Forschungslandschaft Braunschweig – Die geballte Kraft der Wissenschaft

Braunschweig ist das Zentrum der forschungsintensivsten Region Europas. 27 namhafte Forschungseinrichtungen haben sich hier dem Fortschritt verschrieben, jeder zehnte Arbeitsplatz befindet sich in der Wissenschaft und mehr als 20.000 Patente sind auf Erfinderinnen und Erfinder aus der Löwenstadt angemeldet. Von Carl Friedrich Gauß bis Heinrich Büssing, vom Digitalfernsehen DVB-T bis zur Kometenlandemission „Rosetta“ – Braunschweiger Erfindergeist prägt den Alltag und stellt Weichen für die Zukunft. Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit von traditionsreichen Bildungs- und Forschungseinrichtungen mit modernen Hightech-Laboren wird in der Stadt der Wissenschaft auf zahlreichen Feldern internationale Spitzenforschung betrieben.

Deutschlands Älteste

20.000 Studierende und 240 Professuren mit 71 Studiengängen auf 400.000 m2 in 180 Gebäuden: Die im Jahr 1745 als „Collegium Carolinum“ gegründete Technische Universität Braunschweig ist nicht nur die älteste, sondern auch eine der führenden technischen Hochschulen Deutschlands und ein eigener Kosmos innerhalb der Löwenstadt. Als Ihren erfolgreichen Betrieb und ihre exzellente Spitzenforschung ermöglichen erst die vielen engagierten Menschen hinter den Kulissen: Mit insgesamt 3.650 Mitarbeitern ist die „Carolo Wilhelmina“ zugleich auch eine der größten Arbeitgeberinnen der Region.

Der Zentralcampus mit seinem historische Hauptgebäude im Kern befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt. Foto: Braunschweig Stadtmarketing GmbH / Gerald Grote.

Messen, was das Zeug hält

Von Braunschweig aus wird nicht nur die Zukunft bestimmt, sondern gleich auch die Zeit an sich: Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) betreibt vier Atomuhren und ist für die Verbreitung der gesetzlichen Zeit in Deutschland zuständig. Sie ist eines der drei weltweit führenden Institute der Metrologie, also der Wissenschaft des Messens. Ihr Motto: „Messen ist Wissen“. Als das nationale Metrologieinstitut Deutschlands und Bundesbehörde ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt die oberste Instanz bei allen Fragen des richtigen Messens. Hier bewahrt man nicht nur eine der deutschen Kopien des Ur-Kilogramms auf, sondern hat kürzlich auch das neue Standardgewicht für ein Kilogramm entwickelt, eine 9,4 cm durchmessende Kugel aus hochreinem Silizium.

Die vier primären Atomuhren der PTB. Foto: Physikalisch-Technische Bundesanstalt.

Sicher hoch hinaus

Als 2014 die Weltraumsonde „Rosetta“ den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko erreichte, um mit ihrer Landeeinheit „Philae“ erstmalig in der Geschichte der Raumfahrt auf einem Kometen zu landen, waren Braunschweiger Spezialisten hautnah dabei: Am hiesigen Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte man die Struktur der Sonde entwickelt, vergleichbar mit der Karosserie beim Auto. Und das ist nur einer der vielen Erfolge der renommierten Einrichtung mit Sitz am Braunschweiger Forschungsflughafen. Rund 1.200 Mitarbeiter leisten hier mit Forschungsflugzeugen, Flugsimulatoren, Windkanälen und Prüfständen einzigartige Pionierarbeit, um Fliegen sicherer, ökonomischer und ökologischer zu machen – bis hinaus in den Weltraum.

Der Niedergeschwindigkeits-Windkanal in Braunschweig. Foto: Thomas Löser, DNW.

Krankheiten den Kampf angesagt

Wie werden Krankheiten ausgelöst und übertragen, wie lassen sich gefährliche Infektionen erfolgreich bekämpfen? Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) wird Grundlagenforschung betrieben, die Leben rettet. Das renommierte Braunschweiger Institut ist zugleich auch Geschäftsstelle des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung und somit die höchste wissenschaftliche Instanz zum Thema Viren und Bakterien in der Bundesrepublik. Rund 900 Mitarbeiter auf 7.000 qm Laborfläche tragen mit ihrer Forschung von Braunschweig aus maßgeblich dazu bei, lebenswichtige Medikamente und Impfstoffe für die ganze Welt zu entwickeln.

Strukturbiologe Tobias Bock betrachtet die 3D-Struktur eines Proteins. Foto: HZI / Waldthausen & Kreibig.

Der perfekte Nährboden

Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen befindet sich wie das HZI auf dem Science Campus Braunschweig-Süd. Die DSMZ ist eines der größten Bioressourcenzentren und die vielfältigste Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen der Welt! Hier lagern rund 66.500 Kulturen, darunter über 35.000 verschiedene Bakterienstämme. Damit ist das DSMZ ein unverzichtbarer Dienstleister für die weltweite Wissenschaft und Forschung. Von Braunschweig aus verschickt die Sammlung jährlich fast 40.000 Kulturen an Labore in mehr als 90 Ländern. Darüber hinaus betreibt die DSMZ Forschung, beispielsweise zu den Bakteriophagen, Pflanzenviren und Krankheiten wie Krebs.

Im Labor wird der Bakterienwuchs auf einer Agarplatte überprüft. Foto: Leibniz-Institut DSMZ.

Felder, Wälder, Meere

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Landwirtschaft und Fischerei? Wie lassen sich nachwachsende Ressourcen angesichts des weltweiten Bevölkerungswachstums nachhaltiger nutzen? Das sind nur zwei der vielen Fragen, denen sich das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume, Wald und Fischerei, widmet. Die 450 interdisziplinären Spezialisten der Einrichtung erforschen unsere Felder, Wälder und Meere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und erarbeiten von Braunschweig aus erfolgversprechende Lösungsansätze für Umwelt und Politik.

Mit Erfolg auf dem Holzweg

Einer der wohl vielseitigsten nachwachsenden Rohstoffe ist Holz. Mit seinen hervorragenden technischen Eigenschaften ist es nicht nur zukunftsfähig als Hightech-Verbundstoff einsetzbar, sondern dank seiner vorbildlichen Ökobilanz zugleich auch umweltfreundlich. Das Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut WKI mit Hauptsitz in Braunschweig ist der optimalen Nutzung von Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen gewidmet. Namensgeber war der Braunschweiger Wilhelm Klauditz, der wichtigste Wegbereiter der Holzforschung in Deutschland. Das WKI betreibt in der Löwenstadt bereits seit 1946 angewandte Wissenschaft im Bereich der Werkstoffkunde und ist eines der führenden Institute für Holzforschung in Europa.

Mitarbeitende des Fraunhofer WKI stellen im Holzwerkstoff-Technikum des Instituts eine OSB-Platte zu Forschungszwecken her. Foto: Fraunhofer WKI / Marek Kruszewski.

 

Und das ist nur eine kleine Auswahl der vielen renommierten Forschungseinrichtungen in der Region Braunschweig. Einen vollständigen Überblick und viele weitere Informationen bieten der Braunschweiger Wissenschaftsstadtplan zum Herunterladen sowie die interaktive Karte der Forschungslandschaft.

 

Text: Stephen Dietl

Titelbild: Arbeitsgruppe Biodegradation unter der Leitung von Dietmar Pieper: Untersuchungen von Bakteriengemeinschaften. Foto: HZI / Heinz Gramann.