair, wie man ihn sonst eher aus Berlin oder Paris kennt“, schwärmt Ley. „Hier passen eben auch die etwas anderen Geschäfte hin.“

Und das sind längst nicht alle Adressen, für die sich ein Besuch im Handelsweg jederzeit lohnt. Doch soll an dieser Stelle ja nicht alles verraten sein, der Entdeckertrieb auch noch etwas belohnt werden. Also nichts wie hin zu Braunschweigs etwas anderem Szeneviertel und Großstadtflair genießen!

Text und Fotos: Stephen Dietl