Kunst

Wegbereiter für die Künstler von morgen

In Braunschweig treffen Tradition und Zukunft aufeinander. Viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen gewinnen daraus ihre Stärke, verbinden Qualität mit Innovation. Das Gleiche trifft auf die Kunst in Braunschweig zu. Das Herzog Anton Ulrich-Museum kümmert sich als eines der bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands um das Vermächtnis der alten Meister. Die Künstler der Zukunft jedoch zieht es an die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, die einzige Kunsthochschule des Landes Niedersachsen.

Die Geschichte der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig begann 1963, damals als „Staatliche Hochschule für Bildende Künste“. Seit 1978 trägt sie ihren heutigen Namen, in der Regel kurz HBK genannt. Die HBK bietet 13 Studiengänge an: Freie Kunst (Diplom/Meisterschüler), das Fach Kunst als Lehramtsstudium (B.A./M.Ed.), Darstellendes Spiel (B.A./M.Ed.), Visuelle Kommunikation (B.A.), Design in der Digitalen Gesellschaft (B.A.), Transformation Design (M.A.), Kunstwissenschaft (B.A./M.A.) und Medienwissenschaften (B.A./M.A.). Das Besondere: „Die HBK vereint Kunst, Design und Wissenschaften“, sagt Jesco Heyl, Pressesprecher und Leiter des Bereichs Kommunikation und Medien an der HBK. „Innerhalb der Studienorganisation liegt der Schwerpunkt auf der Verzahnung der Studiengänge unter anderem durch interdisziplinär angelegte Projektmodule und durch einen vereinheitlichten Professionalisierungsbereich.“

In der Galerie der HBK Braunschweig finden regelmäßig Ausstellungen von Studierenden statt. Foto: Inga Barnick.

In der Galerie der HBK Braunschweig finden regelmäßig Ausstellungen von Studierenden statt. Foto: Inga Barnick.

Erfolgreich durch Interdisziplinarität und künstlerische Praxis

Viel Wert legt die HBK auch auf die Vermittlung künstlerischer Praxis, die umfangreich ausgestatteten, großräumigen Werkstätten bieten den Studierenden optimale Bedingungen. Technisches Gerät von der Kamera bis zum Beamer kann in der hochschuleigenen Mediothek ausgeliehen werden und wer das Theoriestudium vorzieht, zieht sich in die HBK-Bibliothek zurück. Die Bibliothek befindet sich hinter der transparenten Fassade des mexikanischen Pavillons auf der EXPO 2000. Der markante Kubus des Architekten Ricardo Legorreta wurde im Anschluss an die EXPO nach Braunschweig überführt und prägt seitdem das Gesicht der HBK. Und die HBK prägt das Gesicht der Stadt: Anhand von Projekten im öffentlichen Raum, durch Ausstellungen in der HBK-Galerie oder den jährlichen „Rundgang“, durch Kooperationen mit Braunschweiger Kulturinstitutionen, durch studentisches Engagement oder den kreativen Spirit und die Internationalität.

Christine Holz (Career Service der HBK) und Pressesprecher Jesco Heyl in der HBK-Galerie (Ausstellung „Galerie-Intervention Episode V: Dark Horses“). Foto: Jan Engelken

Christine Holz (Career Service der HBK) und Pressesprecher Jesco Heyl in der HBK-Galerie (Ausstellung „Galerie-Intervention Episode V: Dark Horses“). Foto: Jan Engelken

Das attraktive Lehrangebot und die guten Studienbedingungen führen dazu, dass die HBK nicht nur deutschland-, sondern auch weltweit Studierende anzieht. „Wir verstehen uns als internationale Kunsthochschule“, erläutert Pressesprecher Jesco Heyl, „dazu tragen auch das international angelegte Stipendienprogramm Braunschweig PROJECTS und unsere internationalen Hochschulpartnerschaften bei.“ Mit rund 1000 Studierenden gehört die HBK Braunschweig zu den großen Kunsthochschulen in Deutschland, trotzdem kennt man sich auf dem Campus am Johannes-Selenka-Platz: „Die Arbeit in künstlerischen Klassen schafft für die Studierenden eine gute Übersicht und gleichzeitig einen engen Kontakt zu Professoren und Mitstudierenden“, so Heyl.

Individuelle und fachspezifische Unterstützung auf dem Weg in die Berufswelt

Aber was passiert, wenn das HBK-Studium abgeschlossen ist, für freie Künstler, Designer oder Wissenschaftler der Schritt in die Berufswelt ansteht? Der Career Service der HBK begleitet diesen Weg und steht den Studierenden mit zwei Angeboten zur Seite: Der Professionalisierungsbereich ist ein Studienprogramm für Bachelorstudierende, das neben den fachbezogenen Lehrveranstaltungen verläuft. Der Professionalisierungsbereich vermittelt Schlüsselkompetenzen zur Erleichterung des Studiums ebenso wie berufsfeldbezogene Qualifikationen, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt unterstützen.

„Der andere Teil meiner Aufgabe ist die Einzelberatung für HBK-Studierende“, erläutert Christine Holz vom Career Service der HBK. „Ein Großteil unserer Absolventen arbeitet später als Freiberufler und der individuelle Beratungsbedarf zum Thema Existenzgründung ist entsprechend hoch. Ich unterstütze HBK-Studierende aber auch in Hinblick auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche oder bei grundsätzlichen Fragen der beruflichen Orientierung.“

Der Weidenhof der HBK Braunschweig. Foto: Frank Sperling

Der Weidenhof der HBK Braunschweig. Foto: Frank Sperling

Stadt und Region attraktiv für viele Berufseinsteiger

Orientieren müssen sich die HBK-Absolventen in einem weiten und unübersichtlichen Berufsfeld, aber die Unterstützungsangebote des Career Service tragen dazu bei, dass der Weg in die Berufswelt erfolgreich verläuft: „Letztendlich finden alle Absolventen ihr Auskommen, aber das braucht vielfach Zeit und Flexibilität. Das gilt insbesondere für freie Künstler, die häufig die Freiberuflichkeit anstreben. Lehramtsabsolventen haben es da meist etwas leichter und für angehende Designer und Kommunikationswissenschaftler gibt es auch in Stadt und Region gute Einstiegsmöglichkeiten“, so Holz.

Die HBK kümmert sich aber nicht nur aktiv um ihre Absolventen, sondern auch um den Studierendennachwuchs. Highlight ist neben dem Studieninformationstag der „Frühstart Kunst“. Das zweitägige Schnupperstudium findet jedes Jahr im Januar statt und bietet Studieninteressierten einen Einblick in den Diplomstudiengang Freie Kunst und den Bachelorstudiengang KUNST.Lehramt.

Text: Jan Engelken

Kunst mit Currywurst

Im Rahmen des Lichtparcours 2016 erfährt der John-F.-Kennedy-Platz nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine kulinarische Aufwertung: Die Installation des Frankfurter Bildhauers Tobias Rehberger ist als Imbiss konzipiert und wird in den kommenden drei Monaten auch tatsächlich als solcher genutzt – kulturelles Rahmenprogramm inklusive.

„Ich habe meine Installation bewusst im Niemandsland platziert. Die große Verkehrskreuzung ist ja alles andere als einladend, quasi ein Un-Ort“, stellt Rehberger fest. „Daher fand ich es ganz passend, dass dort eben etwas entsteht, was zum geistigen und leiblichen Wohl beiträgt und den Platz belebt.“ Der Künstler, seit 20 Jahren auch international erfolgreich und Professor der renommierten Frankfurter „Städelschule“, greift mit der namensgebenden Leuchtwerbung die Neonreklame an der gegenüberliegenden Hausfassade auf: „Da steht einfach ‚Sepp u. Suse‘. Dieses Objekt ist fast abstrakt in seinem Auftreten. Man weiß erst gar nicht, wie man es zuordnen soll. Dieses Abstrakte wollte ich ins Konkrete überführen. Dabei habe ich zwei Buchstaben ausgewechselt, es wurde ‚Bei Pess u. Puse‘. Und das klingt einfach nach Kneipe oder Imbiss.“

Bei der Formgebung ließ sich Rehberger von der Konzerthalle „Casa da Musica“ des niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas in Porto inspirieren, auch sie ein Ort der Zusammenführung von Hochkultur mit dem Alltäglichen und Volkstümlichen: „Ich beziehe mich auf ein funktionales Gebäude, das zugleich hochkulturell und von der Architektur her sehr intellektuell ist. Durch Verziehen und Dehnen seiner ursprünglichen Formen habe ich es in meine Vision eines Kunst-Imbisses übersetzt.“

Aufbau des Pavillons im Juni 2016. Foto: Stephen Dietl

Aufbau des Pavillons im Juni 2016. Foto: Stephen Dietl

Den Zuschlag für die in einem Wettbewerb ausgeschriebene technische Umsetzung des Projektes erhielt eine Berliner Messebaufirma. Wochenlang tüftelten die Profis an der verwinkelten Konstruktion aus Holz und Kunststoff, ehe sie den drei Tonnen schweren Brocken wieder in seine Einzelteile zerlegten und nach Braunschweig transportierten. Mehrere Tage benötigte das zwölfköpfige Team anschließend für den Aufbau des leuchtenden Kunstimbisses am John-F.-Kennedy-Platz, ehe am 11. Juni schließlich die blauen und gelben Lichter angingen – ausgesandt von tausenden Leuchtdioden in einem hochkomplexen Schaltkreis innerhalb der nach außen hin transparenten Doppelumwandung. Der Clou: Das Innere des Kunstwerkes ist mit Kochnische, Arbeitsfläche, Kühlschrank und Waschbecken ausgestattet. „Ich hoffe, dass mein Werk gut bewirtschaftet und somit auch von innen heraus ernst genommen wird“, so der Künstler, der auch schon an der HBK Braunschweig gastierte und bereits beim zweiten Lichtparcours im Jahr 2004 mit einer Position vertreten war.

Und für die angemessene Bewirtschaftung ist gesorgt: Alle vierzehn Tage präsentiert die kreativ-kulturelle Initiative „Die Stadtfinder“ samstags von 20:00 bis 22:00 Uhr Kultur und Kulinarisches in und an der Lichtinstallation auf der Wiese am John-F.-Kenney-Platz. Ein sommerliches Chillout-Programm für Leib und Seele – das Mitbringen von Picknick-Decken wird empfohlen. Den Auftakt machen am 9. Juli der Poetry Slammer Dominik Bartels und die Petite Crêperie. Eintritt frei!

Text: Stephen Dietl
Foto: Bei Pess u. Puse: Eröffnung des Lichtparcours am Kunstwerk von Tobias Rehberger. Foto: Stadt Braunschweig/Daniela Nielsen

Lichter und Farben für die Stadt

Mehr als zwei Jahre haben Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse und ihr Team am vierten Braunschweiger Lichtparcours gearbeitet, Gespräche mit Künstlern, Agenturen und Geldgebern geführt. Jetzt leuchtet es endlich wieder in der Stadt.

15 Installationen im Stadtraum

Insgesamt 15 Arbeiten, die den Stadtraum rudimentär in ein neues Licht rücken, warten darauf entdeckt zu werden. Drei Installationen sind dabei alte Bekannte: Yvonne Goulbiers „Evokation in Rot“ verwandelt die Theaterbrücke in den Dämmerstunden und der Nacht seit nunmehr acht Jahren in eine bezaubernde, rotschimmernde Märchenlandschaft. 2004 hat Mark Dion seinen „Elster Flohmarkt“ in der Sonnenstraße eingerichtet, und Fabrizio Plessis „Bogen der Erinnerung“ am Sparkassenhochhaus ist bereits seit dem Lichtparcours-Debüt im Jahr 2000 auf Sendung.

Auf vielen Wegen erreichbar

Sowohl die drei alten als auch elf der zwölf neuen Objekte lassen sich zu Fuß bei einem ausgedehnten Spaziergang, mit Einschränkungen vom Boot auf der Oker aus, am besten jedoch mit dem Fahrrad erkunden. Der Einstieg in den Parcours, der mit der Arbeit „The Portal“ des Kollektivs Studio Drift auch den leerstehenden Kornspeicher am Veltenhöfer Hafen bespielt, kann frei gewählt werden. Die Werke sprechen für sich und können solitär betrachtet werden. Neu ist, und das war in den Jahren 2000, 2004 und 2010 anders, dass sie 24 Stunden am Tag wahrnehmbar sind.

Vom Petritorwall bis zum Campus

Licht und Luft: Die Installation von Andreas Fischer OWN-AUS. Foto: André Pause

Licht und Luft: Die Installation von Andreas Fischer OWN-AUS. Foto: André Pause

Die offizielle erste Station markiert Andreas Fischers „OWN-AUS“ am Petritorwall. An einer kleinen Hütte neben dem Kiosk prangen die Schriftzüge „OWN“ und „AIR“. Ist das Häuschen eine kleine Filiale? Wird hier statt Naschwerk, Getränken und Zeitschriften einfach nur Luft verkauft? Oder ist es die Einladung des Künstlers, bei einer Kunsterkundungstour Luft zu schnappen?

Wer die Einladung annimmt, hat nur einen guten Steinwurf weiter, am Standort Löbbeckes Insel die Gelegenheit „You and I, wandering on the snake’s tail“ von Thilo Frank zu entdecken. Der sich um die Mittelachse windende tunnelartige Weg aus Holzrahmen sieht aus der Entfernung aus, wie das Skelett eines UFOs.

Die idyllische Lage dieser Position lädt ebenso zum Verweilen ein, wie „Satelliten“, der Beitrag des Instituts für Architekturbezogene Kunst auf dem Campus der Technischen Universität. Tagsüber spiegeln sich die mit einer Basisstation am Ufer verbundenen schwimmenden Stahlrahmenquader mit weißer Schirmseidenhülle auf der Wasseroberfläche, abends strahlen sie, gleichmäßig erleuchtet, Wärme aus.

Farbspektakel am Gartenhaus Haeckel und am Museumswall

Wie im Winterwonderland: Das Gartenhaus Haeckel hat Kevin Schmidt weihnachtlich geschmückt. Foto: André Pause.

Wie im Winterwonderland: Das Gartenhaus Haeckel hat Kevin Schmidt weihnachtlich geschmückt. Foto: André Pause.

Die zahlreichsten – und für den Verfasser dieser Zeilen zugleich interessantesten – Arbeiten des Parcours befinden sich am östlichen Umflutgraben der Oker. Kevin Schmitdt hat sich das Innen und Außen des Gartenhauses Haeckel im Theaterpark vorgenommen. Aufwendig zeichnet der kanadische Künstler die Fassade mit Hilfe von unendlich vielen LED-Leuchten nach, die eruptiv aufscheinen. Dabei wechseln die geometrischen Lichtmuster die Farbe. Der Optik zugrunde liegt ein Sound, der vor Ort über die Radiofrequenz 96,80 MHz empfangbar ist.

Nicht mit dem Sound, aber ebenso mit strengen geometrischen Formen sowie mit Spiegelungen und Reflektionen beschäftigt sich Kai Schiemenz Balkenensemble „Bastion Beauté“. Das grelle, orange-grün-pinke Gebilde befindet sich etwas versteckt auf einer Anhöhe der Parkanlage Museumswall und sucht den größtmöglichen Kontrast zur milden Umgebung.

Geradezu unaufgeregt ist dagegen der Zusammenprall von Natur und serieller Technik am Löwenwall. Hier hat Michael Sailsdorfer einer Straßenlaterne einen riesigen Sockel gegenübergestellt, auf dem eine bronzene Katze aus kürzester Entfernung ins Licht blickt.

Das hellblaue Highlight am John-F.-Kennedy-Platz

Lichtpavillon "Bei Pess u. Puse" von Tobias Rehberger. Foto: André Pause

Lichtpavillon „Bei Pess u. Puse“ von Tobias Rehberger. Foto: André Pause

Die spektakulärste Arbeit im südlichen Teil des Parcours dürfte Tobias Rehbergers „BEI PESS u. PUSE“ sein. Die Gestaltung des hellblau schimmernden Kunstimbisses am John-F.-Kennedy-Platz greift die Ästhetik einer alten Leuchtwerbung an der gegenüberliegenden Fassadenseite auf. Die Installation ist zugleich eine Hommage an Rem Koolhaas’ Konzerthalle Casa da Música in Porto.

Danica Dakics „Flashback“ unter dem Bogen der Drachenbrücke, Björn Dahlems verschachtelte Galaxienskulptur „M-Sphären (Seyfert 2)“ im Bürgerpark und Elin Hansdóttirs nur mittelbar beleuchtete Arbeit „Cast“ sollten im Sinne einer größtmöglichen Wirkmacht nicht erst bei völliger Dunkelheit besucht werden.

Kultur = Kapital

Diese war dem markanten LED-Schriftzug „Kultur = Kapital“ an den Portikus-Säulen der Schloss-Rekonstruktion vom Fleck weg garantiert. Die gleichnamige Arbeit, die Alfredo Jaar angelehnt an Joseph Beuys’ These, nach der Kunst gleich Kapital ist, auch schon in Miami, Helsinki und Turin gezeigt hat, ist ein Spiel mit der Mehrdeutigkeit. Der Betrachter kann es einerseits so interpretieren, dass die Kultur – unsere Bildung, unsere Zivilisation – unser Kapital darstellt. Aber auch der Gedanke, dass nur wer über Kapital verfügt, auch die nötigen Mittel für eine kulturelle Teilhabe hat, kann entstehen. Eine dritte Möglichkeit der Deutung schließlich lässt die einzelhandelsnahe Platzierung der Arbeit zu: eure Kultur ist nichts als Konsum.

Ganz egal, zu welchem Schluss Sie an dieser Stelle persönlich kommen: Genießen Sie die Lichter und Farben des Lichtparcours 2016 – bis zum 22. September.

Zahlreiche Vermittlungsangebote

Leuchtende Bastion Beauté von Kai Schiemenz. Foto: André Pause

Leuchtende Bastion Beauté von Kai Schiemenz. Foto: André Pause

Die Ausstellung wird um ein umfangreiches Rahmen- und Vermittlungsangebot ergänzt. Neben einer Filmreihe, Workshops für Kinder, Lesungen, Konzerten werden Spaziergänge mit Braunschweiger Persönlichkeiten, darunter Oberbürgermeister Ulrich Markurth angeboten. Die Ausstellung kann individuell oder im Rahmen von Führungen besucht werden, die das Stadtmarketing Braunschweig organisiert. Zu Fuß, auf dem Boot oder dem Floß, auf dem Fahrrad oder dem Segway werden die Werke in täglich bis zu elf Führungen erkundet.

Alle Informationen zum Lichtparcours unter www.lichtparcours.de sowie unter www.braunschweig.de/angebote-lichtparcours.

 

Die 3Landesmuseen: Um- und Aufbruch im Dreiklang

Es ist einiges in Bewegung bei den 3Landesmuseen, dem Zusammenschluss von Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweigischem Landesmuseum und Staatlichem Naturhistorischen Museum: die Zweigstelle „Hinter Aegidien“ des Landesmuseums wurde gerade saniert und wieder für das Publikum geöffnet, das Naturhistorische Museum hat vor Kurzem gleich drei neue Ausstellungsräume hinzugewonnen und natürlich wird mit Hochdruck an der Fertigstellung des Herzog Anton Ulrich-Museums (HAUM) gearbeitet. Die Neueröffnung des bedeutenden Kunstmuseums wird das Herbst-Highlight im kommenden Jahr sein. An den reichhaltigen Exponaten wird sich natürlich nichts ändern, aber sie werden neu in Szene gesetzt, verrät Karoline Scheeler von den 3Landesmuseen. Mit einem Blog halten Scheeler und ihre Kolleginnen das Museumspublikum über die Entwicklung im HAUM auf dem Laufenden. Der Umbruch ist also gleichzeitig ein Aufbruch: auch in Zukunft werden die 3Landesmuseen mit ihrem einzigartigen Themenspektrum aus hochkarätiger Kunstgeschichte, lebendiger Landesgeschichte und spannenden Einblicken in die Natur Jung und Alt begeistern. Was den Besucher genau erwartet, verrät die Übersicht.

Staatliches Naturhistorisches Museum, Foto: M. Kruszewski

Staatliches Naturhistorisches Museum, Foto: M. Kruszewski

Staatliches Naturhistorisches Museum

Durch einen neu gestalteten Eingangsbereich gelangt der Besucher in die drei neuen Ausstellungssäle im Erdgeschoss: der Entdeckersaal vermittelt Kindern Wissenswertes zu Wildtieren, das Schaumagazin präsentiert über 500 Präparate, die bisher nicht zu sehen waren und mit der Schatzkammer konnten auch die ältesten und wertvollsten Objekte des Museums in die Dauerausstellung integriert werden. Im Aquarium gibt es außerdem exotische Blatt- und Diskusfische zu sehen, der Lichtsaal zeigt Tiere der Eiszeit und zahlreiche Dioramen geben einen Einblick in die heutige Fauna. Dino-, Fossilien-, und Insektensäle machen das Naturerlebnis perfekt, die Dauerausstellung ist vor allem für Familien und Kinder ein heißer Tipp für trübe Herbsttage. Gleiches gilt für die aktuelle Sonderausstellung „Zeitkapsel Bernstein“, im Januar 2016 werden „Körperwelten der Tiere“ zu sehen sein.

Vieweghaus, Burgplatz, Foto: M. Kruszewski

Vieweghaus, Burgplatz, Foto: M. Kruszewski

Braunschweigisches Landesmuseum

Das Braunschweigische Landesmuseum präsentiert Landesgeschichte und Archäologie. Wer hier nur an die graue Vergangenheit denkt, liegt allerdings falsch: in der historisch bedeutsamen Region wurden schon früh politische Weichen gestellt, die bis heute weit über die Landesgrenze hinauswirken. Auch die Entwicklung von Kultur, Wirtschaft, Technik, Kunst, Volkskunde und Sozialgeschichte wird prägnant dargestellt. Ein weiteres Themenfeld ist die Archäologie, denn auch vor Beginn des Mittelalters war in der Region einiges los: die Ausstellung „Roms vergessener Feldzug. Die Schlacht am Harzhorn“ und „Die zweite lange Römer-Nacht“ waren die Publikumsrenner 2013/2014. Zweigstellen des Landesmuseums sind das Archäologische Museum in Wolfenbüttel und „Hinter Aegidien“ in Braunschweig mit dem Kloster St. Aegidien und dem Jüdischen Museum. Ganz aktuell geht es ab dem 21. November mit der Sonderausstellung „40 Jahre Playmobil“ auf „Eine Abenteuerreise durch die Zeit“, im kommenden Jahr steht mit „Ötzi, der Mann aus dem Eis“ ein Highlight aus der Jungsteinzeit auf dem Programm.

Blick auf das Herzog Anton Ulrich-Museum mit dem Neubau im Museumspark, Foto: C. Cordes, HAUM

Blick auf das Herzog Anton Ulrich-Museum mit dem Neubau im Museumspark, Foto: C. Cordes, HAUM

Herzog Anton Ulrich-Museum

Eines der ältesten Kunstmuseen Europas befindet sich zurzeit im Umbau – noch, denn im kommenden Herbst ist die Neueröffnung geplant. An der sanierten Fassade des 1887 errichteten Gebäudes kann man sich jetzt schon erfreuen, ab Herbst 2016 auch wieder an den Werken von Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, Rembrandt, Rubens oder Jan Vermeer, um nur einige Namen zu nennen. Durch die Ausgliederung der Verwaltung in den neuen Museumsanbau kann der Altbau in Zukunft wieder vollständig als Ausstellungsfläche genutzt werden. Es wird aber nicht nur mehr Platz für Exponate, sondern auch konzeptionelle Neuerungen im HAUM geben: die rein chronologische Präsentation weicht einer mehr themenorientierten Auseinandersetzung mit den Exponaten. Neue Farben und ein „Touch Table“ werden das außergewöhnliche Kunsterlebnis unterstreichen. Zum HAUM gehören darüber hinaus das Kupferstichkabinett im Museumsanbau, das zu den wichtigsten internationalen Graphiksammlungen gehört sowie Ritter- und Knappensaal der Burg Dankwarderode am Burgplatz, wo in der Mittelalter-Dauerausstellung Teile des Welfenschatzes, der Kaisermantel Ottos IV. und der originale Braunschweiger Burglöwe bestaunt werden können.

Text: Jan Engelken