Brunswiek Helau!

Winterzeit ist in Braunschweig nicht nur die Zeit eines der schönsten Weihnachtsmärkte der Bundesrepublik, sondern auch die Zeit des größten Karnevalsumzugs Norddeutschlands. Vier Stunden lang Kamelle und „Helau!“, mehr als 100 Motivwagen auf sechs Kilometern Länge und eine ganze Stadt in Feierlaune – jedes Jahr begeistert der Braunschweiger „Schoduvel“ am Sonntag vor Rosenmontag hunderttausende Besucher. Zum ersten Mal wurde der Braunschweiger Karneval vor über 700 Jahren erwähnt. Damit ist das bunte Treiben in der Löwenstadt sogar älter als der Kölner Karneval.

Der Umzug wird neben Clowns, Politfiguren, satirischen Motivwagen vor allem von guter Laune begleitet. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Daniel Möller.

Der Begriff „Schoduvel“ stammt aus dem Mittelniederdeutschen und setzt sich zusammen aus den Worten „scho“ („scheuchen“) und „duvel“ („Teufel“). Ähnlich wie bei einem Silvesterfeuerwerk dreht sich hier also traditionell alles um das Verscheuchen des Teufels und der bösen Geister zu Beginn eines neuen Jahres in der Hoffnung auf einen baldigen Frühling. In der Stadtchronik wird der Schoduvel erstmals im Jahr 1293 als Parade verkleidet tanzender Gildenmitglieder erwähnt. Dabei soll der Zug der Sage nach sogar von einem Zirkuselefanten angeführt worden sein. 1872 wurde schließlich der erste Braunschweiger Karnevals-Verein, die „Braunschweiger Karneval-Gesellschaft“, vom Braunschweiger Industriellen und Philanthropen Max Jüdel gegründet.

Deutschlandweit einzigartig

Doch was macht den heutigen Braunschweiger Karneval so besonders? Neben den vielen Musik- und Spielmannszügen natürlich die über 100 originellen Motivwagen. Material und Herstellungsverfahren ihrer oftmals riesigen Figuren sind deutschlandweit einzigartig: Sie bestehen nicht aus Pappmaschee, sondern werden aus massiven Styropor-Blöcken bildhauerisch mit Hammer und Meißel geformt. Das lässt sie nicht nur plastischer und lebendiger erscheinen, sondern macht sie auch deutlich haltbarer und umweltfreundlicher, denn aus alten Figuren lassen sich immer wieder neue schaffen.

„Kamelle“ dürfen bei dem größten Karnevalsumzug Norddeutschlands nicht fehlen. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Daniel Möller.

Möglich machen dies alles aber erst die vielen engagierten Karnevalisten in den drei großen Karneval-Gesellschaften: Der Braunschweiger Karneval-Gesellschaft von 1872 e. V., der 1922 gegründeten Vereinigung der Rheinländer und der Mascheroder Karnevalgesellschaft Rot-Weiß von 1965 e.V. 1977 schlossen sie sich zum Komitee Braunschweiger Karneval zusammen, um mit vereinten Kräften das jährliche Großereignis auf die Beine stellen zu können, das inzwischen jedes Jahr rund 300.000 Besucher in die Löwenstadt lockt und sogar in voller Länge im NDR Fernsehen live übertragen wird.

Tradition trifft Moderne

Und so wird in den großen Werkshallen des Schoduvel-Zentrums in Braunschweig-Kralenriede fast das ganze Jahr über an den Wagen gebaut. Engagierte Hobbybastler lassen dort gemeinsam mit professionellen Handwerkern und Künstlern ihrer Kreativität freien Lauf, schnitzen und meißeln in originelle Form, was Land und Leute bewegt. Denn beim modernen Karneval geht es um mehr als bloß ausgelassenes Feiern: Er ist Pflege von traditionellem Brauchtum und zugleich und politisches Kabarett, ein emanzipatorischer Ausdruck ganz im Sinne von Demokratie und Aufklärung. Und damit auch ein eindrucksvolles Statement, wie in Braunschweig auf sympathische Weise Tradition und Moderne miteinander harmonieren und warum die Löwenstadt so lebenswert ist.

Weitere Infos zum Braunschweiger Karneval und die nächsten Termine unter www.braunschweig.de/karneval.

Text: Stephen Dietl.

Titelbild: Die Braunschweiger haben Spaß beim Karneval auf dem Altstadtmarkt. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Daniel Möller.