AIPARK: Ein junges Startup löst ein altes Problem

Ob Wissenschaft und Forschung oder Arbeit und Wirtschaft – die intelligente Mobilität der Zukunft ist ein Thema, das Braunschweig bewegt und die Löwenstadt zu einem Standort von internationalem Rang macht. Das junge Team von AIPARK hat sich dabei erfolgreich einem Thema verschrieben, das fast jeden betrifft: Die alltägliche Parkplatzsuche.

Ordnung ins Chaos bringen

Experten schätzen, dass in größeren Städten die Parkplatzsuche bis zu 40% des Gesamtverkehrs ausmacht. Dabei verbringt ein Fahrer im Schnitt bei jeder Fahrt 20 Minuten mit der Suche nach einem Stellplatz. Auch in Braunschweig liegt der sogenannte „Parksuchverkehr“ zu Stoßzeiten inzwischen bei rund 25%. Eine enorme Belastung für jeden Verkehrsteilnehmer und auch für die Umwelt. Aber warum ist das so? „Man hat ja immer nur das eigene Sichtfeld und fährt daher einfach so lange herum, bis man eine Lücke findet“, erklärt Julian Glaab, Geschäftsführer der AIPARK GmbH. Und das tun täglich Millionen Menschen gleichzeitig.

Julian Glaab in den Büroräumen von AIPARK im Technologiepark am Rebenring. Foto: Stephen Dietl.

Doch dank moderner Technologie lässt sich jetzt Ordnung ins Chaos bringen. Die Stichworte sind „Big Data“ und „Machine Learning“: Mit Hilfe der anonymisierten Bewegungsdaten, die heute fast jedes Smartphone überträgt, lässt sich sagen, ob ein PKW-Nutzer sein Fahrzeug geparkt hat. Auch wenn diese Methode bisher noch nicht parklückengenau und in Echtzeit funktioniert, lassen sich die Informationen bei ausreichend hoher Teilnehmerzahl in Wahrscheinlichkeiten hochrechnen: Wird ein Fahrer über eine Navigations-App zu einem bestimmten Ziel gelotst, kann ihm die Wahrscheinlichkeit genannt werden, mit der er dort bei seiner Ankunft einen freien Stellplatz findet – oder eine nahegelegene Straße mit voraussichtlich geringerer Auslastung vorgeschlagen werden.

Die App schlägt dem Nutzer u.a. Suchrouten mit der höchsten Erfolgschance vor. Foto: AIPARK.

Das ist die Idee hinter AIPARK. Deutschlandweit sechs Millionen Bewegungsprofile stehen den jungen Software-Entwicklern zur Verfügung, 500.000 davon treffen täglich in Braunschweig ein. Auf dieser Basis stellen sie mit Hilfe komplexer Berechnungen verblüffend genaue Voraussagen über rund 60 Millionen Parkplätze in 140 deutschen Städten an. Anbieter von Navigations-Apps und ähnlichen Automotive-Services können in Lizenz darauf zugreifen und die Daten nahtlos in ihr eigenes Produkt einbinden. Diese „Parking Cloud“ ist das begehrte Produkt von AIPARK.

Aus den Mobilitätsdaten von mobilen Geräten der Nutzer lässt sich eine Parkkarte erstellen, die statische und dynamische Parkplatzdaten in Echtzeit anzeigt. Grafik: AIPARK.

Gründen leichtgemacht

AIPARK selbst ist das Ergebnis studentischer Arbeit an der TU Braunschweig. Der 24-jährige Wirtschaftsingenieur Julian Glaab kam zum Master-Studium nach Braunschweig, lernte hier seine Mitunternehmer kennen. In einem Seminar sollten sie eine App zum Thema Mobilität entwickeln, damit war die Grundidee von AIPARK geboren. Ihr Professor riet ihnen zur Gründung, die Uni stellte finanzielle Mittel und Räume für die Weiterentwicklung. Am Ende stand ein EXIST-Gründerstipendium des Bundes und die Gründung der AIPARK GmbH durch sechs Studierende der TU. Das Unternehmen ist somit ein gutes Beispiel für erfolgreiche Existenzgründung aus der Wissenschaft, dem gelungenen Transfer von experimenteller Technologie in ein marktfähiges Produkt, wie es sich die Stadt der Wissenschaft auf die Fahnen geschrieben hat.

Andreas Müller, Johannes Riedel, Matthias Natho, Mathias Rudnik, Julian Glaab und Torgen Hauschild (v.l.n.r.) vom AIPARK-Team. Foto: AIPARK.

„Braunschweig bietet sehr gute Voraussetzungen für Gründer“, erzählt Glaab. Zum Master-Studium hat ihn nicht nur das Renommee der Region Braunschweig im Bereich der Mobilitätsforschung gelockt, sondern auch die internationale Vernetzung. „Das International Office ist in Braunschweig sehr fit,“ so der gebürtige Regensburger, der nicht zuletzt auch dank seiner studentischen Aufenthalte in den USA, Kanada und Russland das breite Wissen und den Mut erlangt hat, sich auf die eigenen Beine zu stellen.

Innovationsfreundliches Klima

„In den letzten Jahren hat sich in Braunschweig viel getan, das Klima ist sehr innovationsfreundlich geworden“, bestätigt Glaab und nennt neue Einrichtungen wie den TRAFO Hub in den Wichmannhallen und das Start-up-Zentrum Mobilität und Innovation (MO.IN) im Technologiepark, von dem auch AIPARK gefördert wurde. „Das alles ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Stadt ist sehr offen für Neues.“

Das AIPARK-Team zu Besuch in den Wichmannhallen. Foto: AIPARK.

Inzwischen hat AIPARK elf Mitarbeiter und einen eigenen Firmensitz in den Räumen des Technologieparks der Braunschweig Zukunft GmbH, eine Außenstelle in Berlin befindet sich im Aufbau. Zehn namhafte Unternehmen zählen bereits zu ihren Kunden, nun soll der europäische Markt erobert werden. Warum man den Hauptsitz dennoch in Braunschweig belässt? „Wir haben hier ideale Voraussetzungen, alles ist stark vernetzt“, schwärmt Glaab. Sehr wertvoll sei auch die entspannte Gelassenheit in Braunschweig: „Es ist nicht so hektisch wie Berlin.“ Und in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft zum Erfolg.

Text: Stephen Dietl

Titelbild: Die App analysiert Verkehrsdaten und errechnet die Wahrscheinlichkeit für einen freien Parkplatz nahe des Zielgebiet und navigiert direkt dorthin. Foto: AIPARK.