Gemeinsam stark – Interdisziplinäre Forschungszentren in Braunschweig

Braunschweig und die Region können mit einer besonders innovativen und vielseitigen Forschungslandschaft punkten. Das Erfolgsrezept: Eine gute Vernetzung und enge Zusammenarbeit unterschiedlichster Fachrichtungen. Denn um international erfolgreich zu sein, muss moderne Wissenschaft fächerübergreifend arbeiten und individuelle Stärken intelligent bündeln. Die Region Braunschweig beheimatet eine Vielzahl interdisziplinärer Forschungszentren, die somit die Zukunftsfähigkeit und die hohe Lebensqualität der Löwenstadt sichern.

Geballtes Wissen gegen Viren und Bakterien

Braunschweig ist dank des renommierten Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) sowie hochspezialisierter Institute der Technischen Universität Braunschweig (TU BS) einer der deutschlandweit wichtigsten Standorte für biomedizinische Forschung im Bereich der Infektionsbiologie, also der Erforschung von Viren und Bakterien als Krankheitserreger. Um die Zusammenarbeit noch effektiver zu gestalten, haben HZI und TU BS das Braunschweig Integrated Centre of Systems Biology (BRICS) ins Leben gerufen, ein Forschungszentrum auf dem modernsten Stand der Technik. Schwerpunkt ist die Entwicklung biotechnologischer Prozesse mit Hilfe der Systembiologie. Am BRICS arbeiten nun Biologie und Medizin mit Mathematik und Informatik zusammen, um biologische Prozesse – insbesondere Infektionen – simulieren und voraussagen zu können und somit die Herstellung von Impfstoffen und Medikamenten zu erleichtern.

Außenansicht des Braunschweig Integrated Centre of Systems Biology (BRICS) auf dem Campus der TU Braunschweig. Foto: Johannes Huisman

 

Für ein besseres Gesundheitssystem

Die am BRICS gewonnenen Erkenntnisse können anschließend beispielsweise am Zentrum für Pharmaverfahrenstechnik (PVZ) genutzt werden. In diesem neuen Forschungszentrum der TU Braunschweig arbeiten Expertinnen und Experten aus Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik zusammen, um Lösungen zu entwickeln, wie sich maßgeschneiderte Medikamente kostengünstig herstellen lassen. Das deutschlandweit einzigartige Projekt leistet also nicht nur interdisziplinäre Grundlagenforschung, sondern von Braunschweig aus auch einen ganz konkreten Beitrag zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems.

Nachhaltig mobil

Als aufstrebende Großstadt und zugleich starker Standort der Automobilindustrie sieht sich auch Braunschweig in besonderem Maße vor die Frage gestellt: Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus, insbesondere in Ballungsräumen? Um praxistaugliche Mobilitätskonzepte zu entwickeln, die modernen sozialen, ökologischen und ökonomischen Anforderungen entsprechen, und zugleich die Forschungsregion Braunschweig als Spitzenstandort in der Fahrzeugtechnik zu etablieren, gründete die TU Braunschweig in Zusammenarbeit mit der Volkswagen AG im Jahr 2007 das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF). Seitdem forschen hier Naturwissenschaftler und Ingenieure gemeinsam mit Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern interdisziplinär an der Vision einer ganzheitlichen und nachhaltigen Mobilität.

Der Gesamtfahrzeugsimulator im NFF zur Erprobung intelligenter Fahrzeugsysteme. Foto: ©NFF/ Bierwagen

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Einer der wohl wichtigsten Bausteine der modernen Mobilitätskonzepte, wie sie auch am NFF entwickelt werden, ist die Batterietechnik im Bereich der Elektromobilität. Kapazität und Sicherheit haben bei der angestrebten Alltagstauglichkeit höchste Priorität und unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Die Battery LabFactory Braunschweig (BLB) vereint die Ingenieurs- und Naturwissenschaften mit der Verfahrens-, Produktions- und Elektrotechnik und gilt als bundesweit flexibelste Forschungseinrichtung zur Batterieproduktion. Die interdisziplinäre Einrichtung der TU Braunschweig und des NFF kann dank der Unterstützung durch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die gesamte Prozesskette der elektrochemischen Speichertechnik vom Labor- bis hin zum Praxistest untersuchen und so die Batterie der Zukunft entwickeln – damit unsere Mobilität nicht zu Lasten der Umwelt geht.

Ganz groß auch im ganz Kleinen

Nanotechnik gilt als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts: Ob mehr Reichweite durch kompaktere e-Auto-Batterien, höhere Smartphone-Auflösungen dank Nano-LEDs oder visionäre Behandlungsmethoden in der Medizin – aufgrund der fortschreitenden Miniaturisierung wird eine möglichst präzise Messung im mikroskopisch kleinen Nano-Bereich immer wichtiger. Mit dem Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA) besitzt Braunschweig ein Forschungszentrum eigens für die Nanomesstechnik. In enger Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt widmen sich an dieser interdisziplinären Einrichtung der TU Braunschweig über 100 Spezialisten mit Hilfe modernster Infrastruktur der internationalen Spitzenforschung im Allerkleinsten.

Gemeinsam hoch hinaus

Braunschweig ist im Bereich der Mobilitätsforschung nicht nur am Boden ein internationaler Spitzenreiter, sondern auch hoch in der Luft – bis hinein in den Weltraum. Forschungsflugzeuge, Simulatoren, Windkanäle und Prüfstände sowie eine 2,3 km lange Start- und Landebahn: Der Forschungsflughafen Braunschweig ist eines der innovativsten Wirtschafts- und Wissenschaftscluster Europas und das führende Kompetenzzentrum für Mobilitätsfragen. Hier befindet sich neben dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) auch der Hauptsitz des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL), der wissenschaftlichen Vereinigung der luft- und raumfahrttechnischen Institute der TU Braunschweig, des DLR und der Leibniz Universität Hannover. Rund 2.800 hochqualifizierte Beschäftigte widmen sich hier nicht nur einer Vielzahl grundlegender, interdisziplinärer Forschungsvorhaben, sondern auch der Stärkung und Vernetzung des exzellenten Wissenschaftsstandorts. Eine der neusten Errungenschaften am Forschungsflughafen: Das Lilienthalhaus, Braunschweigs erstes Besucher- und Dienstleistungszentrum für Luft-, Raumfahrt und Mobilität. Das futuristische Gebäude bietet rund 5.100 qm hochmoderne und flexible Bürofläche für Dienstleister, Ingenieurbüros, StartUps und wissenschaftliche Einrichtungen – für eine perfekte Anbindung an den Forschungsstandort und ein Maximum an interdisziplinärer Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette.

Außenansicht des Niedersächsischen Forschungszentrums für Luftfahrt (NFL) am Campus Forschungsflughafen. Foto: Sebastian Olschewski/TU Braunschweig

 

Viele weitere Informationen zum Wissenschaftsstandort Braunschweig, aktuelle Termine und Veranstaltungen sowie ein umfassender Wissenschaftsstadtplan zum Download unter www.braunschweig.de/wirtschaft_wissenschaft/.

 

Text: Stephen Dietl

Titelbild: Institut für Partikeltechnik / Bereich Batterieverfahrenstechnik: Stoyan Ivanov und Christiane Schilcher untersuchen die Prozessparameter bei der Herstellung von Batterieelektroden. Foto: Frank Bierstedt/TU Braunschweig.